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Logbuch der Kennedy, Sternzeit 21618.4, Commander Spencer: [13.08.2344 08:01:32]
In weniger als dreißig Minuten werden wir im Sol-System eintreffen und wir haben immer noch keine Möglichkeit gefunden, das Schiff anzuhalten. Die Wiederherstellung der normalen Kontrollen in dieser kurzen Zeit erscheint illusorisch, eine Anforderung originaler Software ist aufgrund der immer noch ausgefallenen Kommunikationssysteme unmöglich . Auf der Suche nach Alternativen läuft uns langsam die Zeit davon.
Spencer nahm diesen kurzen Logeintrag als willkommene Denkpause. Hwang, DeFalco, Hellmann, MacDonnell, vier weitere Ingenieure und er waren seit guten zwanzig Minuten dabei, nach einem Weg zu sinnen, die Kennedy trotz Kontrollverlust zum Stillstand zu bringen.
"Wir sind uns also alle einig, dass wir die Energiesysteme auf welchem Weg auch immer herunterfahren müssen, um den Antrieb zu stoppen", resümierte Hellmann gerade als Spencer wieder dazustieß. Es regte sich kein Widerspruch.
"Standardmäßig geht es nicht", überlegte MacDonnell. "Da wurde vorausgedacht: Auf die Energiesteuerung für den Warpantrieb haben wir keinen Zugriff."
"Wenn wir die gesamte Energieversorgung drosseln?", schlug Hwang vor. "Irgendwann werden die Warpgondeln unterversorgt und das Warpfeld bricht zusammen."
"Wir dürfen aber nicht zu schnell vorgehen, dann implodiert das Warpfeld anstatt zu kollabieren", warf Fähnrich Walker ein.
"Richtig", stimmte DeFalco zu. "Preisfrage: Wie fährt man den Hauptreaktor bei laufendem Triebwerk unter dreißig Minuten nicht zu schnell herunter?"
"Wir müssen alle übrigen Energieverbraucher abschalten, um Energie zu sparen", antwortete Fähnrich Chen.
"Das ändert nichts an der immer noch zu steil fallenden Energiekurve beim Abschalten", erwiderte Spencer. "Mr. Hellmann, können Sie den genauen Grenzwert bestimmen?"
"Nur den ungefähren", antwortete Hellmann nachdenklich. "Der Antrieb ist weder getestet noch kalibriert."
"Beginnen Sie. Oder haben wir eine andere Möglichkeit?"
"Nur noch ein paar zusätzliche Tricks im Energiemanagement", antwortete DeFalco. "Und je länger wir warten, desto steiler wird die Kurve."
Er wollte schon zur Tat schreiten, als MacDonnell ihn zurückhielt. "Sollten wir nicht erst wenigstens eine Simulation fahren? Vielleicht bringt es ja gar nichts."
"Dann ist es sowieso zu spät und wir werden von den Gravitationskräften im Sol-System zerfetzt, wenn wir einfliegen." Unbeirrt begann DeFalco mit Eingaben.
Spencer besah sich nachdenklich eine flackernde Betriebsanzeige auf einem abgelegenen Monitor während hinter ihm die Diskussion der Ingenieure untereinander intensiviert wurde. Zu viele Unwägbarkeiten und zu viel Zeit. Man bräuchte einen Plan, einen sicheren... Plan. Plan! Das war der Plan!
"So nicht!", rief Spencer, indem er lautstark DeFalco das Wort abschnitt. "Wir denken zu kurz!"
"Was meinen Sie?", erkundigte sich Hwang erstaunt.
"Wir wissen doch, dass wir quasi ferngesteuert werden. Der Sender, unsere Systemausfälle, alles. Und jetzt gerade auch wir, genau wir. Wir sind Gefangene der Situation und handeln entsprechend."
"Bisher war immer alles für diese Eventualitäten vorgeplant und wir mussten mitschwimmen, ob wir wollten oder nicht", vervollständigte Hwang, die Spencers Gedankengang rasch begriffen hatte. "Ohne uns wehren zu können."
"Genau. Wir sind in einer Krise und handeln an sich logisch, aber emotional. Wenn ein Schiff zu schnell ist, ist es die logische Wahl, es zu stoppen. Genau das wird aber hier nicht funktionieren!", fiel wiederum Spencer ein.
DeFalco zuckte die Achseln. "Das ist nicht gesagt. Unsere Idee kann funktionieren."
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