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Sein Blick streifte den Wandchronometer, dann erhob er sich zögerlich. Auf dem Weg zur Brücke spürte er ein wachsendes Unsicherheitsgefühl, er konnte es sich selbst nicht erklären. Er nahm sich fest vor, überlegt, beherrscht und nicht zu übereilt vorzugehen. Die nächsten Minuten würden die entscheidenden sein, dabei ging es nicht nur um die Mission, sondern auch um seine persönliche Zukunft als Kommandant, soviel war Spencer klar.
Die Aufzugtüren öffneten sich vor ihm und genau in dem Augenblick wurde er sich plötzlich bewusst, was dieser eine Schritt aus der Liftkabine heraus auf die Brücke wirklich bedeutete, dass wieder die volle Verantwortung für ein Schiff auf ihm lastete, dass jeder seine Anweisungen erwartete und dass das Schicksal der Viking und aller vierhundertundfünfzig Kolonisten an Bord nun allein in seinen Händen ruhte. Ihm brach unvermittelt kalter Schweiß aus, sein Herz raste und seine Hände zitterten, die schiere Präsenz und die Mächtigkeit dieser Gedanken machten ihm Angst. Nach einem Moment der Hilflosigkeit ballte er die rechte Hand zur Faust und versuchte, seiner Sinne wieder Herr zu werden, noch bevor jemand seinen Zustand bemerkte. Er verließ die Liftkabine vollends und schrak zusammen, als sich die Aufzugtüren hinter ihm mit einem lauten Zischen schlossen.
"Captain auf der Brücke!", hörte er einen lautstarken Ruf von Karov. Damit erwischte sie Spencer sehr zu seinem Missfallen auf dem falschen Fuß, gerade als er durch eigene Worte seine Erstarrung abschütteln und wieder Herr über seine Sinne werden wollte.
Er hatte diesen Ruf weder auf der Enterprise, noch auf seinem Schiff, der Cousteau, erlebt oder erlaubt. Nur auf seinem allerersten Schiff, der Zephram Cochrane, hatte er während seiner damals sehr seltenen Brückenschichten als Ingenieursfähnrich beobachten können, dass auf die Ankunft des kommandierenden Offiziers auf der Brücke auf diese Weise aufmerksam gemacht wurde. Nach diesem kurzen Erinnerungs-‚Flash‘ rief er jetzt instinktiv: "Weitermachen!", genau wie es sein damaliger Captain auch immer getan hatte.
Nach diesem einen, befreienden Wort hatte er genügend Sicherheit wiedergefunden, um sich zumindest die Zeit zu nehmen, die er brauchte, um seine Umgebung bewusst mit einigen verzweifelt ruhigen Blicken zu erfassen.
Er stand auf einer Brücke in traditionellem Design, welches bereits zu Zeiten der Constitution-Klasse vor knapp einhundert Jahren üblich gewesen war: Vor dem Hauptschirm waren zwei Pulte aufgebaut, aus seiner Sicht links das für Navigation und rechts die taktische Konsole. Den zentralen Punkt in der Mitte nahm der Kommandosessel ein, an den Wänden entlang waren Pulte für Wissenschaft, Kommunikation und Maschinenraum montiert.
"Wer von ihnen ist Commander Bengasi?", fragte Spencer in gemessenem Tonfall; er hoffte, dass ihm von außen nicht anzusehen war, was wirklich in ihm vorging.
Ein Mann, der einige Jahre älter als Spencer war, wandte sich um. Spencer vermochte nicht, ihn auf Anhieb einzuschätzen, seine gerade eingedämmte Unsicherheit wuchs wieder aufgrund Bengasis starrem Blick.
"Ich bin Commander Bengasi, Sir. Willkommen an Bord, Captain." Eine Spur Ironie mischte sich in Bengasis letzte Worte. Spencer musterte ihn kurz und spürte dabei die Blicke der übrigen Brückenbesatzung auf sich ruhen.
"Danke, Commander. Auf gute Zusammenarbeit." Er konnte nicht die Kraft aufbringen, sich gegen Bengasis verborgene Andeutungen zur Wehr zu setzen, er musste sie in seiner momentanen Verfassung hinnehmen und zog sich wie automatisch auf die Floskel zurück, die bei dieser Gelegenheit üblicherweise angewendet wurde.
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