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Logbuch des Shuttles del Cano, Sternzeit 21.475.6, Commander Spencer: [22.06.2344 01:40:13]
Wir versuchen, Zugang zur Viking über eine Schleusenvorrichtung zu erlangen. Da die Viking kein Sternenflottenschiff ist, gestaltet sich dieser Vorgang ungewöhnlich schwierig.
Spencer lag ein Kommentar über die mangelnde Normierung eines externen Schleusenzuganges bei Föderationsschiffen auf der Zunge, er unterließ ihn allerdings, da die Kremlin-Klasse ein altes Sternenflottendesign war. Er warf stattdessen einen Blick in die Datenbank des Shuttles um sich über diesen vermeintlichen Widerspruch schlau zu machen.
"Ich halte die Position", gab Austin von ihrem Pilotensessel bekannt.
Bengasi bediente ärgerlich sein Pult des Copiloten. "Versuche neuen Anlauf. Reinitialisiere Schleuse."
Karov und Özhan beobachteten gebannt das neuerliche Manöver Austins.
"Sagen Sie, Captain, glauben Sie, dass wir noch Überlebende finden werden?", fragte Karov leise.
"Keine Ahnung", gab Spencer trocken zurück. Er hatte seinen Wissensdurst gestillt und wandte seine Aufmerksamkeit nun den Aktionen Bengasis ab. Karov blickte unbeobachtet von den anderen zu Boden und kniff die Mundwinkel zusammen.
Da keine Möglichkeit bestand, mit Hilfe des Transporters an Bord zu gehen (selbst wenn der Transporter der Magellan einsatzbereit wäre, verböte sich ein direkter Beamvorgang auf Grund der unkalkulierbaren Interferenzen der Strahlung), musste ein wesentlich umständlicherer Weg beschritten werden. Jedes Schiff der Föderation hatte (oder sollte zumindest haben) eine genormte Vorrichtung an der Außenhaut, in die das Endstück einer transportablen Schleusenkammer genau passte. Diese Schleusenkammer, oder besser gesagt, ihr Anfangsstück war an der Seitentür der del Cano montiert und durch einen langen, beinahe durchsichtigen Flexolex-Schlauch mit dem Endstück verbunden, das langsam auf die Vorrichtung an der Viking zusteuerte und schließlich andockte.
"Sollen wir...?", fragte Austin, doch Bengasi wehrte ab. "Der Computer der Magellan ist noch funktionsfähig. Ich werde versuchen, ihn die Schleusenvorrichtung öffnen zu lassen. Das erspart uns eine Sprengung des Schotts an der Außenhülle der Viking."
"Der Zugang ist offen, bitte legen Sie alle die Anzüge an", gab Bengasi einige Tastendrücke später bekannt.
Die Fünf taten wie geheißen und montierten zusätzlich die Strahlungsnullisierer an den Anzügen. Bengasi öffnete die Shuttle-Seitentür und füllte somit den Verbindungsschlauch mit Atmosphäre aus der del Cano. Nur der Verschlussmechanismus am Ende des Schlauches verhinderte jetzt ein Durchsickern der Strahlung von der Viking.
Nachdem Spencer als letzter die del Cano verlassen hatte, verriegelte er die Schleuse hinter sich. Danach richtete er langsam seinen Blick nach vorne in Erwartung des unausweichlichen Schocks, der jedem widerfuhr, der sich nach einer 180°-Drehung, anstatt einer Shuttlekabine den bodenlosen Weiten des Weltalls in allen drei Dimensionen gegenübersah. Es ließ sich allerhöchstens erahnen, wo sich der rettende Schlauch befand.
Bengasi schritt unerschrocken voran, Austin folgte ihm in vergleichbarer Weise, Özhan und Karov traten deutlich vorsichtiger auf, Spencer bildete den Schluss. Ihm kam diese Szenerie auf einmal sehr vertraut vor, dabei hatte er sich seit der Akademie nicht in einem... doch was ist das?
"Haben Sie das gehört?", fragte er Karov.
Karov blieb stehen und wandte sich um. "Was denn, Captain?"
"Dieses... dieses Summen. Jetzt ist es weg."
"Ich habe kein Summen gehört", stellte Karov fest und ging mit einem unwohlen Gefühl im Magen weiter.
Austin, die sich hinter dem führenden Bengasi hielt, räusperte sich verstohlen. Bengasi nickte zustimmend, ohne sich ihr dabei allerdings zuzuwenden. Austin begann aus Spaß (oder geschah es als Ablenkung?) für sich eine stumme Melodie zu summen.
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