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Buffy


"Spiegelungen in Hell und Dunkel"

von Martina Bernsdorf

Kapitel 8

"Die Fäden laufen zusammen"

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"Ich habe ihm einen Dienst erwiesen, den mir leider niemand erwiesen hat." Die Stimme aus dem Dunkel veranlaßte Giles dazu, verblüfft nach Luft zu ringen. Er kannte sie sehr gut. Nur der Tonfall darin, endlose Traurigkeit gemischt mit einer Gier, die ihm einen kalten Schauer über den Rücken trieb, war ihm unbekannt.
"Bu..", Giles stockte. "Buffy?"
Aus der Dunkelheit trat eine schmale Gestalt, sie trug grüne Militärhosen und ein ärmelloses T-Shirt in der gleichen Tarnfarbe. Die Buffy, die Giles kannte, war nie so trist oder so militärisch gekleidet gewesen. Ihr blondes Haar war achtlos zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden, doch einige Haarsträhnen hatten sich gelöst und hingen ihr wirr ins Gesicht. Eine Narbe zog sich über ihre rechte Oberlippe bis zur Mitte ihrer Unterlippe. Die Buffy dieser Welt schien in vieler Hinsicht nicht das Glück ihrer Doppelgängerin besessen zu haben. Sie war nicht in Sunnydale gewesen, aber das Leben, wo immer sie es auch geführt hatte, schien noch härter und brutaler mit ihr umgegangen zu sein. Vielleicht lag es daran, daß sie in dieser Welt nicht die Freunde gehabt hatte, die sie in der anderen Welt besaß.
Doch Giles´ Betrachtungen gerieten ins Wanken, als er die Gier in ihrem Gesicht sah, als er sah, wie es in ihren Augen wetterleuchtete, sich ihre Finger bogen, so als wollten sie ihn greifen.
"Du...du hast mich..", Giles stockte erneut und deutete auf sein Ebenbild. "Du hast ihn getötet?"
Buffy nickte mit einem traurigen Blick auf die Leiche. "Ja, in zweifacher Hinsicht. Ich habe ihn ausgesaugt und dann zumindest dafür gesorgt, daß wir nicht bald zu zweit hier nach Blut lechzen, an der Tür kratzen und den Schmerz des Hungers durchleiden. Die gleiche Gnade werde ich Ihnen zollen, Giles."
Giles wich bis zur Wand zurück. "Was ist geschehen?"
Buffy schüttelte leicht den Kopf. "Ich hätte auf ihn hören sollen." Wieder galt ihre Geste dem stummen Toten auf dem Boden, in dessen Gesicht soviel unsagbare Qual lag.
"Er wollte nicht, daß ich mich allein dem Meister stelle. Er wäre kein schlechter Wächter gewesen, glaube ich." Es schien ihr schwerzufallen, ihre Gedanken zu ordnen, der Hunger stand ihr ins Gesicht geschrieben.
"Ich habe verloren." Sie lächelte wehmütig und entblößte dabei ihre bereits gewachsenen Vampirzähne, ohne sich jedoch völlig zu verwandeln.
"Der Meister hat mir das Genick gebrochen, doch statt mich einfach sterben zu lassen, hat er mich ausgesaugt. Ich konnte mich nicht bewegen, und er hat es genossen, über mich herfallen zu können, ohne daß ich auch nur eine Chance hatte, mich zu wehren. Ich hatte auch keine Wahl, als sein verseuchtes Blut zu trinken, das er in meinen Mund tropfen ließ."
Buffy hob die Hände in einer unbestimmten Geste. "Die Selbstheilungskräfte eines Vampirs sind enorm. Mein gebrochenes Genick ist innerhalb von Tagen geheilt, die zerfetzten Muskeln, Sehnen und Blutgefäße brauchten nicht einmal so lange."
Sie schüttelte leicht den Kopf, so als bedaure sie das alles zutiefst. "Die Rache des Meisters geht über den Tod hinaus." Sie lachte leise, und es war der hoffnungsloseste Laut, den Giles je gehört hatte.
"Er hat mich hier eingesperrt, und er läßt mich hungern." Sie deutete auf Giles´ stilles Ebenbild. "Er war mein erstes Opfer, seit ich hier bin, und niemand kann auch nur ahnen, welche Qualen wir Vampire durchstehen müssen, wenn wir nicht genügend Blut trinken. Dieser Hunger ist unbeschreiblich, und ich fürchte, man kann ihm nicht widerstehen."

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