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Sam zog ein Kissen näher zu sich heran, kroch weiter in die Ecke des Sofas zurück und umschlang mit den Armen ihre Knie. Es tat so weh.
Wie um sich selbst zu beruhigen, begann sie, sich sanft vor und zurück zu wiegen. Der Schmerz würde aufhören, wenn sie ihn nur lange genug ertrug. Wie jeden Abend. Er wurde mit jeder einsamen Nacht stärker, aber er hörte auch wieder auf, wenn der Morgen kam. Wie immer.
Tränen brannten schmerzhaft Spuren auf ihre Wangen, doch sie merkte es nicht. Um ein Schluchzen zu unterdrücken, vergrub Sam ihren Kopf in den Armen und verkrampfte die Finger zu Fäusten.
"Jack." Das Flüstern schien eine Weile im Raum zu schweben und sich dann in Hoffnungslosigkeit aufzulösen. Sam hatte das Gefühl, eine Kralle aus Eis würde sich um ihr Herz verkrampfen und sie betäuben. Es gab einen Schmerz, gegen den konnte man nichts tun. Nie. Eine Welle aus Hilflosigkeit, Angst und Verzweiflung drohte über ihr zusammenzubrechen. Es sollte doch nur aufhören, so weh zu tun.
Wieso durfte sie ihm nicht einfach sagen, wie sie fühlte? Wieso waren diese Regeln so eisern, undurchdringbar... unmenschlich?
Ihre Fingernägel hinterließen dunkelrote Abdrücke auf der Haut ihrer Waden. Doch nicht einmal der körperliche Schmerz konnte über ihren seelischen Zustand hinwegblenden. Es war aussichtslos. Sie liebte ihn, und es war sinnlos. War das die Gerechtigkeit, die sie geglaubt hatte, in der Army zu finden?
Vielleicht würde ihre Liebe irgendwann sterben, und dann waren auch die Schmerzen vorbei, die Qualen. Vielleicht würde sie dann jemanden finden, mit dem sie ihre Gefühle teilen konnte... durfte. Aber dann würde sie wahrscheinlich nie wieder diesen wunderbaren, sanften Blick aus seinen braunen Augen sehen. Nie wieder sein spezielles Grinsen, dass er für Situationen reserviert hatte, in denen er wieder einmal eine ihrer Erklärungen nicht verstand. Es würde ihn ebenso zerbrechen, wie sie. Nein. Sie wollte nicht, dass ihre Liebe für ihn starb. Auch wenn es schmerzte.
Baby I don`t know what I would do. I`d be lost if I lost you. If you ever leave, baby you would take away everything real in my life.
Ein Klingeln ließ Sam hochschrecken. Sie griff nach dem Telefon, doch ein erneutes Läuten machte ihr bewusst, dass es sich gar nicht um das Telefon handelte. Wer wollte denn um diese Zeit noch etwas von ihr? Sam fuhr sich durch die Haare und wischte sich die letzten Tränen aus den Augen. Sie musste schrecklich aussehen. Mit schleppenden Schritten gelangte sie zur Tür und öffnete diese.
"Jack!" Sie sah ihn fast schon erschrocken an, fasste sich jedoch schnell wieder. "Ähm, ich meine... Sir."
Er sah sie eine Weile nur an und sie wusste, dass er die Spuren ihrer Tränen noch deutlich sehen konnte. Es wirkte fast so, als hätte er es so erwartet. Plötzlich fiel Sam ein, dass sie ja seinen Pullover trug, doch er schien es noch nicht bemerkt zu haben. Es war ihr unangenehm.
"Es war das Lied, stimmt`s?", durchschnitt er die Stille und sah ihr direkt in die Augen.
Sie wollte fragend ihre Augenbrauen heben, doch irgendwie fehlte ihr selbst dazu die Kraft. Also wartete sie ab.
"Ich habe mich gefragt, wieso du plötzlich so anders warst, vorhin, im Auto. Und dann habe ich es gehört." Er duzte sie. Einfach so. Sein Blick ruhte jetzt irgendwo auf dem Boden und er kaute auf seiner Unterlippe. Als er wieder aufsah, erkannte Jack, dass ihre Augen erneut glasig schimmerten.
"Gott Sam...", murmelte er und zog sie zu sich. Sam krallte sich mit ihren Händen in seiner Lederjacke fest und vergrub ihren Kopf in seiner Schulter. Ein unterdrücktes Schluchzen drang dumpf zu ihm durch. Sie fühlte sich irgendwie erleichtert und zugleich unendlich verletzlich.
Er hatte es auch gehört. Er wusste, was es für sie bedeutete. Sie wünschte sich nichts mehr, als dass diese Umarmung niemals enden würde. Trotzdem war sie es, die sich langsam von ihm löste, um ihm in die Augen blicken zu können. Sie strahlten soviel Wärme und Geborgenheit aus. Sam legte ihre Fingerspitzen in seinen Nacken und zog ihn langsam zu sich. Doch bevor es zu einem Kuss kommen konnte, machte Jack einen Schritt zurück und nahm ihre Handgelenke sanft von seinem Hals.
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