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"Ich darf mich doch zu dir setzen?", fragte Hwang. Kaum hatte sie die Worte gesprochen, saß sie bereits gegenüber von Lemois in der spärlich gefüllten Offiziersmesse.
Der überrumpelten Lemois sprach ihre Überraschung ob dieser Tatsache förmlich aus den Augen, sie dachte sich ihren Teil, als sie fast reflexartig antwortete. "Sicher. Und guten Appetit."
Hwang lächelte versöhnlich und erwiderte die Floskel freundlich. In ihrer Schlagfertigkeit hatte sie Lemois doch unterschätzt...
Auf eine Gelegenheit wie diese hatte Hwang seit vier Tagen, seit Abflug der Kennedy, gewartet, eine Möglichkeit der Abstimmung mit Lemois unter (fast) vier Augen. Außer den nötigsten dienstlichen Wortwechseln hatte sie sich seit dem Ende der ersten Mission gleichsam verschlossen und lakonisch gezeigt.
"Wie geht‘s?", fragte Hwang, die älteste, einfachste, unverfänglichste und doch beste Möglichkeit nutzend, in beinahe jeder Situation ein Gespräch zu beginnen.
"Gut", gab Lemois stereotyp zurück.
"Wirklich?", hakte Hwang fürsorglich nach.
Lemois unterbrach den Gang ihrer Mahlzeit, nahm Hwang fest in den Blick und antwortete mit einem klaren, festen "Nein."
"Das ist der erste Schritt", gab Hwang, nicht allzu überrascht von dieser Antwort, aufmunternd zurück.
"Wozu?"
"Wieder hin... zum Gut-fühlen", erklärte Hwang fröhlich.
"Wenn‘s hilft", murmelte Lemois unschlüssig.
"Du musst natürlich weitermachen... mit dem zweiten Schritt. Was ist los?"
"Sie sind also jetzt der neue Bordcounselor?", fragte Lemois mit einem leicht aggressiven Unterton zurück.
Hwang ließ sich nicht beirren. "In meiner Freizeit... ja!"
"Okay." Lemois resignierte. "Ich frage mich, woher diese... Gleichgültigkeit bei fast allen kommt. Auf der ersten Mission geht mehr schief als wir aufklären können und nach sechs Tagen Werft ist alles wieder gut!? Und sobald wir unterwegs sind, eine Störung nach der anderen."
"Jeder macht sich hier Gedanken, nur nicht so offensichtlich, eben wegen den Störungen." Hwang sprach nicht direkt das an, auf das sie an sich hinauswollte, auch wenn Lemois ihr gerade eine prächtige Gelegenheit dazu geliefert hatte.
"Trotzdem. Niemand spricht darüber."
"Doch klar. Nur spricht keiner offen darüber, weil du nicht darüber sprichst."
Jetzt, da Hwang es gesagt hatte, wurde auch Lemois die Logik der Situation schlagartig klar. "Und mit wem soll ich darüber sprechen? Mit Spencer?"
Spencer hatte sich in den zurückliegenden Tagen ähnlich unkommunikativ wie Lemois gezeigt, es war jedoch, anders als bei Lemois, ein nicht ungewöhnlicher Wesenszug an ihm. "Auch", antwortete Hwang deshalb halb ausweichend. "Warum nicht mit mir? Und wenn du mit mir gesprochen hast, weiß es sowieso das halbe Schiff." Sie kicherte leise.
Auch Lemois konnte sich jetzt eines leichten Lächelns nicht erwehren. "Also gut, reden wir darüber."
"Ich wollte nämlich fragen, ob wir der Ursache nicht auf eigene Faust auf den Grund gehen dürfen, natürlich mit Segen von oben."
"Und wie? Das Untersuchungsteam der Sternenflotte hat doch alle Informationen und macht ein Geheimnis daraus. Nur Ergebnisse hat es keine!"
"Wir haben Informationen", versicherte Hwang. "Unsere Erfahrungen, wichtige Details, die man nicht weitergeben kann und... den Quellcode."
"Woher?" Lemois Interesse war plötzlich geweckt, das konnte man sowohl sehen als auch hören.
"Hellmann hat ihn besorgt... gerade noch rechtzeitig." Hwang lächelte breit.
"Dann müssen wir das sogar untersuchen! Hast du schon mit Spencer gesprochen?"
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