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"Repulse: Genesis"

von Alban Werner

Teil 5: Im Auge des Betrachters


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Arnim Temsarian erwachte. Der Chronometer piepte pünktlich um sechs Uhr morgens Erdstandardzeit.
Hier, draußen im Weltraum mochte es zwar für den Dienstablauf nicht viel Unterschied machen, ob er den Schlaf früh morgens oder, wenn er etwa nach einem andorianischen Chronometer maß, erst am späten Nachmittag hinter sich ließ. Ihm persönlich war es lieber, sich nach der Erdrotation zu richten, denn seine Konzentration ließ immer nach, wenn er nicht genügend Schlaf erhalten hatte. Dieses Gefühl beschlich ihn nun auch, da er kaum mehr als vier Stunden hatte ruhen können. Nachdem er sich erhoben hatte und mehr oder weniger erfolgreich mit der tholianischen Schalldusche klargekommen war, holte er seine Uniform und zog sie über. Ein Gähnen entwich seinen Lippen, als er das Hemd überziehen wollte.
"Reiß dich zusammen, Arnim", sagte er leise zu sich selbst, "du hast einen Krieg zu verhindern, und das verlangt Aufmerksamkeit."
Ein Schnurren riss ihn aus dem Gedankengang: K‘talla wachte nun ebenfalls auf. Während sie noch auf dem Bett lag, suchte ihr rechter Arm nach seiner Schulter, aber fand sie nicht. Ein lautes Gähnen bestätigte, dass sie das Reich der Träume endgültig verlassen hatte.
"Wir sollten uns beeilen", meinte er, "jetzt wo die Schiffe der Rebellen repariert sind, wird die Aktion innerhalb kurzer Zeit anlaufen."
"Hast du es so eilig, mich loszuwerden?", fragte sie, als sie aufstand.
"Nein, ich möchte nur pünktlich sein."

T Minus 38 Stunden

Selten hatte Temsarian etwas erlebt, das dieser Konstruktion glich: Die Basis der Rebellen war kein normales Raumdock oder eine Station, die um einen Planeten rotierte - nein, es war ein Mond. Ein kleiner Trabant eines Planeten der Klasse L, das perfekte Versteck für einen Stützpunkt von Renegaten. Die Isom, die Omniac und die Cromethon kreisten seit mehreren Stunden im engen Orbit um die Basis.
"Eigentlich ist es auch eine Zuflucht für uns geworden", sagte Tekannon Rah auf der Brücke seines Raumschiffs, das gleichzeitig an der Außenhülle von tholianischen Technikern bearbeitet wurde, die letzte Mikrofrakturen und andere kleine Schäden beseitigten. "Vielleicht werden wir diese Einrichtung sogar vermissen, wenn unser Kampf beendet ist und wir endlich nach Tholia Prime zurückkehren können."
"Seit wann waren sie denn nicht mehr in ihrer Heimatwelt?", fragte Gershyn.
"Machen sie Witze? Ich bin schon als Junge fortgegangen. Wenn ich auch nur in die Nähe von Tholia Prime komme, werden sie die Leute darum reißen, wer meine Leiche beim Herrscher abliefert. Auf mich ist ein Kopfgeld von zwanzig Tausend Baren Latinum ausgesetzt, nicht, dass sie auf dumme Gedanken kommen."
Nein, wir sind ja auch nur aus Spaß an der Freud‘ Kopfgeldjägerinnen, dachte K’talla. Sie starrte immer wieder Temsarian an, um zu sehen, ob sie ihn nervös machte wie all die anderen Männer zuvor, mit denen sie zusammengewesen war.
Die grau bis bläuliche Oberfläche des Mondes war bedeckt mit zahlreichen Kolonien, das konnte Gershyn mit bloßem Auge erkennen. Die Zahl der hier lebenden Rebellen musste beachtlich sein, und höchstwahrscheinlich besaßen sie auch Familien. Rah jedenfalls war nach eigener Aussage verheiratet, Kinder hatte er noch keine.
"Ich schlage vor, wir beamen hinunter und beginnen so schnell wie möglich mit der Planung", meint Rah.
Temsarian und die beiden Damen folgten dem schimmernden Rebell in die Transporterkammer.
Die Umgebung vor der Cromethon löste sich vor ihren Augen auf, ein grelles Leuchten fuhr an ihnen vorbei, bis sie letztendlich, nach weniger als drei Sekunden, in einem ähnlichen Raum auf dem Mond materialisierten, der allerdings um ein Vielfaches größer erschien. Zwei Dutzend Transporterplattformen waren erkennbar, die jeweils von einem Operator betrieben wurden, und ständig beamte man Besatzungsmitglieder der drei Schiffe im Orbit hinunter.

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