Fan Fiction


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Buffy


"Spiegelungen in Hell und Dunkel"

von Martina Bernsdorf

Kapitel 4

"Die Macht des Blutes"

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Sie erhob sich aus der Asche, neugeboren und gekleidet in Blut. Sie legte den Kopf in den Nacken und öffnete die Arme in stummer Ekstase. Sie war wieder zurück. Erst dann öffnete Willow ihre Augen. Die dunkle Welt hieß sie willkommen, und die apokalyptischen Augenblicke vor ihrem zweiten Tod, dem Tod der Vampirin Willow, drängten sich in ihr Bewußtsein.

Sie war zu Asche zerfallen.

Ihr Blick huschte unstet umher, sie nahm den Meister wahr, in dessen roten Augen ein Ausdruck von Faszination lag. Neben ihm stand eine ihr unbekannte Vampirin, deren dunkle Augen von Irrsinn und Verderbnis kündeten und von einem unbändigen Haß auf sie.
Willow knurrte leise in der Kehle, sie fühlte, wie ihre Fangzähne wuchsen und sie sich unwillkürlich in ihr dämonisches Ich verwandelte. Hier stand eine Rivalin, deren Gefährlichkeit außer Frage stand. Sie stand an der rechten Seite des Meisters, so als sei dies ihr angestammter Platz, und ihr war bewußt, daß sie gegen dieses Wesen früher oder später würde kämpfen müssen.
Hunger peinigte ihre Existenz.
Der alles durchdringende Geruch nach frischem Blut betörte ihre Sinne. Sie drehte sich zu der Quelle dieses süßen Geruchs um und erstarrte. Kopfüber von der Decke, gehalten von einer Kette, hing ihr Ebenbild aus der Welt, in die sie verschlagen worden war, kurz vor ihrem zweiten Tod.
Aus einem Schnitt in ihrer Kehle quoll noch immer ein wenig Blut, das neben Willow zu Boden tropfte. All ihre Sinne schrien danach, das Blut nicht zu vergeuden, sich auf ihre Doppelgängerin zu stürzen und ihr das restliche Blut auszusaugen. Sie wollte den nagenden Dämon des Hungers in ihrem Blut stillen, den Schmerz, der über das hinausging, was eine menschliche Existenz von Schmerz wußte. Sie mußte trinken.
Es kostete Willow alles an Kraft und Willen, nicht über ihr Ebenbild herzufallen. Willow hatte schon lange das Bewußtsein verloren, und die Blässe ihres Gesichts wies darauf hin, daß sie sehr viel von ihrem Blut verloren hatte. Die Vampirin Willow wußte unwillkürlich, daß dies alles etwas mit ihrer eigenen Auferstehung zu tun hatte.
Mit einem weiteren Knurren trat sie zu einen der Wächter und riß ein Stück seines Hemdes von seinem Leib. Die Vampirin verband die Wunde ihres Spiegelbildes. Sie zitterte, als sie so nahe an der blutenden Wunde war, so nahe, daß der Geruch des Blutes ihre Sinne fast betäubte, daß sie kaum noch ihre Gier beherrschen konnte. Sie biß sich mit ihren Vampirhauern selbst auf die Lippe, nützte diesen vergleichsweise schwachen Schmerz gegen den Schmerz des Hungers, der sie fast die Beherrschung verlieren ließ.
Sie wußte gar nicht, warum sie dies tat. Warum sie nicht einfach Willow vollends aussaugte und es damit beruhen ließ. Warum wollte sie unbedingt, daß ihre Doppelgängerin lebte?
Sie fühlte den Blick des Meisters, ihr Verhalten schien ihn zu irritieren oder zumindest zu verwundern, beides wohl Gefühle von Genuß für ihn.
"Willkommen zurück, mein Kind." Der Meister streckte die Hand aus, und Willow schritt zu ihm, senkte den Kopf und ließ zu, daß er über ihr Haar strich.
"Ich habe keine Mühe gescheut, um dich zurückzuholen, Willow, damit du weiter mein kaltes Herz erfreuen kannst."
"Dafür danke ich Euch, Meister." Sie hob den gesenkten Kopf wieder und blickte zurück zu der Stelle, an der Willow hing. Tot oder dem Tode zumindest sehr nahe.
"Ich will sie haben." Willow verschleierte ihre Worte nicht einmal unter dem Deckmantel einer Bitte.
"Nein, sie gehört mir!" Drusilla bleckte die Fangzähne. "Ich habe sie aus der anderen Welt geholt!"

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