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Doch nun war der Tod sehr nah.
Sie konnte ihn fühlen.
Sie konnte ihn riechen.
Und sie konnte ihn hören.
Seine Stiefel scharrten über den Boden, auf dem sich Staub und Asche befand. Hier und da lagen menschliche Gebeine herum, achtlos verstreut.
Willow drehte sich so weit in ihren Fesseln, daß sie den Mann sehen konnte, der sich ihr näherte. Das Wesen, das sich als Mann verkleidet hatte, um genauer zu sein.
Es schritt von seinem Thron herab, der mit Knochen und Schädeln geschmückt war. Seine Bewegungen waren voller Kraft und Geschmeidigkeit. Das Licht der Fackeln ließ Schatten über ihn huschen, er trug die Dunkelheit fast wie einen Mantel um seine Schultern, und nur seine roten Augen leuchteten aus dieser Finsternis hervor.
Der Meister war erfreut. Drusilla hatte sich als würdige Schülerin erwiesen. Vielleicht war sie wirklich eine Herausforderung, vielleicht war sie sogar stärker als sein Geschöpf. Anderseits war sie auch mit einem Pflock in ihrer Schulter aus der anderen Welt zurückgekehrt, der bewies, wie nahe sie dem endgültigen Tod gewesen war. Ganz zu schweigen davon, daß von den drei Vampiren, die er mitgeschickt hatte und die zu den Besten seiner Leibgarde gezählt hatten, keiner zurückgekehrt war.
Er betrachtete die junge Frau, die mit dem Kopf nach unten von der Decke hing. Ihre Arme waren auf den Rücken gefesselt, und sie starrte ihn mit einer aufregenden Mischung aus Entsetzen und Furcht an.
Er seufzte, als er sich daran erinnerte, diesen Blick schon einmal gesehen zu haben. Damals, als er Willow gefangen hatte. So hatte sie ihn angeschaut, kurz bevor er seine Hauer in ihre Kehle versenkt hatte.
Ein wohliges Schaudern durchlief ihn, als er die Erinnerung daran genauso trank wie damals ihr Blut.
Vielleicht sollte er sie sich nehmen, sie aussaugen und zur Vampirin machen. Es mochte interessant sein, diese Unschuld, die dieses Mädchen aus allen Poren auszuströmen schien, zu verderben. Sich noch einmal daran erfreuen, sie die Dunkelheit zu lehren, sie in die Finsternis zu zerren, ihr den dunkelsten Kuß zu geben und ihre Seele zu einem Hort des Bösen zu machen.
Doch das würde bedeuten, noch einmal von vorne zu beginnen, all die köstliche Bosheit, die sie im Lauf der drei Jahre gelernt hatte, seit er sie zu der Seinen gemacht hatte, wären dahin. Es dauerte, den Keim des Bösen, den Keim der Gewalt und des Sadismus zu wecken, man mußte ihn hegen und pflegen, und dazu fehlte ihm die Zeit.
Drusilla war zu stark, um sie in der Nähe einer neuerschaffenen Vampirin zu lassen, die einmal seine Nachfolgerin werden sollte.
Die Willow, die er vor Jahren gebissen hatte, war der Vampirin eine ebenbürtige Gegnerin, und zudem vermißte er die Grausamkeit, die er sein Geschöpf gelehrt hatte, bis jenes sogar begann, ihn mit seinen Taten zu verblüffen und zu erfreuen.
Willow starrte in die grausamen roten Augen, die tief in kränklich weißem Fleisch lagen. Seine Lippen waren gerötet und vermochten kaum die spitzen Zähne zu bedecken, die sich darunter verbargen. Er roch wie verfaultes Fleisch, wie alter Staub und Moder. Vor allem aber dünstete er eine Bosheit aus, die sie erschauern ließ.
Der Meister.
Sie verstand nun, warum Buffy einst fast von ihm besiegt worden war. Die Jägerin war eigentlich schon tot gewesen, als Xander sie zurück ins Leben holte. Sie war vom Meister besiegt worden, hatte aber ihre Furcht überwunden und das Trauma des Todes, um den Obervampir schließlich zu bezwingen.
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