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Kennedy


"Angriff und Verteidigung"

von Andreas Drechsler

Kapitel 8


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Logbuch der Cousteau, Commander Spencer: Nachtrag:
Eine Sonde konnte gestartet werden, um Hilfe zu holen, während wir durch eine weitere Sonde Subraumnachrichten senden und empfangen können. Unser zeitweiliger Chefingenieur DeFalco ist auf der Suche nach einem Miniaturleck in der Außenhülle, durch das wir konstant Atemluft verlieren, das vom Schiffscomputer und den internen Sensoren aber bisher nicht wahrgenommen worden ist.
Spencer wollte noch mehr hinzufügen, entschied sich aber diese Details nicht im Logbuch, sondern in seinem späteren Bericht zu erwähnen. Dazu gehörte, dass er eigentlich die Alarmstufe Rot beenden könnte, um auf Alarmstufe Gelb zu gehen, weil eine direkte Bedrohung durch Feinde oder Schäden nicht mehr bestünde. Er beließ sie aber trotzdem in Kraft, um auf die mögliche Gefahr durch schleichenden Luftverlust ständig aufmerksam zu machen.
Ihn beruhigte auch nicht, dass Ingenieurteams im Moment das gesamte Schiff Deck für Deck und Sektion für Sektion auf dieses Problem hin untersuchten und dass Fähnrich Berger zusammen mit anderen Mitgliedern der Wissenschaftsabteilung die internen Sensoren zur Fehlersuche auseinander nahm und parallel an einem neuen Verfahren zum Aufspüren dieses Lecks arbeitete.
Trotz all diesen Widrigkeiten konnte er jetzt zum ersten Mal wagen, die Ereignisse der letzten Stunden vor seinem inneren Auge Revue passieren zu lassen. Er war stolz, gleichsam überrascht und auch froh, dass seine Crew diesen schlimmen Kampf und seine Folgeerscheinungen und die permanente Bedrohung ihrer aller Leben bisher ohne größere Probleme verkraftet hatte. Für viele der Crew war es der erste Kampf, die erste Raumnot und auch das erste Mal, dass ihr Leben direkt bedroht war. Spencer hatte befürchtet, dass zumindest einige, jüngere Mitglieder in einem solchen Fall nicht die vollkommene Ruhe bewahren könnten und war froh, dass das bisher nicht eingetreten war.
Eigentlich mussten Sie jetzt nur noch abwarten, dass die Notfallsonde auf der Sternenbasis einträfe und sie ein Rettungsschiff schickten. Das Problem bestand nur darin, dass, bevor ein Schlepper die Cousteau abtransportieren könnte, zuerst die diversen Schäden an der Außenhülle und die geborstene Backbordstrebe repariert werden mussten. Voraussetzung dafür war wiederum, die Cousteau anzuhalten, eine Aktion, die wiederum wegen des kritischen Hüllenzustands problematisch werden würde. Der Gedanke an Rettung gefiel Spencer, der an die ganzen Vorbereitungen für die Rettung weniger. Am liebsten wäre ihm gewesen, die ganze Situation per Knopfdruck wieder in den Urzustand versetzen zu können, eine Illusion, der er sich allerdings nicht lange hingeben wollte.
Er stellte fest, dass er während all dieser Überlegungen nahezu regungslos in seinem Kommandosessel auf der Hilfsbrücke gesessen und auf den Hauptschirm gestarrt hatte. Er schüttelte sich und versuchte, sich wieder zu konzentrieren. Jetzt war nicht der Zeitpunkt für Resümees und ausschweifende Gedanken, noch nicht. Erst wenn...
‚Nicht schon wieder abschweifen! Was ist denn los mit mir?‘, zwang sich Spencer zur Konzentration und gab sich kurze Zeit später die Antwort: ‚Ich bin erschöpft und mit den Nerven fertig, wie eigentlich alle hier.‘
Er wandte sich wieder dem regulären Schiffsbetrieb zu, indem er aufstand und eine kleine Runde über die Brücke drehte.
"Schon was Neues, H'Korr?", fragte er. Sie verneinte.
"Und Fortschritte von DeFalco und Berger?", fragte er weiter, diesmal Hellmann, der aber auch verneinen musste.
Spencer setzte sich wieder und Hwang drehte sich zu ihm. "Und mich wollen Sie nichts fragen, Sir?"
Spencer rang sich unvermittelt ein kleines Lächeln ab. "Nein. Sie können ja im Moment nichts tun. Oder doch?", fragte er wie im Selbstgespräch und fuhr dann fort: "Ja, doch. Sie ruhen sich jetzt ein wenig aus und übernehmen pünktlich zur zweiten Schicht. Ich denke, dass ich dann soweit bin, dass ich vom Stuhl falle."

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