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Buffy


"Spiegelungen in Hell und Dunkel"

von Martina Bernsdorf

Kapitel 4

"Die Macht des Blutes"

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Willow fühlte sich schwach, die Auferstehung hatte wohl alles an Blut verschlungen, das ihr Spiegelbild für sie vergossen hatte. Der Hunger in ihr war so stark, daß sie Mühe hatte, nicht auf die Knie zu sinken. Sie durfte aber keine Schwäche zeigen, weder vor dem Meister noch vor dieser Frau, die so eindeutig nach der Macht strebte.
Dies war der Eröffnungszug eines Kampfes, dies war Willow durchaus bewußt. Drusilla hatte ihren ersten Zug gemacht, und nun würde sich zeigen, welche Art Figur der Meister in diesem Spiel würde spielen wollen.
"Sie ist mein Blut." Willow blickte den Meister an, in ihren Augen loderten dunkle Gefühle, die den Meister faszinierten. Soviel Leidenschaft war in seinem wiederauferstandenen Geschöpf. Er kostete diese Aufwallung der Gefühle in seiner unmittelbaren Nähe, trank sie mit höchstem Genuß.
Der Haß und die Wut von Drusilla waren eine weitere Köstlichkeit, die sich den Sinnen des Meisters boten.
"Sie ist zweifellos von Willows Blut." Er stellte dies in den Raum, ohne damit eindeutige Stellung zu beziehen.
"Sie gehört zu mir." Willow fauchte in Drusillas Richtung und fragte sich gleichzeitig, ob sie momentan überhaupt in der Lage war zu kämpfen. Die dunkelhaarige Vampirin schien bereit, sie jeden Moment anzuspringen, und Willow wußte nicht, wie dieser Kampf ausgehen würde. Selbst im Vollbesitz ihrer Kräfte würde sie in Drusilla eine Gegnerin haben, die ihr zumindest ebenbürtig war. Sie konnte den Wahnsinn an ihr riechen, aber auch ihr Alter. Sie war vielleicht nicht von so einem mächtigen Vampir erschaffen worden wie sie selbst, dafür aber hatte Drusilla selbst schon eine Wanderschaft durch Jahrhunderte hinter sich. Sie hatte mehr Erfahrung und war ihr vielleicht im Kampf überlegen.
Dennoch würde Willow es darauf ankommen lassen. Sie würde ihr Ebenbild nicht dieser Frau überlassen. Sie zweifelte nicht daran, daß Drusilla Willow zu einem Vampir machen würde, um sie im kommenden Kampf dann gegen sie zu benützen.
"Meister!" Drusilla drängte sich zwischen Willow und den Meister. "Sie gehört mir. Ich habe sie aus der anderen Welt geholt. Ich verdiene sie, Ihr schuldet sie mir!"
Ein grausames Lächeln umzuckte Willows Lippen. Sie hatte doch einen Vorteil gegenüber der älteren Vampirin. Sie kannte den Meister, Drusilla offenbar nicht.
Der Hieb des Meisters schleuderte Drusilla in den Staub. "Ich bin der Meister. Ich bin der Gebieter über deine Existenz! Ich schulde dir nichts, und du schuldest mir alles, Drusilla, vergiß dies nie!"
Der Meister registrierte das Lächeln von Willow, sie wußte, daß er diese Reaktion zeigen würde. Sie wußte, daß er vor seinen Vampirwachen ein derartiges Gebaren nicht zulassen konnte, und dadurch war er nun doch in die Position geraten, eine Entscheidung treffen zu müssen. Eigentlich hätte er gerne gesehen, wie Willow mit Drusilla kämpfte, wie sie sich um dieses menschliche Wesen rissen wie zwei Hunde um einen Knochen.
"Sie gehört ohnehin zu dir, mein Kind. Dann nimm sie dir." In der Stimme des Meisters war deutlich seine Mißstimmung zu erkennen. Er klang kaum noch menschlich, und das verriet seinen Zorn.
Willow verengte die Augen. Sie wußte nun also auch genau, wo der Meister stand. Sie war nicht länger seine erwählte Nachfolgerin. Er wollte den Konflikt zwischen Drusilla und ihr, er wollte den Kampf, und wer auch immer ihn gewinnen würde, würde an seiner Seite herrschen, bis er bereit war, den endgültigen Tod zu sterben. Oder bis sie sich so stark fühlte, den Kampf mit ihm zu wagen. Willow war bewußt, daß es dem Meister gleich war, ob dies nun sie sein würde oder Drusilla.

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