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Von ihrem Platz an der Säule aus verfolgte Kira die Zeremonie. Sie war froh darüber, im Halbschatten zu stehen, so mußte sie die Gefühle auf ihrem Gesicht nicht für die anwesende kritische Öffentlichkeit kontrollieren. Sie konnte sich den Luxus gönnen, ihrer privaten Melancholie nachzuhängen. Ein Paar so glücklich und so ernsthaftig in ihrer Liebe zueinander zu sehen, erweckte augenblicklich Erinnerungen in ihr. Besonders natürlich, wenn die eine Hälfte besagten Paares einer ihrer früheren Liebhaber war.
Kira lauschte den Worten, deren Inhalt immer weniger zu ihr durchdrang. In der Klangmelodie von Vedek Sarius‘ Stimme ließ sie sich treiben und begann an die Augenblicke zurückzudenken, in welchen sie Glück in den Armen eines anderen gefunden hatte. Sie dachte an Bareil, an Shakaar selbst, an Odo – die wichtigen Männer ihres Lebens, jeder einzelne von ihnen ein Mann der Ruhe und inneren Macht. Mit jedem einzelnen von ihnen hätte sie liebend gerne den Rest ihres Lebens geteilt, wenn die Propheten es zugelassen hätten. Es war ihr bewußt, daß sie mit einem Geschenk gesegnet worden war, welches ihr die Gelegenheit gegeben hatte, gleich dreimal diese Art von Mann lieben zu dürfen. Andere Frauen warteten ihr gesamtes Leben darauf.
Ein schwaches Lächeln zerteilte ihre melancholische Stimmung, als sie an die Worte Quarks zurückdachte, der ihr einmal gesagt hatte, daß sie eine andere Art von Mann bräuchte ...
"Man wünscht sich fast, man wäre selbst an ihrer Stelle, nicht wahr?"
Die leise, sinnliche Stimme befand sich direkt neben ihrem Ohr, der leichte Hauch eines Atems streifte die Härchen in ihrem Nacken. Kira nahm alle Konzentration zusammen, um einen überraschten Schrei zu unterdrücken. Sie erkannte die Stimme augenblicklich – nur ein Dieb in der Nacht konnte sich so lautlos an sie heranschleichen. Der Sekundenbruchteil, den sie benötigte, um sich umzudrehen war alles, was sie brauchte, um ihr klopfendes Herz und ihre vor Überraschung aufgerissenen Augen wieder unter Kontrolle zu bringen.
Somit sah sich der große, dunkelhaarige Bajoraner keiner fassungslosen Frau gegenüber, sondern einem stahlharten Gesicht, dessen Augen sich verengt hatten.
"Ich will nicht wissen, wo du herkommst und was du willst. Ich will dich nie wiedersehen."
Der Kerzenschein beleuchtete sein Gesicht und ließ die großen Augen wie Hämatit glitzern. Es gelang ihm nicht, die Verletzung zu überspielen, die Kiras Worte bei ihm ausgelöst hatten. Ganz offensichtlich hatte er mit einer anderen Begrüßung gerechnet. "Ich bitte um Asyl," brachte er ein wenig unsicher hervor.
"Dann wende dich damit an das Innenministerium, Bareil Antos." Kira drängte sich an ihm vorbei und verließ die Halle ohne sich noch einmal umzudrehen.
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