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"Challenger Deep"

von Marcus Haas


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Dann ging es mit 10 Knoten Reisegeschwindigkeit in die Tiefe, nach kurzer Zeit drang kein Licht mehr in meine Tiefe. Ich genoss die Dunkelheit und das Surren der Motoren einen Augenblick, bevor ich die rote Instrumentenbeleuchtung einschaltete und die Scheinwerfer auf niedrigster Stufe glimmen ließ. Es war ja nicht so, dass ich auf den nächsten Kilometern Angst haben musste mit irgend etwas zusammen zu stoßen, aber ich wollte nicht all die bizarren Tiere verpassen, an denen ich auf meinem Sturzflug in die Tiefe vorbeikam. Bis auf ein paar Quallen kam ich allerdings an keinen größeren Organismen vorbei, wahrscheinlich flohen alle anderen Tiere vor dem Lärm dieses in die Tiefe rasenden Ungeheuers.

Nach etwas über einer halben Stunde zeige das Sonar endlich die Kannte des Grabens, ich lag gut in der Zeit und war offensichtlich nicht vom Kurs abgekommen. Von nun an würde ich einfach der Wand des Canyons folgen, bis ich seinen Boden erreichte.

Das gleichmäßige surren der Schrauben begleitete meinen Fug in die eisige Tiefe des Grabens aber zumindest war an der Grenze des Lichtkegels zu meiner rechten die Grabenwand zu erkennen nur noch viereinhalb Kilometer diesen Hang hinunter bis zum tiefsten Punkt der Erde. So langsam setzte sich in meinem Kopf das Bewusstsein durch, dass ich nach über 40 Jahren wirklich der erste Mensch sein würde der diesen Punkt leibhaftig besuchen würde.

Der Abstieg verlief ohne Zwischenfälle in regelmäßigen Abständen überprüfte ich die Instrumente, den CO2-Filter den Sauerstoff und die Batterien, alles lief wie am Schnürchen und der Keramik schien dieser fürchterliche Druck nicht das geringste auszumachen. In den anderen U-Booten hatte es in großen tiefen immer geknirscht und genarrt. Mir lief ein Schauer über den Rücken, als ich daran dachte, dass ein Fenster der Trieste einen Sprung bekommen hatte als sie am Boden angekommen war.

Tiere hatte ich schon ewig nicht mehr gesehen, Schwebteilchen trübten das Wasser und transportierten Nährstoffe in die Tiefe aber ich sah kein Tier, das versucht hätte sich diesen Schatz zunutze zu machen.

Plötzlich tauchte etwas vor mir auf, der Boden. In Gedanken versunken hatte ich die letzten Meter quasi im Blindflug zurückgelegt. Ich drosselte meine Geschwindigkeit auf einen Knoten und schaltete die Videokamera ein. Der Tiefenmesser zeigte 10,9 Kilomeer nur noch Hundert Meter. Der Boden fiel leicht ab und ich folgte der Sandfläche langsam in die Tiefe immer mit angestrengten Augen in das trübe Wasser starrend um keine Spur von Leben zu verpassen.

Es dauerte nochmal eine ganze Stunde, bevor ich die tiefste Stelle der Erde erreichte. Irgendwie hatte ich erwartet etwas besonderes zu entdecken aber Piccard und Walsh hatten offensichtlich vergessen eine Flagge aufzustellen, ich fand noch nicht einmal Spuren des abgeworfenen Bleischrots, das sie abgeworfen hatten um wieder auftauchen zu können, die Sedimente, die ständig hierher hinabsanken hatten alle Spuren verwischt und ich würde heute wohl ein paar Zentimeter weniger tief hinab kommen als die Trieste.

Auf einmal sah ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung. Ich wendete die Barrakuda fast auf der Stelle und sah gerade noch einen Schatten verschwinden. Ich erhöhte die Geschwindigkeit in der Hoffnung den Fisch wiederzufinden, falls es nicht nur eine Sinnestäuschung gewesen war. Ich kreiste zehn oder 15 Minuten aber da war nichts mehr zu sehen, noch nicht einmal Spuren im Sand.

Dann traf mich der Steinschlag, was ich für einen Fisch gehalten hatte war vermutlich nur ein Vorbote gewesen. Ich hätte damit rechnen Müssen. Der Mariannengraben ist geologisch Aktiv, hier schiebt sich die Pazifische unter die Asiatische Platte. Der erste Stein schüttelte mich ordentlich durch, ich gab sofort Gas, um aus der Gefahrenzone zu kommen aber der zweite Treffer verursachte irgendwo einen Kurzschluss, plötzlich war alles dunkel.

Nach einer kurzen Schrecksekunde suchte ich die Taschenlampe hervor und schaute mich um. Eigentlich sollte der Deep Flight II aufgrund seines Auftriebs von selbst zur Oberfläche aufsteigen, auch bei Totalausfall der Elektrik und des Antriebs.

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