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Kennedy


"Gegen Willen und Vernunft"

von Andreas Drechsler

Kapitel 4


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"Ja, Sir", bestätigte Bengasi ohne jeden Ausdruck in der Stimme.
Spencer stand auf und verschwand von der Brücke, er freute sich auf einen Kraft bringenden, erholsamen Schlaf.
Bengasi nahm zufrieden im Kommandosessel Platz, die Aussicht, jetzt sechs Stunden am Stück das Kommando inne zu haben, schien ihm zu gefallen.
"Sie haben unseren neuen Captain gehört. Sie dürfen sich zurückziehen. Bengtsson, deine Leute machen weiter."
"Verstanden." Bengtsson verschwand im Turbolift, die übrigen riefen ihre Vertretungen auf die Brücke und machten sich nach deren Eintreffen ebenfalls auf dem Weg in ihre Quartiere. Bengasi lehnte sich geradezu genüsslich zurück und rief den aktuellen Statusbericht ab.

Counselor Naru saß in seinem Büro und sah sich wieder und wieder die Aufzeichnung des Gespräches zwischen Admiral Paris und Commander Spencer an. Sein Assistent Brenden trat hinzu. "Was ist los?"
"Paris hat mir diesen Kommunikationsmitschnitt zur Verfügung gestellt und wollte mir damit wohl sagen, dass ich falsch lag und dass Spencer wieder topfit ist."
"Und Sie glauben nicht dran?", fragte Brenden.
Naru schüttelte den Kopf. "Ich hatte Spencer über zwei Monate in Behandlung und weiß, was mit ihm los ist. Und irgendwas an dieser Aufzeichnung will mir sagen, dass ich recht habe. Wenn ich nur wüsste, was..."
"Haben Sie eine Stimmenmusteranalyse durchgeführt?"
"Habe ich. Einige Unregelmäßigkeiten in der zweiten Gesprächshälfte, aber nichts Eindeutiges." Naru legte die Analyseergebnisse des Computers auf einen zweiten Bildschirm, Brenden warf einen genauen Blick darauf.
"Das könnte genauso gut eine Ungenauigkeit im Kommunikations- oder im Aufzeichnungssystem sein", kommentierte Brenden.
Naru bedachte ihn mit einem zustimmenden Blick.
"Lassen Sie mich das mal ansehen", schlug Brenden vor. "Vielleicht fällt mir etwas auf."
Naru spielte die Aufzeichnung ab, Brenden sah sie sich mit Interesse an, bis er an einer Stelle abrupt stoppte. "Haben Sie das gesehen?"
Naru, der sich die Aufzeichnung mehrere Male genau betrachtet hatte, verneinte.
"Warten Sie." Brenden fuhr die Aufnahme einige Sekunden zurück und spielte sie wieder ab, allerdings ohne Ton und in verlangsamter Geschwindigkeit.
Narus Miene hellte sich auf. "Wusste ich's doch. Das war eine gute Idee mit dem lautlosen Abspielen."
Ihm war jetzt das aufgefallen, was Brenden, der sich die Aufzeichnung zum ersten Mal und unbelastet angeschaut hatte, sofort ins Auge gesprungen war: Spencers linke Hand zitterte während des ganzen Gesprächs unkontrolliert, zwar nicht stark, aber doch sichtbar.
Naru warf einen Blick auf den Wandchronometer. "Nun ist es zu spät. Die Magellan ist vor einigen Minuten abgeflogen. Wir können Spencer nur noch viel Glück wünschen."

"Fähnrich Brinckmann!", rief Bengasi auf der Brücke der Magellan. Es war einige Zeit vergangen, seitdem sie die Sternenbasis verlassen hatten.
"Ja?" Quentins Vertretung an der Kommunikationskonsole drehte sich zu Bengasi um.
"Das heißt ‚Ja, Sir!‘, Fähnrich, falls Ihnen das noch niemand gesagt hat!", bellte Bengasi. "Also?", fügte er fordernd hinzu.
"Ja, Sir!", brachte Brinckmann hervor, schwankend zwischen kleinlaut und schneidig.
"Fähnrich, versuchen Sie in regelmäßigen Abständen mit der Viking Kontakt aufzunehmen", ordnete Bengasi an, er hatte es nicht geschafft, seinen Ärger vollständig aus der Stimme zu verbannen.
"Ja, Sir."
Auch wenn Bengasi wusste, dass nur eine sehr geringe Chance bestand, dass die Viking, ausgerechnet auf ihre Rufe reagieren würde, wollte er doch keine Chance ungenutzt lassen.

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