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Kennedy


"Gegen Willen und Vernunft"

von Andreas Drechsler

Kapitel 5


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Bengasi hatte in der von ihm verfassten Darstellung des Unfalles mehr als nur zwischen den Zeilen durchblicken lassen, wen er für die dafür verantwortliche Person hielt, Karov nämlich. Ihm zufolge hatte sie vor der Übergabe ihrer Brückenstation ihrem Vertreter Fähnrich Sey aufgetragen, von dem nun verletzten O‘Kelley eine rasche Erledigung des Auftrages zu verlangen und ihn somit geradezu herausgefordert, Sicherheitsmaßnahmen zu missachten, die Folge war die Explosion. Im Gegensatz zu Bengasi hatte Spencer jedoch durchaus Verständnis für eine solche Handlungsweise, weil er selbst die eine oder andere Sicherheitsmaßnahme missachtet hatte, als er vorhin am Warptriebwerk gearbeitet hatte. Trotzdem nahm er sich vor, mit Karov ein Wörtchen zu reden, erst auf der Rückreise allerdings, unter anderem auf Grund ihrer aktenkundig gewordenen Vorgeschichte.
"Ich habe die Sensorensuche beendet", meldete Bernhard ernüchtert. "Ergebnislos."
"Dann stellt sich die Frage: Wo ist die Viking jetzt?", merkte Bengasi an, nur eine leichte Spur des Vorwurfs durchzog seine ansonsten sachlich vorgebrachte Frage.
"Wie weit reichen ihre Sensoren?", fragte Spencer.
"Oder mit anderen Worten: Kann die Viking so weit abgedriftet sein, dass wir sie nicht mehr orten können?", fügte Bengasi überflüssigerweise hinzu.
"Ich habe den Abtastradius auf ein halbes Lichtjahr in alle Richtungen ausgedehnt und habe nichts gefunden. Sollte sich die Viking wirklich außerhalb des Scanradius befinden, müsste sie sich schon aus eigener Kraft fortbewegt haben."
"In diesem Fall sollten wir aber Nachricht von ihr haben", stellte Bengasi fest.
"Dann wurde sie wohl zerstört", stellte Karov niedergeschlagen fest.
Einige Sekunden lang herrschte Stille auf der Brücke, bis Spencer ein "Nicht unbedingt..." hören ließ.
Die überraschten und fragenden Blicke aller übrigen fünf Brückenoffiziere ruhten auf Spencer, als er fortfuhr. "Wir lassen eines außer Acht: Den Plasmasturm. Es ist durchaus möglich, dass die Viking mitgerissen wurde."
"Wie wahrscheinlich ist das?", fragte Bengasi.
Bernhard begann einige Berechnungen. "Schwer zu sagen, Sir. Sie hatten einen Defekt am Warpantrieb, der ist in einem Plasmasturm aber sowieso nicht funktionsfähig. Sie konnten nur mit Impulskraft dem Sturm begegnen, zum Ausweichen war es offensichtlich zu spät. Die Impulsmaschinen der Viking sind nicht besonders leistungsfähig, innerhalb eines Sturms natürlich noch weniger. Mit viel Glück könnten Sie es geschafft haben, allerdings nicht ohne größere Schäden."
"Dann müssen wir uns beeilen. Ewig werden sie das da drin nicht aushalten könnten", kommentierte Bengasi unangebracht süffisant.
Diese neuerliche Spitze Bengasis fegte die Souveränität hinweg, die die Brückenroutine Spencer wiedergegeben hatte, sein Herz begann heftig zu pochen.
Er blickte unsicher umher, dann fragte er Bengasi: "Ist das Schiff klar für den Einflug in den Plasmasturm?"
"Aber ja, Captain", meinte Bengasi so als wäre es die selbstverständlichste Sache von der Welt.
"Fähnrich Bernhard, wie gut arbeiten ihre Sensoren im Plasmasturm?"
"Stark eingeschränkt, Captain. Ich kenne die Strahlungsintensität innerhalb des Sturms nicht, mit einer klaren Erfassung werde ich auf keinen Fall dienen können. Die Reichweite wird auf einige hunderttausend Kilometer beschränkt sein, vielleicht sogar noch weniger."
"Fähnrich Austin, berechnen Sie einen Suchkurs, der folgende Punkte berücksichtigt: Wahrscheinlichster Eintrittspunkt der Viking in den Sturm, vermutliche Position der Viking, unsere eingeschränkte Manövrierfähigkeit..." Er überlegte.

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