|
Odo war zu seinem Volk zurückgekehrt, war sogar zu dessen Führer geworden.
Kira ihrerseits hatte die Verantwortung für DS9 und damit auch einen wesentlichen Teil des Schutzes ihrer Heimat übernommen.
Odo hatte seinen Platz in der großen Verbindung eingenommen. Seine Suche war zu Ende und damit die Einsamkeit und die innere Zerrissenheit, die sein Leben bis zu diesem Tag bestimmt hatten.
Kira wiederum war von der Rebellin, die sie einst gewesen war, zur Kommandantin der wohl wichtigsten Basis im Alpha-Quadranten geworden.
Für eine Weile hatten ihre Wege sich gekreuzt, doch beide wußten, daß dieser Abschnitt für sie unwiderruflich vorbei war, daß es an der Zeit war, neue Pfade zu beschreiten, mochten diese auch in unterschiedliche Richtungen führen.
"Warum ausgerechnet Weyoun?" beharrte Kira auf ihrer Frage, die der Anlaß gewesen war, mit Odo auf der Heimatwelt der Gründer Kontakt aufzunehmen. "Bist du dir bewußt, welche Gefühle seine bloße Anwesenheit auf DS9 bei dem bajoranischen Volk und insbesondere den Bewohnern der Station auslöst? Der Vorta, der die dominischen Truppen während des Krieges kommandiert und der DS9 besetzt hat! Der Mann, der Dukat die Rückkehr nach Terok Nor ermöglicht hat!"
"Das war Weyoun fünf. Der Weyoun, den wir nach DS9 geschickt haben, ist Weyoun neun. Er hat keine Schuld an den Verbrechen, die von seinen Vorgängern begangen wurden."
"Erkläre das den Leuten hier! Wie war es überhaupt möglich, eine neunte Inkarnation zu erschaffen? Die Klontechnik wurde im Krieg zerstört, oder etwa nicht?"
"Das wurde sie", bestätigte er. "Offenbar hatte Weyoun acht seinen Nachfolger aus Gründen die er mit ins Grab genommen hat, bereits zu Lebzeiten klonen und in Stasis versetzen lassen. Weyouns Erster, Omet’iklan, hatte von Weyoun acht den Befehl erhalten, im Falle seines Todes die Stasiskammer zu öffnen und Weyoun neun zur Heimatwelt meines Volkes zu bringen, um den Gründern zu dienen."
"Von mir aus, er kann nichts für das, was im Krieg geschehen ist. Aber er ist nun einmal eine Inkarnation von Weyoun, und die Gefühle, die er bei den Leuten, und auch in mir, weckt, sind nicht gerade freundlicher Natur, um es milde auszudrücken!"
"Es tut mir leid, Nerys. Wir hatten keine andere Wahl, als ihn nach DS9 zu schicken."
"Was soll das heißen?! Es gibt immer eine Wahl! Du hättest irgendeinen anderen Vorta zum Botschafter ernennen können!"
"Nein", widersprach er. "Verstehe doch, Nerys. Im Krieg wurden viele Vorta getötet. Einige starben im Kampf, aber die meisten begingen Selbstmord, um nicht in Gefangenschaft zu geraten. Die wenigen Vorta, die noch übrig sind, besitzen praktisch keine Erfahrung im Umgang mit anderen Völkern. Das Dominion ist schwach. Die Romulaner und Klingonen murren bereits, daß mit uns zu gnädig verfahren wurde, daß die Gründer hätten getötet und der Gamma-Quadrant unter den Siegern hätte aufgeteilt werden sollen. Wir haben keine Armee, um uns zu schützen. Fast alle Jem’Hadar sind tot, die Geburtskammern zerstört."
"Das klingt, als würdest du das bedauern", bemerkte Kira.
"In gewisser Weise tue ich das", bekannte Odo. "Die Föderation hat auf die Vernichtung des Dominions verzichtet. Wir werden auch künftig auf ihr Wohlwollen und das der anderen Völker des Alpha-Quadranten angewiesen sein."
"Und das gedenkst du dir zu erhalten, indem du uns mit Weyoun konfrontierst?!"
"Weyoun neun ist für die Taten seiner Vorgänger nicht verantwortlich. Doch genau wie alle seine Vorgänger ist er der geborene Diplomat. Wenn es jemandem gelingt, die Föderation, Bajor und die anderen Völker des Alpha-Quadranten davon zu überzeugen, daß das Dominion sich geändert hat und eine friedliche Nation geworden ist, dann Weyoun."
|