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Die silbergrauen Masten der spärlichen Straßenbeleuchtung zogen in gleichmäßigen Abständen an ihr vorbei. Sie hatte aufgehört, unbewusst mitzuzählen, wie sie es sonst bei allen markanten Dingen tat. Das war wohl eine Nebenwirkung von den vielen Missionen, die sie hinter sich hatte - zähle jeden Stein, jeden Busch und jede Kreuzung mit, dann findest du schon zurück. Doch jetzt, wo sie auf der Erde, auf dem Heimweg war, schaltete sich der ständig hochkonzentrierte Teil in ihr langsam ab und sie begann, wieder 'menschlich` zu denken. Okay, es bestanden noch immer alle Dinge aus Materie oder Energie, aber jetzt durfte der Teil ihres Gehirns aktiv werden, dem das egal war.
"Carter?" Die Stimme neben ihr ließ sie wieder in die Realität zurückkehren. Sie drehte ihren Kopf zu ihm um und registrierte erst jetzt, dass sie angehalten hatten. Ihr Haus war durch den Vorgarten nur noch knappe vier Meter von ihr getrennt. O`Neill schaltete den Motor aus und langte mit einer Hand hinter sich auf den Rücksitz, um ihr kurz darauf ihre Tasche in die Hand zu drücken.
"Danke", erwiderte sie mit einem müden Lächeln. Es waren drei anstrengende Tage ohne Schlaf gewesen und auch Jack sah man die Erschöpfung an.
"Auch für`s Heimfahren. Ich lasse mein Auto morgen in die Werkstatt bringen", murmelte Sam. "Ich hätte mir sonst ein Taxi nehmen müssen, und Sie wissen ja, wie viel Zeit die sich lassen."
"Immer wieder gerne."
Sie grinste und wollte nach dem Türöffner greifen, hielt jedoch plötzlich inne und schien innerhalb von Sekundenbruchteilen mit tausend Gedanken zugleich zu kämpfen.
How do I get trough a night without you? If I had to live without you, what kind of life would that be?
"Stimmt was nicht?" Jack bedachte sie mit einem besorgten Blick. Sein Major wirkte abgespannt. Aber das waren sie alle. Die letzte Mission war hart gewesen.
"Nein, alles in Ordnung", erwiderte sie lächelnd, während sie ausstieg und mit einem "Gute Nacht, Sir!" die Tür zuwarf.
Ihre Beine fühlten sich auf dem Weg über den Vorgarten zu ihrem Eingang so seltsam schwer an. Ihre Finger waren ungewohnt zittrig, als sie versuchte, den richtigen Schlüssel herauszusuchen und die Tür erst nach dem dritten Versuch aufbekam. Mit einem tiefen Seufzer lehnte sie sich von Innen dagegen.
I need you in my arms, need you to hold. You`re my world, my heart, my soul.
"Stimmt was nicht?", hallten seine Worte noch immer in ihrem Kopf. Es gab so vieles, was sie ihm hätte antworten können. Nichts, was sie hätte aussprechen dürfen. Es war dieses Lied gewesen, das für einen winzigen Moment ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Verdammtes Autoradio.
If you ever leave, baby you would take away everything good in my life. And tell me now how do I live without you?
Sie kannte jedes Wort, hatte es schon so oft gehört. Hatte schon so oft dabei geweint. Wieso musste es ausgerechnet an diesem Abend zurück in ihr Gedächtnis gedrängt werden? Sam ließ ihre Tasche neben die Tür fallen und stülpte achtlos die Schuhe von den Füßen. Obwohl es angenehm warm war, fröstelte sie.
I want to know, how do I breathe without you? If you ever go, how do I ever survive?
Nachdem die Jacke ihren Platz am Haken eingenommen hatte und die Jeans gemeinsam mit den Socken den Schuhen in die Ecke gefolgt war, tapste sie barfuß ins Wohnzimmer und streifte sich den viel zu großen Pullover über, der noch immer auf der Sofalehne gehangen hatte. Jack hatte ihn nach der letzten Feier hier vergessen und sie hatte ihn bis jetzt nicht zurück gegeben. Irgendwie spendete er ihr Trost, wenn sie sich Abends einsam fühlte. So wie seit Wochen, so wie heute.
Sam widerstand dem ersten Drang, das Radio anzuschalten und dem Lied zu folgen. Es würde ihre Stimmung nur noch mehr in den Keller sinken lassen. Was sie jedoch nicht verhindern konnte_ war, dass ihre Gedanken die Worte fortsetzten, die sie eigentlich nicht hören wollte - deren Bedeutung sie sich nicht bewusst werden wollte.
Without you, there`d be no sun in my sky, there would be no love in my life, there`d be no word left for me.
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