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SF & Phantastisches


"Die verschwundene Autobahn"

von Matthias Franz


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Das Telefon klingelte. Ein lautes, penetrantes Klingeln, das Davids Schlaf durchdrang, ihn bis in seine finstersten Alpträume hinein verfolgte und ihn dann aus dem Schlaf riß, ihn von der düsteren Welt seiner Träume in die finstere Wirklichkeit zurückholte.
Dumpf und mehr in Erinnerungsfetzen als in zusammenhängenden Geschichten sausten seine Alpträume noch durch den Kopf, als er sich langsam an die Umgebung gewöhnte, die - wie er zu seiner Überraschung feststellte - nicht seine gewohnte Umgebung war, sondern vielmehr ein Hotelzimmer. Erinnerungsfetzen vom vergangenen Tag und von den Alpträumen der letzten Nacht überschlugen sich, vermischten sich miteinander zu einem unentwirrbaren Chaos, schlimmer noch als der Film Lost Highway von David Lynch.
Die Autobahn. Die endlos lange Autobahn, die sich in der Dunkelheit verliert. Keine Autos, keine Ortschaften, nichts, das auf eine menschliche Zivilisation hindeutete. Nur eine Autobahn, die durch eine grenzenlose Leere führte. Und er auf dieser Autobahn. In seinem Opel Vectra. Der Tachometer schnellte nach oben. Er floh vor etwas. Oder vor jemandem. Aber wovor?
Katrin. Nur in Unterwäsche bekleidet. "Gibs zu! Du treibst es mit diesem Flittchen!" Vasen gehen zu Bruch. Wie in einem Film voller angestaubter Klischees.
"Nicht, Katrin! Das ist unser Hochzeitsgeschenk!"
"Das ist mir scheißegal! Such dir einen gescheiten Anwalt! Ich will die Scheidung! Und ich will dich in meiner Wohnung nicht mehr sehen!"
Eine glatzköpfige Dämonenfratze, die ihn anschaute. Rote Augen. Keine Wimpern. Der Mund eine gräßliche Höhle voller verfaulender Zähne. Lacht ihn aus. Übelriechender Atem. Verdammt nochmal, in was für einen Alptraum war er hier geraten?
Noch immer klingelte das Telefon. Verdammt hartnäckiger Anrufer! David hätte nach einem derart langen Klingeln schon längst aufgelegt. Aber dieser Anrufer... Es war unheimlich. Beinahe so, als wüßte er, daß David da war. Dabei wußte niemand, wo David diese Nacht abgestiegen war. Noch nicht einmal Katrin. Ja, noch nicht einmal David selbst. Er war einfach nur mit seinem Auto auf die Autobahn gefahren - in Gedanken versunken. Gott sei gelobt, daß er keinen Unfall gebaut hatte. Tja, und nun war er hier aufgewacht. Irgendwo in Deutschland. Oder vielleicht auch schon auf der anderen Seite irgendeiner dieser beschissenen Grenzen, die diese beschissene kleine Republik umgaben.
David griff sich an den Schädel. Dröhnende Kopfschmerzen. Scheiße! Was hatte er letzte Nacht nur getan? War er wirklich die ganze Zeit auf dieser Autobahn im Nirgendwo gefahren, verfolgt von einem dunklen Schatten, einem geheimnisvollen Wesen aus einer anderen Welt? Hatte beinahe wie ein Gargoyle ausgesehen. Im Deutschen wurde das Wort Gargoyles immer mit Wasserspeier übersetzt. Aber Gargoyles konnten mehr als nur Wasser spucken. Oh, ja.
Die Kopfschmerzen wurden schier unerträglich. Am liebsten wäre David nochmals eingeschlafen, wäre nicht dieses verfluchte Telefongeklingel gewesen. Genervt nahm er den Hörer ab.
"Ja?" murmelte er stöhnend.
Am anderen Ende der Leitung ein Kichern.
"Hören Sie!" schrie David durch das Telefon. "Sie wollen mich wohl zum Narren halten! Aber ich warne Sie: Da sind Sie bei mir an der falschen Adresse!"
"David, David!" Die Stimme am anderen Ende der Leitung klang beinahe besorgt. "Du solltest dich an den Pakt erinnern, den wir beide geschlossen haben."
"Ich kann mich nicht erinnern, mit irgendjemanden einen Pakt geschlossen zu haben!" murrte David. "Und Sie lassen mich besser in Ruhe. Oder ich rufe die Polizei!"
"Aber David, die Polizei kann dir auch nicht weiterhelfen! Das ist einzig und allein eine Sache zwischen uns beiden!"
"Hören Sie gefälligst auf, mich zu duzen!" Mit diesen Worten hängte er den Hörer ein. Er wollte sich gerade zurück in sein Bett legen, als plötzlich das Kichern ertönte, das er auch durch den Telefonhörer gehört hatte. Es war eindeutig das selbe Kichern, verursacht durch die selbe Person.
"David, David! Glaubst du ernsthaft, du könntest mir entkommen, bloß weil du den dämlichen Telefonhörer aufgelegt hast?"

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