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Kennedy


"Gegen Willen und Vernunft"

von Andreas Drechsler

Kapitel 6


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Logbuch der Magellan, Commander Spencer, Nachtrag:
Wir sind in den Plasmasturm eingeflogen, um dort nach der Viking zu suchen, bisher leider ergebnislos. Die Energie für die Schutzschirme lässt nach, uns bleiben noch bestenfalls vier Minuten, um das Schiff zu lokalisieren.
"Immer noch nichts, Mr. Bernhard?"
"Nein, Commander." Bernhard nahm einige Einstellungen an seinen Sensoren vor.
"Fähnrich Austin, Kurskorrektur. Manöver Delta", ordnete Bengasi an und murmelte ein "Irgendwo müssen sie doch sein", während er unruhig über die Brücke wanderte. Er hatte viel von seiner ursprünglichen Ruhe verloren, Spencer dagegen saß mehr oder weniger teilnahmslos in seinem Sessel.
Einige Sekunden herrschte gespannte Stille, bis Karov erschrocken auffuhr: "Strahlungseinbruch auf Deck 4! Die Schilde hatten kurz versagt!"
Spencer blickte plötzliche hellwach auf. "Schäden? Verletzte?", fragte er wie automatisch.
"In den betroffenen Sektionen hielt sich glücklicherweise niemand auf", antwortete Karov.
"Wir verlassen den Plasmasturm", stellte Spencer fest.
Bengasi schaute ihn erstaunt an, er hatte wie die anderen mit allem gerechnet, nur nicht mit einem solchen Befehl. Austin sah ihrerseits fragend zu Bengasi, der eine abwartende Geste andeutete.
Gerade als Spencer seinen Mund geöffnet hatte, um mit Bengasi zu sprechen, rief Bernhard: "Sir, ich habe da was! Eine Energiesignatur, ganz schwach in sechshunderttausend Kilometern Entfernung. Die Viking!"
"Kurs setzen!", reagierte Bengasi. "Maximal mögliche Geschwindigkeit, Traktorstrahl vorbereiten. Und halten Sie die Schilde zusammen, Karov!"
"Entfernung zur Viking?" Im Vergleich zu Bengasi wirkte Spencers Frage geradezu vorsichtig.
"Zwanzig Sekunden", antwortete Bernhard.
Spencer begann, unruhig auf seinem Stuhl herumzurutschen, Bengasi dagegen lehnte voll Spannung am Brückengeländer und verfolgte auf dem Hauptschirm die Manöver Austins, die die Magellan in Traktorstrahlreichweite bugsierte.
"Wir haben erste Strahlungseinbrüche auf den Decks 5-7 und 13", gab Karov bekannt.
"Leiten Sie die Evakuierungsmaßnahmen ein, falls nötig. Wir brauchen noch einige Minuten."
"Das wird eng, Captain", meinte Karov.
Bengasi wollte wieder auffahren, doch Spencer hob die Hand und aktivierte das Intercom. "Brücke an Maschinenraum!"
"Bengtsson hier", meldete sich der Chefingenieur.
"Mr. Bengtsson, wir brauchen noch zwei, drei Minuten im Plasmasturm. Modifizieren Sie die Schilde dementsprechend."
"Ja, Captain", antwortete Bengtsson unfreundlich, so unfreundlich wie man diese beiden Worte nur aussprechen konnte.
Spencer hatte keine Zeit, weiter darüber nachzudenken, da Austin die Magellan in Traktorreichweite manövriert hatte und dies aufgeregt bekannt gab.
"Ankoppeln und dann auf dem schnellsten Wege raus hier", brummte Spencer.
"Die Viking ist fixiert", gab Karov bekannt.
"Kurs auf den Rand des Plasmasturms ist gesetzt, ich beschleunige", fügte Austin an.
Die Magellan begann zu schlingern, das Deckenlicht flackerte.
"Jetzt flackert das Licht, Miss Karov. Jetzt da es Probleme gibt", knurrte Bengasi. "Was ist los?"
Spencer schluckte, er konnte nicht sprechen, sondern starrte gebannt auf die vibrierende Lehne seines Stuhls.
"Der Impulsantrieb ist überlastet, die Interferenzen des Plasmasturms und die Viking sind anscheinend zuviel", meinte Bernhard mit deutlichen Zweifeln in der Stimme.
Spencer hatte die Sprache wiedergefunden. "Maschinenraum! Lässt sich da was machen wegen dem Impulsantrieb?"
"Negativ, Captain", kam die prompte Antwort von Bengtsson. "Ich kann nicht zaubern."

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