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SF & Phantastisches


"Wieder begann ein Tag"

von Matthias Kahlow


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Wieder begann ein Tag. Ein weiterer grauer, dunkler Tag. Und wieder wälzte sich Ben missmutig aus dem Bett. Besser von seiner Matratze. Ein richtiges Bett hatte er seit Jahren nicht gesehen. Er schob die Pappe, die anstelle einer Scheibe aus Glas im Fensterrahmen saß, beiseite und blickte in das wie immer fahle Licht des Tages. Die Sonne war auch heute nicht zu sehen. Wie auch?
Ben schaltete das noch aus dem letzten Jahrhundert stammende Radio ein und drehte am Frequenzregler. Dass er einen Sender empfangen würde, war zwar mehr als unwahrscheinlich, aber trotzdem versuchte er es jeden Morgen wieder.
Nach zehn Minuten gab er es - auch wie jeden Morgen - auf. Batterien hatte er kaum noch, deswegen zwang er sich, sparsam damit umzugehen. Wie mit allem. Auch seine vorletzte Packung Zwieback würde heute zu Ende gehen. Er nahm die letzte Scheibe aus dem Papier und knüllte die Verpackung zusammen. ›Ein wenig Brennstoff für den Winter‹, dachte Ben.
Er streifte sich seine Jacke über. Wobei der Begriff kaum zutraf; es handelte sich um nicht viel mehr als einen Fetzen Stoff. Dann trat er vor die Tür, hinaus in die Kälte. Das ewig gleiche Bild bot sich ihm dar. Kahle, abgestorbene Bäume, ein Himmel, der keine Spur von Sonnenlicht zeigte, und der mit Kieselsteinen übersäte Weg, der immer geradeaus ins allgemeine Nichts führte.
Ben ging drei Schritte diesen Weg hinunter und hielt inne. Er drehte sich um und schaute zurück. Seit beinahe drei Monaten lebte er in diesem verfallenen Haus, mitten in diesem trostlosen Tal. Aber er hatte Glück gehabt, dieses Fleckchen zu finden. Immerhin gab es einige Konserven sowie Unmengen Zwieback und einen großen Wassertank in diesem Haus. So viel Glück hatten nicht viele der noch verbliebenen zweieinhalb Milliarden Bewohner dieses Planeten.
Wenn es denn noch so viele waren.
Ben drehte sich wieder um, in Richtung des Waldes. Die Kieselsteine knirschten unter seinen Schuhen, als er sich wieder in Bewegung setzte. Abgesehen davon waren keine Geräusche in dieser Einöde zu hören. Nachdem er in den letzten Wochen auch den letzten Winkel dieses Tales erkundet hatte, fand Ben, dass es Zeit war, mal einen Blick hinter die Hügel zu werfen.
Da er seit drei Wochen nichts mehr von den Kämpfen um das Tal herum gehört hatte, war es wohl einigermaßen ungefährlich, dieses kleine, wenn auch nur wenig Sicherheit bietende Tal zu verlassen.
Als er nach ein wenig mehr als zwei Stunden den Rand des Waldes erreichte, war er schon völlig erschöpft. Aber wen hätte es gewundert? Der Boden war verseucht, das Wasser der Flüsse zum großen Teil ungenießbar und die Luft voll mit radioaktiven Partikeln. Ben setzte sich auf einen Baumstumpf und verschnaufte kurz. Dann griff er nach seiner kleinen Wasserflasche, um einen Schluck zu nehmen.

*    *    *

Wieder begann ein Tag. Ben erblickte, wie jeden Morgen, einen grauen und trostlosen Himmel. Doch heute fand er sich nicht in ›seinem‹ Haus wieder. Er konnte sich aber nicht daran erinnern, wie er hier hergekommen war. Er wusste nur, dass er gerade eben die Hügel hinter sich gelassen hatte und sich dann zu einer Pause auf einem großen Stein niederließ. Und dann ließ ihn sein Gedächtnis im Stich. Er erhob sich von dem Bett, das, wie seines, nur aus einer Matratze bestand. Er öffnete die Tür des kleinen Zimmers, dessen Fenster auch keine Scheibe mehr hatte.
Im Wohnzimmer - ja, es war wohl ein Wohnzimmer - saß eine alte Frau auf einem klapprigen Stuhl neben einem Küchentisch und strickte etwas. Das Etwas sollte wohl ein Schal werden. Die Frau sah allerdings sehr mitgenommen aus. Aber wer sah nicht so aus?
»Oh, guten Morgen, mein Junge«, begrüßte ihn die alte Dame mit zittriger Stimme.
»Wo bin ich?«, wunderte sich Ben.
»Willkommen in meinem bescheidenen kleinen Häuschen. Mein Enkel hat Sie gestern völlig erschöpft am Fuße des Hügels gefunden«, erklärte sie ihm und begann, zu husten. Ben fiel auf, dass sie kaum Haare auf dem Kopf hatte. Wohl eine Folge der Radioaktivität der Atmosphäre. Er entsann sich, dass er selbst nur noch mit einer Mütze auf dem Kopf lebte.

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