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Kennedy


"Gegen Willen und Vernunft"

von Andreas Drechsler

Kapitel 2


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Persönliches Logbuch, Commander Spencer, Sternzeit 21474.5: [21.06.2344 16:00:29]
Ich bin auf die Magellan für eine Mission abkommandiert worden, um ein Kolonistenschiff zu retten. Es wird nicht leicht werden, da das Schiff sich gerade mitten in einer Inspektion befindet und nur die Minimalbesatzung an Bord ist. Ich bin dennoch froh, endlich eine neue Aufgabe zu haben.
Spencer deaktivierte mit einer bedächtigen Handbewegung die Logbuchaufzeichnung, überprüfte ein letztes Mal den Inhalt seiner Tasche und machte sich dann auf den Weg zur Wartungshalle 2. Er wurde am Durchgangskorridor, der zur Magellan führte, erwartet.
"Captain Spencer?", fragte eine junge Frau mit kurzgeschnittenem braunen Haar in vorsichtigem Ton.
"Ja, der bin ich. Commander, um genau zu sein. Erlaubnis an Bord zu kommen?" Spencer, der üblicherweise wenig von den vorgeschriebenen Floskeln hielt, erlaubte es sich nun, diese zu genießen.
"Erlaubnis erteilt. Willkommen an Bord, Captain. Ich bin Lieutenant Karov, Zweiter Sicherheitsoffizier. Ich bringe Sie nun zu ihrem Quartier. Wenn Sie mir bitte folgen wollen?"
Spencer erwiderte nichts. Er wunderte sich, dass der Erste Offizier der Magellan nicht persönlich erschienen war, sondern nur einen Lieutenant jg. schickte, um ihn abzuholen.
Während er Karov zu seinem provisorischen Quartier folgte fühlte er sich völlig fremd auf dem Schiff. Die Korridore, die Wänden und die Türen kamen ihm plötzlich unwirklich vor; als ein Crewmitglied vorbeikam, richtete Spencer seinen Blick verwirrt auf ihn, so als gehörte er überhaupt nicht hierhin. Er konnte seinen starr geradeaus gerichteten Blick erst abwenden, als ihn das Crewmitglied bereits passiert hatte.
Einige Worte von Paris hallten plötzlich in seinem Schädel nach. ‚Das einzige größere Schiff in Reichweite ist die U.S.S. Magellan... ‘ Wieso, fragte er sich. Gab es keine anderen Schiffe in der Nähe der Viking, die ebenso schnell oder sogar noch schneller zur Stelle sein konnten? War es wirklich erforderlich, speziell für diese Rettungsaktion die Magellan aus der Überholung zu reißen? Oder sollte dies eine Art Testmission für ihn werden? Er konnte zu keinem endgültigen Schluss kommen, weil Karov abrupt stoppte. "Dies ist ihr Quartier, Captain."
"Danke, Lieutenant. Wer ist der nach mir ranghöchste Offizier an Bord?"
"Commander Bengasi, Sir", antwortete sie.
Spencer sah kurz verwundert drein. Das hatte er nicht erwartet, denn wieso sollte man ausgerechnet ihn, einen Commander, zusätzlich auf ein Schiff abkommandieren, welches bereits von einem anderen Commander geführt wurde?
"Richten Sie ihm aus, dass ich ihn in zehn Minuten auf der Brücke sprechen möchte", fuhr Spencer nach einigen Sekunden fort, begleitet von einem angedeuteten Kopfnicken.
"Ja, Sir." Karov verharrte.
Spencer hatte seiner früheren Besatzung beigebracht, selbstständig zu erkennen, wenn er fertig war und deshalb brauchte er jetzt einige weitere Sekunden, um festzustellen, was los war. "Sie dürfen gehen, Lieutenant", entließ er Karov und betrat sein Quartier.
Nachdem er sich einige Sekunden ergebnislos umgesehen hatte, stellte er seine Sachen sorgfältig in die Ecke, ließ sich auf einem Stuhl nieder und befragte den Schiffscomputer nach dem Deckplan, der Crewliste und der Einsatzbereitschaft. Er versuchte sich so viel zu merken, wie es unter diesen Umständen und der kurzen Zeit möglich war.
Nach einigen Minuten lehnte er sich zurück und schloss die Augen. Ihn überkam ein unverhofftes Schwindelgefühl. Er schaffte es jedoch, die Benommenheit mit großer, innerer Anstrengung wieder zurückzudrängen indem er sich die präzisen Zahlen der Reaktoreffizienz bei verschiedenen Warpfaktoren wieder ins Gedächtnis rief und sich darauf konzentrierte. Nach kurzer Zeit wagte er es, die Augen wieder zu öffnen, entgegen seiner Befürchtungen konnte er wieder klar denken.

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