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:: Vorwort
:: Aus der Asche
:: Schreie in der Nacht
:: Vor den Augen der Welt
:: Wie ein leiser Hauch der Ewigkeit
:: Wenn Reiche fallen


die inoffizielle 8. Staffel


"Aus der Asche"

von Martina Strobelt, Gabi Stiene

Schreie in der Nacht


 « :: Kommentare :: » 

"Keiner sollte je den Fehler begehen meine Begabungen
zu unterschätzen. Schon gar nicht die des Überlebens."

(Garak zu Ziyal in "Zu den Waffen")

Teil 1

Dichte Nebelschwaden hüllten ihn ein, drangen in seine Lungen und drohten ihn zu ersticken. Graue Schleier bildeten Gesichter und Münder. Unendlich viele Münder. Und alle schrien und riefen im Todeskampf seinen Namen ...

Er wachte von seinen eigenen Schreien auf. Sein Puls raste, und die Luft im Zimmer erschien ihm drückend. Er wollte sich aufrichten, doch es war, als würde das Gewicht unzähliger Körper auf ihm lasten und ihn niederpressen.
"Computer, Licht!"
Nichts geschah, und ihm fiel ein, daß die Computersteuerung seit dem Angriff des Dominions ausgefallen war. Er zwang seinen rechten Arm, der schwer wie Blei war, sich zum Lichtschalter neben dem Bett zu tasten.
Gleißende Helligkeit flammte auf.
Für den Bruchteil einer Sekunde schloß Elim Garak geblendet die Augen. Dann öffnete er sie wieder und setzte sich auf. Wände und Decke des winzigen Raumes sahen aus, als würden sie sich auf ihn zu bewegen. Garak benötigte seine ganze Willenskraft, um seine Atmung unter Kontrolle zu bekommen und die Panik, die in seinem Inneren aufstieg, niederzukämpfen. Seit seiner Ankunft auf Cardassia hatten die klaustrophobischen Anfälle, unter denen er litt, beunruhigend zugenommen, und neuerdings gingen sie mit entsetzlichen Alpträumen einher.
Er hatte gegen sein eigenes Volk gekämpft und es verraten. Es war zu Cardassias Wohl gewesen, doch sooft er sich das vor Augen hielt, es änderte nichts daran, daß er sich schuldig fühlte. Nacht für Nacht erwachten die Toten, die der Krieg gefordert hatte, in Garaks Träumen zu neuem Leben und klagten ihn an, sie ermordet zu haben.
Inzwischen hatte er angefangen, den Schlaf zu hassen, schlimmer noch: ihn zu fürchten.
Garak schaltete das Licht wieder aus und rückte an das Fenster über seinem Bett. Die fahlen Strahlen des Mondes waren das Einzige, was die Dunkelheit der cardassianischen Nacht durchbrach. Düster und drohend ragten die Trümmer der Häuser gegen den schwarzen Himmel auf. Dort unter ihm hatte sich einst eine der belebtesten Straßen der Hauptstadt befunden. Tag für Tag hatte sich eine wogende Menge aus Gleitern und Leibern ihren Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, oder zu Besuchen gebahnt, und nachts hatten die Straßenbeleuchtung und die Scheinwerfer der Luftfahrzeuge die Dunkelheit erhellt.
In gewisser Weise glich die Straße zu seinen Füßen heute wie damals seinem Leben. Dort, wo einst hektische Betriebsamkeit, stets in dem Bestreben, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, geherrscht hatte, waren Dunkelheit und Stille eingekehrt, Vorboten des Verfalls. Und genau wie die Häuser am Rand der Straße lag auch sein eigenes Leben in Trümmern.
Garak hatte begonnen, Natima Lang bei ihrer Arbeit im Krankenhaus zu helfen, doch selbstlose Aufopferung für andere als Zweck seiner Existenz, lief seiner Natur zuwider. Auf diese Weise würde er auf Dauer nicht weiterleben können, ohne den Verstand zu verlieren. Garak wußte, daß er ein Ziel brauchte, das seinem Leben wieder einen Sinn verlieh. Dann würden auch die Alpträume irgendwann vergehen, davon war er überzeugt, oder versuchte es zumindest zu sein. Es mußte dort draußen irgendwo noch Hoffnung für ihn geben. Daran klammerte er sich, weil es das einzige war, das ihm in dem Chaos, das ihn umgab, geblieben war.

Colonel Kira Nerys betrachtete das Gesicht auf dem Bildschirm. So vertraut und dabei zugleich fast wie das eines Fremden. Kühl und unnahbar. Konnte es wirklich sein, daß sie vor etwas mehr als einem Monat noch Liebende gewesen waren? War es möglich, daß sie beide sich in der kurzen Zeit, die seit ihrem Abschied vergangen war, derart verändert hatten?

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