|
"Counselor"; fügte er seiner Meldung von gerade in etwas freundlicherem Ton hinzu. "Commander", grinste Naru, den Paris‘ unzufriedene Reaktion auf Spencers Gebrumme sichtlich amüsierte.
"Nehmen Sie Platz, Spencer", befahl Paris.
"Wie geht es Doktor Özhan und dem Jungen?", war Spencers erste Frage, gleich nachdem er sich gesetzt hatte.
"Doktor Özhan ist auf dem Weg der Genesung, morgen wird sie wieder dienstfähig sein. Was den Jungen betrifft..." Paris legte eine kurze, bedrohlich wirkende Pause ein.
"Ja, Admiral?", fragte Spencer ungeduldig nach.
"... er lebt. Aber er hätte nicht nur ein paar Minuten später gefunden werden dürfen. Den Ärzten der Northern Star zufolge stand sein Leben auf Messers Schneide."
Spencer atmete tief durch und war erleichtert. Doch plötzlich durchzuckte ihn die Erkenntnis, dass die zurückliegenden Ereignisse auf keinen Fall anders hätten ablaufen dürfen. Bengasis Überlegung, die Viking weiter zu untersuchen, hätte ebenso zu dem Tod des Jungen geführt, wie seine Vorhaben, den Bereich mit den Subraumanomalien zu umfliegen beziehungsweise Halt zu machen, um gegen die Tetryon-Verseuchung in aller Ruhe vorzugehen. So betrachtet, hatte das Verhalten Bengasis im Nachhinein eine späte Rechtfertigung erfahren. Hätte er die Frage nach Demokratie auf Sternenschiffen in diesem Moment zu beantworten gehabt, so hätte er nur ratlos da sitzen können.
Naru beobachtete Spencers Mimik genau und machte sich seine Gedanken.
"Die Mission ist beendet, damit sind Sie nicht mehr Kommandant der Magellan", stellte Paris überfallartig fest und riss Spencer damit aus seinen Überlegungen. "Ich habe Ihren Bericht über die Mission mit großem Interesse gelesen und habe da noch einige Fragen und Anmerkungen", fuhr er bedächtig, aber vielsagend, fort.
Spencer verzog nicht eine Miene und harrte der Dinge, die da auf ihn zukommen mussten.
"Als erstes möchte ich Ihre persönliche Meinung zu der Sache hören. Nicht das, was im Bericht steht. Der Bericht scheint recht objektiv und lesen kann ich selber."
"Nun, auf der einen Seite hatte Commander Bengasi zwar seine Argumente, sie waren aber keinesfalls ausreichend, um seine Handlung zu rechtfertigen. Auf der anderen Seite hat ihm die Situation im Nachhinein doch noch Recht gegeben, aber hinterher ist man immer schlauer", meinte Spencer und murmelte leise: "Nur ich nicht."
Paris überhörte die leise gesprochenen Worte zum Schluss und fuhr fort.
"In Ihrem Bericht haben Sie vorgeschlagen, Lieutenant Bengtsson wie die übrige Crew nur als Teil der Befehlskette zu behandeln. Warum? Schließlich war er doch derjenige, der eigenmächtig das Kommando auf der Brücke übernommen hat, während Sie sich mit Bengasi auseinandergesetzt haben. Von seinen Falschinformationen ganz zu schweigen."
"Es ist richtig, dass er das ‚Machtvakuum‘ auf der Brücke ausgefüllt hat und es ist auch richtig, dass er dies tun konnte, weil ich aus Wut und Verärgerung über die Handlungsweise Bengasis versäumt habe, meinen Vertreter zu benennen. Dagegen war er aber derjenige, der hinterher die Ergreifung Bengasis ermöglicht hat."
"Mit einem Angriff auf einen vorgesetzten Offizier. Es war nicht nötig, Bengasi niederzuschlagen", unterbrach Paris.
"Nötig war es nicht, aber, so seltsam es klingen mag, Admiral, es war durchaus verständlich. Außerdem hatte Bengtsson maßgeblichen Anteil daran, dass die Magellan den Warpsprung in einem Stück überstanden hatte. Mit anderen Worten: Er hat sich am Anfang von der Stimmung auf dem Schiff mitreißen lassen, aber zur richtigen Zeit die richtige Entscheidung getroffen", fuhr Spencer fort. ‚Warum dreht sich heute eigentlich alles um die richtige Entscheidung?‘, fragte er sich im Geiste.
|