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Persönliches Logbuch, Commander Spencer, Sternzeit 21615.7: [12.08.2344 08:18:32]
Nach vierwöchiger Reise auf dem Transportschiff Io nähern wir uns nun dem Sol-System. Ich freue mich darauf, mein neues Schiff, die U.S.S. Kennedy, zu übernehmen und hoffe, dass ich nun nach den Extremsituationen auf der Magellan besser auf die Erfordernisse eines Kommandos vorbereitet bin.
Gerade als Spencer auf den Ausschaltknopf seines Logbuchs drückte und dabei aus dem Fenster sah, konnte er beobachten, wie aus den vorbeiflitzenden Warpsternen langsam vorbeigleitende Leuchtpunkte wurden, das heißt, das Transportschiff verlangsamte auf Impulsgeschwindigkeit, um in das Sol-System einzutreten. Erst nach einigen Sekunden wurde er sich klar, dass er diesen Effekt, den er seit langer Zeit gewöhnt war, plötzlich wieder bewusst erlebte. Rasch erhob er sich, zupfte seine neue Uniform glatt, ergriff seine bereit stehenden Sachen und warf einen letzten, halbherzigen Kontrollblick hinter sich, bevor er seine Heimstatt der letzten Wochen gemächlichen Schrittes verließ.
Er beschloss, nachdem er seine Sachen im Transporterraum abgestellt hatte, die verbleibende Zeit, bis sie bei den Utopia-Planitia-Flottenwerften im Marsorbit einträfen, auf einem der Aussichtsdecks zu verbringen.
Er musste einige Sekunden warten und sich neben dem Eingang positionieren, bis er eintreten konnte. Er schätzte, dass etwa zwanzig Personen gerade dabei waren, den Raum zu verlassen, jetzt da die Reise nur noch wenige Minuten dauern sollte. Unter ihnen waren einige Sternenflottenoffiziere, aber auch Zivilisten, da jeder an Bord der Io gehen konnte, der die nötige Menge an Credits aufbringen konnte. Ihre teilweise recht eigentümlichen Blicke ignorierte er.
Er hatte genau mit diesem Fall gerechnet und sich innerlich darauf eingestellt, bis zum Eintreffen auf Utopia Planitia auch in diesem Raum das Alleinsein zu finden. Zu seiner Überraschung war dem jedoch nicht so.
An einem Tisch in der Ecke saß Lieutenant Karov, sie war gerade dabei, die Tischplatte ausgiebig zu mustern. Sie war ebenfalls an Bord, da ihre und Spencers Reiseroute naturgemäß identisch war, beider Ausgangsort war Sternenbasis 53 und beider Ziel Utopia Planitia. Auf der Reise selbst waren sie sich jedoch kaum begegnet, da er sich größtenteils in sein Quartier zurückgezogen hatte, zur ‚Selbstfindung‘, wie er es in seinen persönlichen Logbucheinträgen formuliert hatte.
Im Hintergrund ertönte eine schnarrende Lautsprecherdurchsage. "Alle Passagiere mit den Reisezielen Jupiter, Europa, Ganymed oder Kallisto werden gebeten, sich zum Ausgang auf Deck 7 zu begeben."
"Sie hier, Lieutenant?", fragte Spencer, der damit Karov unsanft aus ihren Gedanken entführte.
"Sir?", fragte sie im ersten Schreck.
Spencer hob entschuldigend die Hand. "Ich wollte sie nicht erschrecken, Lieutenant. Ich hatte nicht erwartet, sie hier vorzufinden." Er sah aus dem Fenster und suchte Kraft zu finden in den weit entfernten Sternen. Auch der gerade ablaufende Andockvorgang konnte ihn nicht ablenken.
"Ist schon in Ordnung, Captain", meinte sie. "Haben Sie schon gehört?"
"Was denn?", fragte Spencer nach einem kurzen Moment der Stille.
"Es kam gestern auf dem Sternenflottenkanal. Die Urteile gegen Commander Bengasi und Lieutenant Bengtsson."
Spencer blickte weiterhin hinaus und sagte für einen Augenblick nichts. Die Io nahm wieder Fahrt auf und steuerte auf ihr nächstes Ziel zu.
"Ich habe es gelesen", antwortete er gedankenvoll. Es entstand ein weiterer Augenblick des Schweigens.
"Und was meinen Sie dazu, wenn es Ihnen nichts ausmacht?", fragte Karov, der es nicht gerade leicht fiel, die Schwere der Lautlosigkeit zu durchbrechen. Sie erhob sich und stellte sich, den gebotenen Respektabstand einhaltend, neben Spencer. Sie sah ebenfalls hinaus. In einiger Entfernung schwebte der Jupitermond Phoebe vorbei.
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