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Kennedy


"Gegen Willen und Vernunft"

von Andreas Drechsler

Kapitel 1


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(Basierend auf Motiven einer Erzählung von Mark Brandis. Einige Storyelemente aus einer Erzählung von Kathleen Sky.)

Persönliches Logbuch, Commander Spencer, Sternzeit 21474.3: [21.06.2344 14:15:09]
Seit zweieinhalb Monaten befinde ich mich auf Sternenbasis 53 in psychologischer Behandlung und kann sagen, dass sich mein Zustand seitdem kontinuierlich verbessert hat. Ich warte nun darauf, dass mir endlich wieder ein Kommando übertragen wird. In den letzten Tagen habe ich mich informiert, nur neun ehemalige Crewmitglieder der Cousteau sind permanent versetzt, darunter H’Korr auf der Ambassador, Coreman als Sicherheitsberater im Sternenflottenhauptquartier und Xuma auf der Righteous.
Spencer schaltete den Aufzeichungsapparat aus. Den regelmäßigen Logbucheintrag zählte er zu den Ritualen, die ihm in der letzten Zeit geholfen hatten, wieder in das normale Leben zurückzufinden. Die zurückliegenden Wochen hatten ihm sehr gut getan, die Schrecken des Angriffs auf die Cousteau zu verarbeiten, sie endlich hinter sich zu lassen.
Plötzlich ertönte ein akustisches Signal. Spencers Blick streifte auf dem Weg zur Quelle des Signals den Ort seiner Hauptbeschäftigung der letzten Wochen, das Schachbrett. Selten hatte er Zeit gehabt, so ausführlich an seiner Endspieltechnik zu feilen...
Er brauchte einige Sekunden, um sich klar zu werden, dass eine Subraumverbindung angemeldet war.
‚Wer könnte das sein?‘ Er setzte seine Tasse Kaffee ab und aktivierte den Kanal. Zu seiner erfreulichen Überraschung erschien DeFalco auf dem Schirm.
"Hallo, Gerry. Wie geht's?" Spencers Stimme drückte nur verhaltene Freude aus, obwohl er DeFalco einige Zeit nicht gesehen hatte.
"Ganz gut, Andy. Ziemlich ruhige Kugel schiebe ich hier. Und dir? Drehen sie sich dich immer noch durch den psychologischen Wolf?" DeFalco war vorübergehend Assistenzingenieur auf einem Subraumzentralrelais, kein angesehener Posten, aber auch kein übermäßig arbeitsaufwendiger.
"Halb so schlimm. Mir geht's wieder soweit gut, auch nach der Anhörung und allem..."
"Was war eigentlich zum Schluss rausgekommen?" Die Anhörung, die Spencers Verhalten während des Zwischenfalls, dem die Cousteau zum Opfer gefallen war, bewerten und klären sollte, hatte sich insgesamt über vier Wochen hingezogen. DeFalco war kurz nach seiner Zeugenaussage abkommandiert worden und erkundigte sich jetzt nach dem Ergebnis.
"Im Endeffekt bin ich freigesprochen worden, doch nicht gerade mit Pauken und Trompeten", gestand Spencer ein.
"Warum? Ich dachte, die Sache wäre glasklar?"
"Ein paar aus der Untersuchungskommission fragten sich anscheinend, wieso ein etwas zu durchschnittlich geratener Offizier mit einer zu steilen Karriere beim ersten großen Katastrophenfall in seiner Kommandolaufbahn nur ein wrackes Schiff zurückbringt. Und die Fragen standen nun mal im Protokoll, auch wenn meine Antworten die in den Fragen verborgenen Vorwürfe zerstreuen konnten, denke ich."
"Und?"
"Mir wurde eine psychologische Behandlung nahegelegt und das war auch gut so. Ich hatte einiges aufzuarbeiten. Doch jetzt könnte ich eigentlich mal eine Abwechslung gebrauchen, eine Aufgabe, einen Posten, irgendwas. Verdaut habe ich das alles inzwischen ziemlich gut, denke ich." Wie zur Bestätigung bedachte er DeFalco mit einem entspannten Blick.
"Was sagt denn Paris über ein neues Schiff?"
Spencer schüttelte den Kopf. "Nichts. Na ja, durch den Verlauf der Anhörung ist mein Ansehen bei zuständiger Stelle nicht gerade gestiegen. Wenn das nächste Schiff verfügbar ist, wird man sich wohl bei mir melden."
DeFalco ließ sich von Spencers unterschwellig mitschwingendem Desinteresse anstecken. "Hier gibt's auch nichts besonderes. Keiner zum Herumblödeln, kein attraktiver Fähnrich zum Flirten..."

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