|
Ein Springer landet plötzlich ein Feld diagonal rechts vor ihm, er trägt das Gesicht von Jones. Wieder wird Spencer von der unbekannten Macht bewegt, dieses Mal direkt auf den Springer zu.
Der Gedanke daran, ein Bauer in einem surrealen Schachspiel zu sein, ist der letzte, den Spencer noch denken kann, bevor der von ihm geschlagene Springer mit lautem Krachen zu Boden fällt.
"Sie sind zur falschen Zeit am falschen Ort", hört er dumpf die Stimme Bengasis aus dem Hintergrund, noch während die Figur fällt. Sie zersplittert auf dem Boden des Schachbrettes in tausend Teile. Eine der größeren Scherben formt das Spencer unvergesslich gebliebene Gesicht des cardassianischen Guls, des Kommandanten, der für den Angriff auf die Cousteau verantwortlich gewesen war.
"Ihre Lebenserwartung hat sich gerade dramatisch verkürzt", wiederholt es seine Worte von vor drei Monaten.
"Neeiin!", brüllt Spencer unkontrolliert und schließt die Augen, alle übrigen Körperteile verweigern weiterhin den Dienst, er kann nicht entfliehen.
Als er die Augen wieder öffnet, findet er sich im Frachtraum der Cousteau wieder, genau während er die Beerdigung der sechs umgekommenen Crewmitglieder durchführt. Er schwebt hoch über dem Geschehen, beobachtet sich also quasi selbst während er seine Rede hält, ein sehr beklemmendes Gefühl.
Im Hintergrund hört er verschwommen die Stimme M‘Boyas, der Bordärztin der Cousteau: "Die Crew braucht ein Zeichen, ein Zeichen von Ihnen. Ein Signal, das alles in Ordnung ist..."
M‘Boyas Stimme verstummt wieder, Spencer versucht, die Worte zu erlauschen, die sein anderes Selbst am Boden gerade von sich gibt. "... ihr Tod war nicht umsonst. Das feindliche Schiff ist zerstört, wir dagegen leben noch. Alle Sieben starben mit dem festen Glauben an unser Überleben und unsere Rettung..."
Wie als Erwiderung hört er die Stimme Counselor Narus: "Sie trifft keine Schuld. Sie taten was sie konnten."
"Aber ich...", beginnt Spencer, doch er fängt plötzlich an zu fallen. Er schreit, schließt die Augen und erwartet zusammengekauert den harten Aufprall auf dem Boden des Frachtraumes.
Nach einigen langen Sekunden öffnet er wieder die Augen, er fällt weiter und schaut sich entsetzt um, als er um sich nur den Weltraum und die Sterne erkennt. Es ist ihm, als würde er durch Raum und Zeit fallen, in eine bodenlose, unendliche Leere. Er will wieder schreien, sein Schreien gerät tonlos.
Ein durchdringendes Summen ist zu hören, ein hoher, oszillierender Ton. Er blickt sich um, versucht verzweifelt, die Geräuschquelle zu lokalisieren, kann aber nichts erkennen. Das Summen wird lauter und ändert seine Tonhöhe, Spencer kann sich gegen das Summen nicht mehr zur Wehr setzen, es wird übermächtig...
... und er wacht auf, aufrecht sitzend im Bett. Völlig gerädert lässt er sich wieder in sein Kissen fallen und identifiziert endlich auch das Summen als das Wecksignal von der Brücke. Aufstehen kann er nicht, sein Herz pocht und das Bild der in tausend Teile zersplitternden Schachfigur fesselt seinen Willen und seine Gedanken.
|