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Kennedy


"Gegen Willen und Vernunft"

von Andreas Drechsler

Kapitel 5


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Logbuch der Magellan, Sternzeit 21475.5, Commander Spencer: [22.06.2344 00:47:31]
Wir haben nach einer ereignisreichen Reise den letzten bekannten Aufenthaltsort der Viking erreicht und beginnen jetzt mit der Suche.
Spencer hatte es gerade noch geschafft, nicht als letzter auf der Brücke einzutreffen, er trat zusammen mit Lieutenant Karov aus dem Lift.
"Austin, verlangsamen Sie auf Impulskraft! Bernhard, was macht der Sensoren-Scan?", hörten sie Bengasis letzte Anweisungen.
"Aye, Sir", bestätigte Austin.
"Sensor-Scan läuft, immer noch keine Ergebnisse", meldete Bernhard.
Karov löste Sey an der taktischen Konsole ab und Bengasi sah zu Spencer: "Sie sind auch da, Captain?", fragte er bewusst provokant.
Spencer blinzelte einige Male irritiert, es schien, als würde er gerade gedanklich aus weiter Ferne in die Realität zurückkehren. "Was?"
Anstatt auf seine Frage zu antworten, räumte Bengasi wortlos seinen Platz für Spencer und baute sich neben dem Kommandosessel auf.
Spencer setzte sich und bemühte sich krampfhaft um eine angemessene Entgegnung auf Bengasis neuerliche Provokation, entschloss sich aber nach einigen regungslosen Sekunden, sich ganz dem Wesentlichen zu widmen.
"Wie ist die Lage?", fragte er.
"Wir fliegen mit Impulskraft und nähern uns dem letzten bekannten Aufenthaltsort der Viking. Der Plasmasturm ist hier vor kurzem vorbeigezogen, daher machen uns gewisse Strahlungsrückstände zu schaffen, die unter anderem die Sensoren beeinträchtigen. Die Achterphaser sind ausgefallen, dafür ist der Traktorstrahl einsatzbereit." Bengasi legte zwar einen neutralen Tonfall an den Tag, konnte aber nicht ganz verbergen, dass er sich an Spencers Hilflosigkeit seinen Anspielungen gegenüber weidete.
Spencer nickte einige Male unkontrolliert. "Gibt es schon eine Reaktion auf unsere Funksprüche?"
"Wir senden keine", antwortete Quentin direkt und sicher.
Spencer warf einen fragenden Blick zu Bengasi, den er aber sofort abwandte, als Bengasi zu sprechen begann. "Ich habe die Rufe einstellen lassen, da wir keine Antwort erhalten haben."
"Und... sie sagten doch gerade, die Sensoren werden durch die Strahlungsrückstände gestört", überlegte Spencer laut und trommelte mit den Fingern auf der Armlehne. "Senden Sie einen allgemeinen Ruf auf allen Frequenzen. Vielleicht meldet sich die Viking", fügte Spencer im selben Tonfall hinzu.
Quentin brauchte einige Zeit, um Spencers Befehl als einen solchen zu erkennen. "Ich sende. Die Funksignale werden aber ebenfalls durch die Strahlung gestört."
"In Ordnung." Spencer überlegte, dann wandte er sich an Bernhard: "Zustand der Sensoren? Ich meine... zeigen sie etwas an?"
"Sie zeigen nur leeren Raum. Die Störungen beeinträchtigen zwar den Scan, allerdings nicht übermäßig."
"Scannen Sie weiter..." Trotz der eigentlich fordernden Art dieser Worte schaffte Spencer es, dabei zerfahren zu klingen. Einige Sekunden lang lauschte er dem beruhigenden Sirren der Brückencomputer, dann machte sich Bengasi wieder bemerkbar.
"Wie lange brauchen Sie noch, Bernhard?"
"Etwa fünf Minuten, Commander. Allzu weit kann die Viking nicht abgedriftet sein, ich brauche allerdings Zeit, um die Strahlung zu kompensieren", erklärte Bernhard.
Spencer nutzte diese Minuten, um sich mit der gebotenen Ruhe selbst ein Bild der Situation und des Schiffes zu machen. Bengasi bemerkte von seiner Position aus, dass Spencer einen genaueren Blick auf das Protokoll des Unfalles an den Achterphasern warf. Er deutete mit einer für Spencer gut sichtbaren Kopfbewegung auf Karov, doch Spencer schüttelte den Kopf und wandte sich wieder dem Monitor zu, ohne auf Bengasis Reaktion zu warten.

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