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Mühsam quälte er sich wieder auf seine Füße, wankte ein paar Schritte. Vor seinen Augen drehte sich alles. Das ganze verdammte US-Siebziger-Jahre-Kitsch-Motelzimmer. In seinem Kopf feierte jemand eine Techno-Party. Geschwächt ließ er sich gegen die Wand neben dem Fenster fallen. Er lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand und betrachtete den Raum. Nirgends auch nur die Spur eines Lautsprechers zu sehen - außer am altmodisch aussehenden Radio mit analogem Tuning. Wie war er nur in diese gesamte verdammte Scheiße hineingeraten?
"Du willst wissen, wie du in diese ganze verdammte Scheiße hineingeraten bist?"
Zu wem auch immer diese Stimme gehörte: Der Typ schien Gedanken lesen zu können.
"Zieh den Rolladen hoch!"
Irgendwie kam ihm diese männliche Stimme bekannt vor. Geradezu vertraut. Irgendwo hatte er sie schon einmal gehört. Aber wo? Ihm wollte es beim besten Willen nicht einfallen. Vielleicht sein Vater? Seine Brüder? Einer seiner Freunde? Möglich, aber ihre Stimmen würde er erkennen. Nein, es war jemand anderes. Jemand, den er gut kannte - und dann doch wieder nicht so gut. Aber wer?
Er ging in Gedanken nochmals seinen gesamten Freundeskreis durch. Wer könnte auf die Idee kommen, ihm solch einen Streich zu spielen? Katrin natürlich. Sie hatte allen Grund dazu. Aber wem gehörte diese Stimme? Einem von Katrins Freunden? Unmöglich! Der Aufwand war zu groß für einen kleinen Streich.
Mit den Händen tastete er sich an das Band, das zum Rolladen gehörte. Er fing an, ihn hochzuziehen. Und gleichzeitig wurde es im Zimmer heller. Doch was er dann draußen sah, war schier unglaublich. Es war das, womit David am wenigsten gerechnet hatte. Da draußen war...
Nichts. Rein gar nichts. Da war kein Motel. Auch keine Autobahn. Es gab keinen Himmel und keine Sonne, und es war auch nicht dunkel. Das einzige, was er sah, war weiß. Diese weiße Fläche füllte das ganze Fenster aus. Zuerst hatte es David für Nebel gehalten, aber es war kein Nebel. Es war auch kein Rauch. Dazu war es viel zu dicht. Es sah aus wie ein Stück Leinwand, auf der ein Künstler gerade etwas malen wollte. Oder wie ein leeres Blatt Papier, auf das ein Schriftsteller eine Geschichte schreiben wollte. Es war einfach nur ein leeres Blatt. Kein Bild, keine Geschichte. Nichts.
"Ist da eine Mauer?" fragte David staunend.
"Nein", entgegnete die Stimme. "Keine Mauer. Das hier ist der Ort, an dem alle Wege enden. Der Anfang und der Neubeginn aller Kreativität. Die leere Leinwand im Kino oder im Künstleratelier. Das leere Word-Dokument im Computer eines Schriftstellers."
David hatte langsam die Faxen dicke. Er hatte keinen Bock, dieses Spielchen noch länger mitzumachen. Er wollte nur eines: Hier raus!
"So, Schluß mit lustig!" sagte er. "Ihr hattet euren Spaß, und jetzt könnt ihr das Spielchen beenden. Jetzt könnt ihr mich hier rauslassen, wer immer ihr auch seid!"
"Nicht so hastig, David!"
David sank vor dem Fenster in sich zusammen. Um seinen Kopf drehte sich alles. Die Techno-Party in seinem Schädel erreichte ihren Höhepunkt. Ein Brechreiz machte sich in seinem Rachen breit.
"Wo bin ich hier?" fragte er.
"Wie schon gesagt: Du würdest es sowieso nicht verstehen!"
"Auf die Erklärung pfeife ich! Wo ist die versteckte Kamera? Wo ist Katrin?"
"Es gibt keine versteckte Kamera, und Katrin hat dich gestern aus ihrer Wohnung rausgeschmissen! Schon vergessen?"
Katrin, richtig. Die leidige Sache mit Katrin. Damit hatte wohl alles begonnen...
Im Grunde ist der Mann ein treues Wesen - so lange seine Frau oder Freundin oder was auch immer all seine Bedürfnisse erfüllt. Was aber geschieht, wenn der Mann nun plötzlich Appetit auf dicke Titten bekommt, und seine Frau hat etwas, das Karl Lagerfeld als knabenhaften Busen bezeichnen würde? Dann gibt es für den Mann doch nur zwei Möglichkeiten: Entweder er macht einen kleinen Ausflug in den Teil der Stadt, in dem der Liebesakt den Gesetzen der Marktwirtschaft unterworfen ist, oder er kriegt den Sex gratis und betrügt mal eben schnell seine Frau.
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