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Kennedy


"Gegen Willen und Vernunft"

von Andreas Drechsler

Kapitel 10


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Spencer trat gelassen aus dem Turbolift auf die Brücke. Die extrem unterkühlte Atmosphäre, die dort herrschte, ließ ihn erst eine Störung in der Umweltkontrolle vermuten, doch nach einem Blick auf die steinernen Mienen der Brückenoffiziere wurde ihm der wahre Grund dafür schnell klar.
Er schlug bewusst einen beiläufigen Tonfall an, als er die Bombe platzen ließ. "Commander, ich weiß, dass sich im Warpreaktor angereicherte Tetryon-Partikel anlagern. Was ich allerdings nicht weiß ist, ob Mr. Bengtsson dies nicht sehen kann oder nicht sehen will."
Bengasi warf einen scharfen Blick nach links, dort wo Bengtsson saß. "Stimmt das?"
Bengtsson erschrak, führte eine Abfrage an seiner Station durch und bestätigte zerknirscht den Sachverhalt. Unbemerkt von den übrigen zeigte Karov ein zufriedenes Lächeln.
"Lieutenant, in Zukunft sollten Sie zu ihren Fehlern stehen und nicht die Sicherheit des Schiffes aufs Spiel setzen! Wie schlimm ist es?"
Bengasi hatte sehr beherrscht reagiert, viel beherrschter als er selbst es im Moment überhaupt könnte, gestand sich Spencer ein.
Bengtsson nickte gehorsam. "Direkt in Gefahr in sind wir noch nicht, wir sollten aber schnell mit Gegenmaßnahmen beginnen."
"Einverstanden", stimmte Bengasi zu, der an der kleinen Konsole des Kommandosessels emsig Berechnungen ausführte. "Programmieren Sie einen 3,17sekündigen Warpsprung auf Warp 7. Der dafür notwendige Energieschub sollte die Barriere, die die Tetryon-Partikel im Reaktorgehäuse bilden, auflösen."
"Sind Sie verrückt geworden, Bengasi?" Spencer hatte seine mühsam erkämpfte Ruhe schlagartig wieder verloren. "Sie würden zwar die Tetryon-Barriere zerstreuen, aber ebenso unsere Moleküle im Weltall. Das hält doch unser Antrieb nie im Leben aus!"
Bengasi blickte Spencer fordernd an "Und was schlagen Sie stattdessen vor?"
"Kontrolliertes Abbremsen bis zur automatischen Abschaltung des Antriebs. Durch den fehlenden Kontakt zum Subraum werden die Tetryon-Partikel instabil und verflüchtigen sich."
"Und wir müssen die Eindämmungsfelder verstärken", fügte Bengtsson hinzu.
"Wie lange würde die Zerstreuung dauern?", fragte Bengasi genüsslich. "Eine Stunde? Zwei Stunden?"
"Dreißig Minuten, höchstens. Dreißig Minuten, die wir auf jeden Fall investieren müssen."
"Und dann? Danach setzen sich doch wiederum Tetryon-Partikel im Reaktor ab. Wollen Sie nach einer Stunde Flug immer wieder eine halbe Stunde anhalten?"
"Vielleicht sollten wir die Viking vom Traktorstrahl abkoppeln", wagte Karov vorzuschlagen.
Spencer wanderte im hinteren Bereich der Brücke unruhig auf und ab. "Nein, das würde nichts helfen. Aber jetzt, da die genaue Art der Tetryon-Verseuchung bekannt ist, lassen sich bestimmt Gegenmaßnahmen einleiten. Fähnrich Austin, leiten sie den Abbremsvorgang ein."
"Ich sage nur: Warp 7 für 3,17 Sekunden. So verlieren wir keine Zeit. Nicht wahr, Miss Austin?" Er zeigte Austin ein unnatürlich strahlendes Lächeln.
Es war scheinbar zu strahlend geraten, denn Austin blickte hilflos um sich. "Captain? Commander?"
"Sie sollen beschleunigen, Fähnrich!", rief Bengasi. "Worauf warten Sie noch?"
"Commander, jetzt geht es nicht mehr nur hypothetisch um ein paar Menschenleben", ereiferte sich Spencer. Jetzt geht es um dreiundsechzig, nein, vierundsechzig Leben, um dieses Schiff und dessen gesamte Besatzung und zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von 1! Wir müssen verlangsamen! Es liegt ganz in Ihrer Hand, Fähnrich."
Sie blickte verstört abwechselnd zu Bengasi und zu Spencer. "Auf der Akademie sagten wir immer, wenn du zwei sich ausschließende Anweisungen erhältst, gehorche beiden. Aber hier..."

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