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"Wir haben nichts zu verlieren,
außer unserer Angst"
(Rio Reiser)
Teil 1
Sie schien ihn nicht zu bemerken. Shakaar Edons Hand verharrte in ihrer Bewegung. Anstatt an die offenstehende Tür zu klopfen, lehnte er sich in den Rahmen und gönnte sich den Luxus der stillen Betrachtung. Die Cardassianerin, der seine Aufmerksamkeit galt, saß dem Eingang gegenüber an einem schweren Holztisch, in den Händen ein tragbares Display, welches sie konzentriert studierte.
Es machte Shakaar glücklich zu sehen, wie sehr Serina Tirek in ihrer Arbeit aufging. Er wußte, daß sie an allen Ecken auf Widerstand stieß, doch bisher hatte sie ihre Rolle mit einem verstehenden Lächeln gemeistert. Die Frau hatte ihre Zeit so eingerichtet, daß sie vormittags im Wirtschaftsministerium arbeitete und in dieser Zeit für jeden zu sprechen war – was ihre offenstehende Tür verdeutlichte. Die Nachmittage waren für diejenige Arbeit reserviert, die sie von zu Hause aus erledigen konnte. Shakaar hatte ihr zwar angeboten, eine Tagesmutter für Katalja zu engagieren, doch Serina hatte es abgelehnt. Sie wollte diese Arbeit, doch sie wollte auch ihre Mutterrolle. So versuchte sie, beides auf dem bestmöglichen Nenner zu kombinieren. Vormittags kümmerte sich eine Bajoranerin, die Shakaars vollstes Vertrauen genoß, um das kleine Mädchen, und Abends übernahm Shakaar selbst öfter das Kind, damit seine Mutter neben der Arbeit auch ein wenig Zeit für sich alleine hatte. Der Premierminister liebte diese Abende. Er hatte sich innerhalb kürzester Zeit so sehr an die Kleine gewöhnt, daß er für sie wie für eine eigene Tochter empfand. Und an der Art, wie das Kind auf ihn reagierte, wann immer er es an sich nahm, konnte er erkennen, daß es ebenfalls seine Gegenwart willkommen hieß.
Die Cardassianerin notierte mit einem elektronischen Stift ein paar Anmerkungen in das soeben Gelesene. Ihr streng aufgestecktes Haar folgte jeder Bewegung des Kopfes und verriet nichts von der lebendigen Dynamik, die es entwickelte, wenn es ihr lose auf die Schultern fiel. Shakaar schloß für einen Moment die Lider und berührte in Gedanken diese seidige Schwärze. Er seufzte unhörbar. Serina Tirek war gut 15 Jahre jünger als er – ein weiterer unter vielen Punkten, der ihm einige Mißbilligung eingebracht hatte – doch er hatte dieses irrwitzige Gefühl, nicht mehr ohne sie leben zu können. Er hatte sie als junges Mädchen kennen und lieben gelernt, sie in den Wirren des bajoranischen Freiheitskriegs aus den Augen verloren, und der dominische Krieg hatte sie ihm als asylsuchenden Flüchtling aus der cardassianischen Heimat wiedergebracht. Manchmal wählten die Propheten seltsame Wege, um das Schicksal einzelner Personen zu bestimmen ...
"Dieser Tisch gefällt mir. Er sieht aus, als würde er ohne Probleme das Gewicht zweier erwachsener Personen tragen." Er sprach leise, um sie nicht zu sehr in ihrer Konzentration zu erschrecken.
Tirek sah auf. Ein schelmisches Grinsen huschte über ihre Züge, als sie den Besucher erkannte. "Denken Sie diesen Gedanken keinen Schritt weiter, Premierminister. Das letzte, was mir jetzt noch fehlt, ist in der Öffentlichkeit des Wirtschaftsministeriums in flagranti erwischt zu werden, wenn ich auch gestehen muß, daß der Gedanke an einen nackten, kräftigen, glatten Körper einiges für sich hat."
"Ich denke, der Boß würde ein gutes Wort einlegen." Shakaar gab seine lässige Haltung im Türrahmen auf, um sich ihr gegenüber an den Tisch zu setzen. Er deutete mit dem Kinn auf das nun abgelegte Padd. "Wie sieht es aus?"
"Wir haben die erste Lieferung fertig. Hauptsächlich Medikamente, von der Sternenflotte zur Verfügung gestellte Feldrationen und technisches Gerät für die Grundausstattung. Captain Yates befindet sich auf dem Weg zu einem ersten Treffen."
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