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Kennedy


"Debüt mit Schwierigkeiten"

von Andreas Drechsler

Kapitel 4


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Es war inzwischen Abend geworden. Lemois näherte sich langsamen Schrittes dem vorderen Aussichtsdeck. Sie hatte zwar darauf verzichtet, ihre Uniform gegen etwas Bequemeres und Festlicheres einzutauschen, aber doch immerhin eine Dreiviertelstunde auf ein neues Haarstyling verwendet. Den Sicherheitsscan war schnell, aber erfolglos beendet gewesen und sie hatte sich im weiteren Verlauf des Tages nicht über mangelnde Abwechslung beklagen können.
Sie durchschritt die Türen zum Aussichtsdeck mit einem angedeuteten Lächeln, das was sie sah, belohnte ihre Mühen zur Vorbereitung bei weitem. Im Hintergrund lief unauffällige, wohlklingende Musik, die ihrer Meinung nach perfekt zu der atemberaubenden Aussicht, die die großflächigen Panoramafenster boten, passte, auch wenn momentan einige Tritaniumträger der Werfthalle diese Aussicht trübten. Sie überlegte für einen Moment, das Schiff über Manövrierdüsen einige Meter weiter nach vorn zu verholen, entschied sich dann angesichts ihrer Stimmung dagegen. Ein wenig Erinnerung an den letztendlich dienstlichen Charakter dieser Feier könnte schließlich nicht schaden...
Trotz ihrer relativ frühen Ankunft waren bereits an die fünfzehn Personen anwesend. DeFalco hatte sich die Freiheit genommen, hinter der provisorisch eingerichteten Bar als Barkeeper zu fungieren, er befand sich gerade in angeregter Unterhaltung mit Lt. Karov, die ab und an, an einer bläulich schillernden Flüssigkeit nippte. Aus den Augenwinkeln erkannte sie gerade noch Spencer, der mit einem PZAG in der Hand gedankenverloren aus den großflächigen Aussichtsfenstern in den Weltraum starrte, bevor Hwang sie mit einem ebenso fröhlichen wie informellen "Hallo, Commander" begrüßte.
"Sagen Sie doch gleich Veronique", empfahl Lemois. "Wir haben schließlich frei... für den Moment."
"Ich bin Kim", reagierte Hwang prompt, die nicht unbedingt mit einem solchen Vorstoß Lemois‘ gerechnet hatte. "Wie lange haben Sie dafür gebraucht?", fragte sie, während sie ausgiebig ihre Haarpracht bewunderte.
Sie wusste zuerst nicht, worauf Hwang anspielte, bis sie das Ziel ihres Blicks identifizieren konnte. "Lange genug", versicherte sie lachend. Sie wandte sich um, als hinter ihr mit einem langen Zischton die breiten Türen auseinander glitten und insgesamt drei Personen Zutritt gewährten.
Hwang hatte bereits zu einer einladenden Geste ausgeholt und wollte Lemois gerade eine Frage stellen, als diese sie durch eine gleichsam abwehrende und entschuldigende Kopfbewegung daran hinderte. Hwang folgte den Dreien, namentlich Hellmann, Berger und M'Boya zu einem der leer stehenden Tische, Lemois dagegen bewegte sich schlendernd in Richtung des Fensters, an dem seit ihrem Eintreffen Spencer regungslos verharrte.
"Und, Captain?", fragte sie ihn fröhlich. "Sie wälzen tief schürfende Gedanken?"
Er wandte sich um, sie war sich allerdings bei weitem nicht sicher, ob er sie wirklich registrierte oder durch sie durchzusehen versuchte. "Bitte?", brummte er nur. Im Hintergrund hörte Lemois ein weiteres Mal das charakteristische Geräusch sich öffnender Türen, doch trotz oder gerade wegen Spencers seltsamen Gesichtsausdrucks konnte sie sich nicht umschauen, um nachzusehen.
Der eigenartige Tonfall Spencers, nein, die Atmosphäre der gesamten Situation wollte ihr unbedingt etwas sagen, sie lauschte und das was sie hörte, schien das Richtige zu sein.
"Schon gut, Captain", entschuldigte sie sich rasch und versuchte irritiert Abstand zu gewinnen.
Sie schlenderte ziellos, mit gesenktem Blick, nachdenklich ein paar Schritte durch den sich langsam füllenden Aussichtsraum. Es war nicht alles unbedingt so, wie sie sich diesen ersten Abend vorgestellt hatte, besonders...

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