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"Ich glaube, das reicht." Milo klemmte den Schlauch ab und entfernte zuerst bei der bewußtlosen jungen Frau die Kanüle in der Armbeuge und dann, weitaus vorsichtiger und mit mehr Abstand, die bei der Vampirin.
Willow tauchte aus ihren Gedanken auf und blickte auf ihre Armvene, das kleine Loch darin schloß sich bereits wieder. Sie hatte Hunger.
Mit einem leisen Knurren sprang sie den Mediziner an, drängte ihn bis zur Wand zurück und hieb ihre Vampirzähne in seine Kehle.
"Aber...du hast versprochen..." Milo fühlte, wie sein Widerstand schmolz, es war ein seltsames Gefühl, das sich seiner bemächtigte. Ein nicht unangenehmes Gefühl. Er begriff nun, warum sich die Menschen nicht mehr wehrten, wenn der Vampir sie erst einmal gebissen hatte. Es fühlte sich gut an, es war sogar ein sehr erotisches Gefühl. Das Dumme war nur, daß man hinterher starb.
Milos Turnschuhe quietschten auf dem Boden, als er erfolglos versuchte, weiter zurückzuweichen.
"Nein, tu es nicht." Die leisen Worte waren kaum hörbar in dem Zimmer, und doch veranlaßten sie Willow, etwas zu tun, das sie als Vampirin noch nie getan hatte. Sie ließ von ihrem Opfer ab, ehe es ausgesaugt war. Milo rutschte an der Wand entlang zu Boden und hielt sich fassungslos den Hals. Er konnte nicht begreifen, daß er noch immer lebte, und ein kleiner Teil von ihm wünschte sich fast, daß die Vampirin ihn weiter aussaugte.
Willow eilte zu ihrem Ebenbild, das scheinbar im Schlaf gesprochen hatte. Zumindest war die junge Frau nicht mehr so blaß, und es schien nunmehr auch ein Schlaf zu sein, in dem sie sich befand, und nicht eine Bewußtlosigkeit, die nahe am Tod war.
Hatte sie nur einen Alptraum? Oder hatte sie irgendwie gefühlt, daß Willow den Mann töten wollte? Kannte sie das Versprechen, das sie gegeben hatte und das sie ohne Zögern brechen wollte? Doch was war schon ein Versprechen gegenüber einem Schlachtvieh?
Willow blickte zu dem jungen Mediziner. Er versuchte gerade auf die Beine zu kommen. Nie hatte sie einen Menschen laufenlassen. Sie hatte nie von einem Opfer abgelassen, ehe es tot war. Sie hatte nie Gnade gezeigt. Und dennoch war ihre Lust daran, den Mann zu töten, vergangen. Sie war gesättigt, und es erschien ihr sinnlos, ihn nur zum Spaß zu töten. Dieser Gedanke war allerdings sehr beunruhigend, sie hatte immer, seit ihrer Existenz als Vampir, Spaß am Tod der Menschen gefunden. Was hatte sich jetzt verändert?
"Hau ab, ehe ich es mir anders überlege." Sie zeigte ihm noch einmal ihre blutverschmierten Vampirzähne. Das war alles, was Milo noch als Ansporn brauchte. Er kam taumelnd auf die Beine und rannte.
Willow streichelte über die Wange ihres Spiegelbildes. Deren zunehmend unruhiger Schlaf schien sich unter diesem Streicheln wieder zu beruhigen. Die Vampirin zog grüblerisch die Augenbrauen zusammen. Was tat dieses menschliche Wesen nur mit ihr?
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