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SF & Phantastisches


"Cyberhunter"

von Marcus Haas


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Ich muss schon mit dem falschen Bein aufgestanden sein, anders war meine schlechte Laune an diesem Tag überhaupt nicht zu erklären.
"Was?" Schrie ich, ein wenig zu laut, etwas zu schrill. Ich hatte einen fürchterlichen Kater, aber vielleicht war das auch nur diese verdammte Grippe, die in diesen Wochen die Stadt heimsuchte.
"Ein Spooky." Wiederholte Gunnar langsam, er kannte mich gut genug, um zu wissen, dass ich mit dieser Laune zu nichts zu gebrauchen war. "Ich mach' erst mal Kaffee. Dann reden wir."
Ich schleppte mich in mein Büro, es würde ein Scheißtag werden, ich wusste es. Missmutig knallte ich meine Füße auf die Flüssigkristallplatte meines Schreibtisches. "Neues?"
"Sie haben zwei Nachrichten." Antwortete der Schreibtisch, mit dieser Stimme, die ich an meinen guten Tagen angenehm fand, und an solchen wie heute nicht ausstehen konnte, weil sie so verflucht freundlich klang.
"Vorlesen!"
Ich hatte wirklich keine Lust, meine Augen so früh am Morgen schon mit dem Entziffern von Schriftzeichen zu überanstrengen.
"Eine Nachricht von ihrer Exfrau, ..."
"Überspringen." Es konnte ja nur um die Unterhaltszahlungen gehen, ja verdammt ich zahl ja, aber erst muss ich mal was verdienen. Das mit dem Verdienen war in diesen Tagen gar nicht so leicht als Cyberhunter, so was wie ein Privatdetektiv im Internet3. Ich war derjenige, den man rief, wenn die scheiß Roboter nicht mehr weiterwussten, man konnte gerade so davon leben. Bah, jeder Idiot hätte diesen Job machen können ein bisschen Reaktionsgeschwindigkeit, ein winziges bisschen Hirn, dann klappte das schon. "Zweite Nachricht von Maria Karan."
"Kennichnich." Stöhnte ich. "Zusammenfassung."
"Sie bittet um einen Termin, wegen einer Nachforschung nach ihrem Freund."
"Weitere Infos?"
"Negativ, soll ich Informationen einholen?"
"Lasses. Verpass der Frau ´nen Termin."
"Ist eingetragen."
Wundervoll, ein Job. Jetzt könnte Gunnar aber langsam mal mit dem Kaffe kommen, war da nicht noch irgendwas. Oh verdammt, mein Bregen gleicht auch schon bald diesem Internet, ständig werden die wichtigsten Daten irgendwo ins Nirwana gejagt. Ein Spooky nicht war? Die Polizei war eine kleine aber fast regelmäßige Einnahmequelle, wenn sie wieder mal einen dieser Datengeister in den Datennetzen entdeckten. Das waren verfluchte Idioten die sich ganz in das Netz versenken konnten. Brainlink oder irgendso´n Mist, ich hab´ mit diesen fuck Implantaten nichts am Hut, die machen nur die grauen Zellen schwammig. Aber die Schläfer lassen sich den Scheiß in die Schädel bohren und dann hakts halt mal aus. Wenn dann wieder so´n Arsch verlustig geht und nicht mehr weiß was oder wer er eist dann heuert man Leute wie mich an, um die einzelnen Stücke der Persönlichkeit in den lichtjahrlangen Glasfaserkabeln rund um den Globus wieder zusammenzuklauben. Ein scheiß Job, ehrlich.
"Hier, dein Kaffee. Und nimm deine Käsefüße vom Tisch. Hast du eigentlich ´ne Ahnung, was so ein LCD kostet."
Kann ja wohl nich´ so viel sein oder, aber ich hievte meine Füße trotzdem runter auf den alten Teppich, es wurde Zeit, dass ich mich selbstständig machte, ich konnte doch nicht ewig für Gunnar arbeiten. Und dann auf der anderen Seite, bei Gunnar hatte ich ein geringes, aber wenigstens ein Auskommen. Außerdem war ich sein bestes Pferd im Stall, die anderen vier Hunter waren Stümper, ich hatte sie längst durch KI-Programme ersetzt.
"Was is´ mit dem Spooky?"
Ich spielte auf dem Touchscreen des Schreibtisches und malte gelangweilt Strichmännchen auf die Arbeitsfläche, verschob meine Aktenordner in den Papierkorb, der die Daten prompt wieder ausspuckte, weil sie irgend so'n Attribut besaßen, das Löschungen verhinderte. Ich war sicher, dass ich das verfluchte Betriebssystem trotzdem eines Tages überlisten würde.
"Interessanter Fall. Municscan hat im Stadtnetz einen Spooky gefunden, du sollst Ursprung und Eigentümer finden."
Wenn's weiter nichts war. Ein verwirrter Geist irgendwo in der Gegend von München. Ich war ja der Meinung, dass man diese Spookys einfach löschen sollte, dem sich in epileptischen Krämpfen windenden Besitzer würde das wahrscheinlich auch nicht mehr allzu viel ausmachen, wenn ihm ein Stückchen seiner versauten Persönlichkeit fehlte. Aber irgendso´n irrer Politiker war auf den Trichter gekommen, dass Persönlichkeitsstrukturen im Netz immer noch Privateigentum des Besitzers waren und diesem zurückgegeben werden mussten, wenn sie selbst nicht nach Hause fanden. Scheiße, damit durfte ich mir jetzt den Rest des Tages um die Ohren hauen.

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