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SF & Phantastisches


"Die verschwundene Autobahn"

von Matthias Franz


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David griff nach dem Nachttisch. Seine Hände tasteten an der Lampe entlang, suchten nach dem Lichtschalter.
"Erinnerst du dich nicht an gestern abend, David? Die verschwundene Autobahn! Nicht schlecht. Könnte fast ein Filmtitel sein. Was, David?"
Endlich hatte er die Lampe gefunden und knipste sie an. Das Zimmer, in dem er lag, war eine der übelsten Absteigen, die David je gesehen hatte. Eigentlich entsprach es mehr den Motels, die er in alten amerikanischen Spielfilmen im Fernsehen gesehen hatte, als einem richtigen deutschen Hotel. Die Tapeten waren rot-weiß und mit einem Muster versehen, das an Geschmacklosigkeit nicht mehr zu überbieten war. Es erinnerte David ein wenig an die 70er Jahre. Das gleiche galt für den Fernseher, dem die Fernbedienung fehlte und an dem auch nur Knöpfe für acht Kanäle angebracht waren. Das Radio war ebenfalls ein Uralt-Modell mit Analoganzeige. Das Telefon hatte sogar noch eine Wählscheibe! An der Wand hing - der Gipfel der Geschmacklosigkeit - ein Bild, auf dem Hunde Billard spielten und wieder ein anderes, auf dem Hunde pokerten. In der Ecke stand ein kleiner Nierentisch. Darauf eine Topfpflanze. Die Rolläden waren vollkommen runtergelassen, so daß der Raum nur durch das künstliche Nachttischlicht erleuchtet wurde. Das Zimmer verfügte außerdem über zwei Türen. Die eine war geöffnet und führte in ein Badezimmer mit blauen Fliesen. Die andere führte wohl nach draußen, denn sie war mit einem Spion und einer Türkette versehen. Hätte David nicht diese furchtbaren Kopfschmerzen empfunden, er wäre aufgestanden und hätte sich etwas genauer umgesehen. So aber blieb er liegen.
"Also gut, David! Sicherlich fragst du dich, wie du hierher gekommen bist!"
Obwohl David von seinem etwas unbequemen Doppelbett aus das ganze Zimmer überblicken konnte, konnte er doch nirgends den Besitzer dieser Stimme sehen. Sie schien nur in seinem Kopf zu existieren. Wahrscheinlich eine Folge von übermäßigem Alkoholgenuß. Wenn nicht gar...
Dennoch - dies hier war alles so unheimlich... Es konnte einfach nicht real sein. Vielleicht träumte er noch. Einen ziemlich merkwürdigen Traum. Dann fiel ihm mit einem Mal die Geschichte von diesem Joachim Pechstein ein. Er befand sich in diesem Moment doch in einer etwas ähnlichen Situation. Aber nein, das konnte alles nicht real sein. Das war alles so unwirklich. Wo war diese Zeit schon derart stehengeblieben? Und davon abgesehen hatte es in Deutschland ganz sicher niemals ein Hotel gegeben, das so aussah. Auch in den Siebzigern nicht. Davon war David überzeugt.
"Du wirst dich auch fragen, wo ich bin!" fuhr die Stimme fort. "Und vor allem: Wo du bist!"
"Ganz recht!" rief David. "Sag mir endlich, wo ich hier bin."
"Das würdest du sowieso nicht verstehen!" entgegnete die Stimme. "Hast du noch nie etwas von der verschwunden Autobahn gehört?"
"Die verschwundene Autobahn? Du machst wohl Witze!"
"Denk daran, wo die Autobahnen herkommen! Wer die Autobahnen erfunden hat und weshalb er sie erfunden hat! So manch einer hat gesagt, das wäre das einzig gute, was er in seinem Leben getan hätte. Aber sind Autobahnen denn so gut? Tragen sie nicht dazu bei, daß wir in ein paar Jahren alle vor die Hunde gehen werden?"
"Ich will davon nichts hören!"
"Steh auf!"
Die Stimme hatte plötzlich einen befehlenden Ton angenommen, der keinen Widerspruch duldete. David - noch immer schlaftrunken und von Kopfschmerzen geplagt - stand auf. Es war wohl besser, das zu tun, was die Stimme gesagt hatte.
"Nun geh ans Fenster!"
David machte ein paar Schritte in Richtung Fenster und brach dann zusammen. Verdammt! Wenn er nur wüßte, wie er den letzten Abend verbracht hatte! Verschwundene Autobahn! So ein Käse! Irgendjemand spielte ihm da doch einen Streich. Irgendwo waren Lautsprecher versteckt, mit deren Hilfe die Stimme ins Zimmer übertragen wurde. Er war in irgendeinem Fernsehstudio für Versteckte Kamera gelandet, und jetzt würden sich die Leute über ihn lustig machen - über ihn, David Link, der zuviel getrunken hatte.

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