|
"Das alte Reich stirbt, und wenn du
mich fragst, verdient es zu sterben."
(Ezri zu Worf in "What you leave behind")
Prolog
Beim Anblick der Xhosa wurde Bareil ungewohnt warm ums Herz. Es war kein schönes Schiff, ein Frachter, der schon bessere Tage gesehen hatte. Doch irgendwie fühlte Bareil eine seltsame Verbundenheit mit diesem häßlichen Haufen Metall. Vielleicht lag es daran, daß er zum ersten Mal in seinem Leben etwas tat, das nicht mit dem Gesetz in Konflikt stand, eine ehrliche Arbeit, für die er bezahlt wurde. Es war ein eigenartiges Gefühl, aber es fühlte sich gut an; verdammt gut.
"Mister Bareil?" drang eine sanfte Stimme in die Gedanken des Bajoraners.
Sofort verflüchtigte sich das angenehme Gefühl und machte einem drängenden Fluchtimpuls Platz, dem Bareil nur mit Mühe widerstand. "Was wollen Sie?" fragte er den schlanken, dunkelhaarigen Mann, dessen Anblick längst vergessene Erinnerungen an eine andere Zeit und einen anderen Ort wachriefen. Der Mann, der lautlos aus dem Schatten eines Frachtcontainers getreten war - zu lautlos für Bareils Geschmack - lächelte und hob in einer entschuldigenden Geste beide Hände.
"Bitte verzeihen Sie die Störung. Ich habe gehört, daß Sie nach Cardassia Prime fliegen, und ich frage mich, ob Sie wohl so liebenswürdig wären, dies", der Mann hielt Bareil ein Datenröhrchen hin, "mitzunehmen und diesem Adressaten", er aktivierte ein visuelles Display an der Außenhülle des Röhrchen, "zu übergeben. Was haben Sie?" erkundigte er sich, als der Bajoraner beim Blick auf das Display zusammenzuckte.
"Nichts", wehrte Bareil ab, der sich mit Gewalt ins Gedächtnis rief, wo er sich befand, daß die Geister der Vergangenheit zu einer anderen Welt gehörten, zu dem Leben, das er hinter sich gelassen hatte, als er in dieses Universum gekommen war. "Warum fragen Sie mich und nicht Captain Yates?"
"Captain Yates braucht kein goldgepreßtes Latinum, das es ihr erleichtert, sich hier ein neues Leben aufzubauen." Der Mann lächelte leicht. "Im Gegensatz zu Ihnen."
Bevor Bareil protestieren konnte, hatte der Mann ihm das Röhrchen sowie einen Beutel mit Latinum in die Hand gedrückt und war verschwunden.
Teil 1
Die Luft in der fensterlosen Halle war stickig und erfüllt vom Geruch nach Blutwein. Was als ein Fest anläßlich des Jahrestages der großen Schlacht von Kahless begonnen hatte, hatte in einer hitzigen Debatte zwischen dem Botschafter der Föderation und den Oberhäuptern mehrerer klingonischer Häuser geendet. Nur Martoks Eingreifen war es zu verdanken, daß kein Blut geflossen war. Der Kanzler hatte Worf bedeutet, ihm in den Schatten eines Standbildes zu folgen.
"Bei meiner Ehre, Worf, ein zweites Mal werde ich mich nicht einmischen können, ohne daß mein Ansehen leidet."
"Deine Hilfe wurde weder erbeten, noch war sie erwünscht. Ich wäre mit der Situation allein fertig geworden."
"Indem du einen verdienten General des Reiches tötest oder von ihm getötet wirst?"
"Wenn es nicht anders gegangen wäre: ja."
"Jetzt sprichst du wie ein wahrer Klingone."
"Ich bin ein Klingone!"
"Warum hast du dich dann wie der Botschafter der Föderation verhalten?"
"Ich bin..." Worf verstummte.
Martok lachte rauh. "Siehst du, das ist es, was ich meine."
"Du hattest keine Einwände, mich als Botschafter der Föderation zu akzeptieren."
"Darum geht es nicht. Die Einladung galt Worf, Sohn des Mogh aus dem Haus Martok, nicht dem Botschafter der Föderation. Halte die beiden Seelen in deiner Brust getrennt, sonst wird der Tag kommen, an dem du unwiderruflich zwischen ihnen wählen mußt."
|