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Kennedy


"Gegen Willen und Vernunft"

von Andreas Drechsler

Kapitel 3


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Logbuch der Magellan, Sternzeit 21474.6, Commander Spencer: [21.06.2344 16:53:11]
Ich habe das Kommando über das Schiff vor einer halben Stunde übernommen. Die gesamte Crew arbeitet fieberhaft daran, das Schiff notdürftig für ein Auslaufen vorzubereiten. Trotz des Schiffszustandes und der spürbaren Unterbesetzung werde ich auf jeden Fall spätestens um 20:00 planmäßig den Startbefehl geben.
Spencer schaltete den Rekorder aus und versuchte nach der für ihn recht aufreibenden Konferenz etwas Abstand zu gewinnen und die Situation mit objektiven Augen zu betrachten. Ein vages Gefühl aus seinem Inneren mischte sich in seine Versuche, seine Vernunft zu befragen, ja, es hielt ihn sogar davon ab.
In diesem Augenblick beschloss er, eine eingehendere Unterhaltung mit Bengtsson im Maschinenraum zu führen und danach bei den Reparaturen zu helfen. Für einen kurzen Moment blitzte ihn ihm die Erkenntnis auf, dass es eigentlich nur zur Verdrängung unangenehmer Gedanken geschah, doch dann war diese auch schon wieder zerflossen.
"Sie haben die Brücke, Commander!", verabschiedete sich Spencer.
Nachdem er den Turbolift betreten, aber noch bevor sich die Lifttüren geschlossen hatten, sah er Bengasi bereits im Kommandosessel sitzen, er musste blitzartig seine Position eingenommen haben, so als hätte er seit Verlassen des Konferenzraums nichts Anderes im Sinn gehabt.
Mit verkniffener Miene fuhr er abwärts, das Verhalten Bengasis verhieß nichts Gutes für die nahe Zukunft. Er sollte dringend etwas zur Verbesserung seines Verhältnisses zu Bengasi tun, aber was?

Bengasi hatte sich nach Spencers überraschendem Aufbruch ohne Umschweife im Kommandosessel niedergelassen, er strahlte vollste Ruhe und Gelassenheit aus.
"Komischer Vogel", murmelte er in reduzierter, aber für die Ohren der anwesenden Personen immer noch gut vernehmbarer Lautstärke. Es erfolgte keine sichtbare Reaktion auf Bengasis Äußerung, nur Karov verzog andeutungsweise und unsichtbar für Bengasi die Mundwinkel.

Nachdem der Lift an seinem Ziel angekommen war, steuerte Spencer direkt auf den Eingang zum Maschinenraum zu. Der Raum war wesentlich größer und vor allen Dingen höher als die Maschinenräume, die Spencer von der Cousteau und der Enterprise noch in Erinnerung hatte. Für einen Moment blickte sich Spencer orientierungslos um, bis er den Chefingenieur schließlich an einem Computerterminal fand, an dem dieser gerade die Materie- und Antimaterieleitungen zum Warpkern überprüfte.
"Mr. Bengtsson!" Spencer tat es zwar leid, ihn erschrecken zu müssen, aber ihm war im Moment nicht nach großen Begrüßungsreden zumute.
Bengtsson wandte sich fragend um. "Captain?"
"Ich hätte gerne genauere Informationen über den Schiffszustand. Und besteht die Möglichkeit, Ihnen bei Ihren Reparaturen zu helfen?", fragte Spencer. Er hoffte, auf Bengtsson jetzt einen aufgeräumteren Eindruck zu machen, denn wenn er sich auf jemanden verlassen können musste, dann auf seinen Chefingenieur, insbesondere beim momentanen Zustand des Schiffes und dieser Mission.
"Sie, Sir?"
"Ja, Mr. Bengtsson. Ich war auch mal Chefingenieur. Auf der Enterprise-B. Also?"
"Natürlich, Sir." Bengtsson fasste sich schnell. "Lebenserhaltung, strukturelles Integritätsfeld, Trägheitsdämpfung, Umweltkontrollen sind bereits überholt und nagelneu. Nagelneu bedeutet natürlich auch, dass diese Systeme praktisch noch nicht getestet wurden. Der Warpantrieb braucht noch ein gewisses Feintuning, Warp 3 kann ich garantieren, mehr vorerst nicht. Impulstriebwerke werden gerade repariert und sollten bis 20:00 fertig sein. Die Kommunikation bleibt unzuverlässig, Transporter sind OK, Sensoren werden kalibriert."

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