Fan Fiction


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Buffy


"Spiegelungen in Hell und Dunkel"

von Martina Bernsdorf

Kapitel 3

"Die Auferstehung"

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Sie trieb in einem See der Stille.
Sie trieb in der aufgewühlten See, Sturm umtoste sie.
Erinnerungen drifteten an ihr vorbei, schemenhaft und unbeständig wie Nebel. Nicht zu erfassen und nicht zu greifen.
Erinnerungen trafen sie wie Hiebe, schüttelten sie, peinigten sie, drängten sich in sie, griffen nach ihr und vergewaltigten ihren Geist.
Sie fühlte sich geborgen, auch wenn ein Teil von ihr wußte, daß sie in Gefahr war.
Sie fühlte sich wie im Zentrum der Hölle. Alles riß an ihr, alles zerrte an ihr, versuchte sie zu verdammen.
Sie mußte erwachen.
Sie mußte erwachen.
Ein Teil von ihr hatte Angst vor diesem Erwachen, hatte Angst, daß die Welt, in die sie blicken würde, nicht die war, die sie verlassen hatte, als die Dunkelheit über sie gekommen war.
Ein Teil von ihr hatte Angst vor diesem Erwachen, wußte, daß jemand in dieser Welt fehlen würde, der für sie von essentieller Bedeutung war.
Sie wußte, daß sie allein sein würde, wenn sie erwachte, und deshalb sträubte sich ihr Unterbewußtsein dagegen, aus dem stillen See aufzutauchen.
Sie wußte, daß jemand fehlen würde, wenn sie erwachte. Jemand, der unersetzbar für sie war, jemand, den sie liebte, den sie brauchte. Sie wollte nicht erwachen, um sich ihrem Versagen stellen zu müssen.
Doch es würde nichts nützen, sich in ihren stillen See zurückzuziehen, sie mußte erwachen.
Doch sie würde es nicht ertragen, sich weiter in diesem Meer der Schuld und des Schmerzes aufzuhalten.
Sie hörte eine Stimme, eine Stimme, die aus der wachen Welt sprach, sanft und beängstigend zugleich.
Sie hörte eine Stimme, eine Stimme, die aus der wachen Welt nach ihr rief, sanft und so sehr vermißt.
"Wach auf, kleine Willow."
"Buffy, wach bitte auf."
Willow schlug ihre Augen auf und blickte in eine Welt, die aus gelben Raubtieraugen bestand und einem blutroten Mund, um den ein Lächeln spielte.
Buffy schlug die Augen auf und blickte in eine Welt, in der Angel sie ansah. Eine so intensive Mischung aus Schmerz und Sorge um sie war in seinen Augen, daß sie sich unwillkürlich wünschte, sie könne diesen Ausdruck vertreiben.

*    *    *

Willow schrie leise auf, als sie Drusilla erkannte. Ihr war schwindlig, sie fühlte sich benommen, und irgendwie schien die Welt kopfzustehen. Noch während sie über dieses merkwürdige Phänomen nachdachte, wurde ihr bewußt, daß die Welt wirklich kopfstand. Ihr Schädel dröhnte mörderisch, und der Umstand, daß sie mit dem Kopf nach unten hing, verstärkte diesen Druck noch.
Mit einiger Anstrengung schaffte es Willow, so weit an sich entlangzuschielen, daß sie die Kette sehen konnte, die um ihre Fußknöchel geschlungen war und sie so, einem Schlachtvieh gleich, mit dem Kopf nach unten von der hohen Decke der Gruft hängen ließ.
Nur daß dies nicht die Gruft war, die sie kannte. Auf beängstigende Weise glich sie ihr, aber sie war viel größer, eher einer Kathedrale gleich.
Sie zuckte zusammen, als Drusillas kalte Hand durch ihr Haar strich und dann ihre Wange liebkoste. Sie versuchte sich dieser Hand zu entziehen, brachte damit ihren Körper zum Schwingen, und eine Welle von Übelkeit ließ sie gepeinigt aufstöhnen.
Drusillas Hand hielt die Schaukelbewegung auf, in die sich Willow unabsichtlich selbst gebracht hatte.
"Schade, daß du so verschwendet werden sollst." Drusillas Stimme hauchte in Willows Ohr. Diese zuckte zusammen, als die Zunge der Vampirin über ihre Ohrmuschel glitt.
"Ich bin äußerst zufrieden mit dir, Drusilla." Die Stimme klang sanft, aber es war ein Klang in ihr, der Willows Blut in Eis zu verwandeln schien. Es war etwas zutiefest Unmenschliches in dieser Stimme. Es war, als hätte sich etwas Entsetzliches, Widerwärtiges in die Hülle eines Menschen gezwängt und verspottete nun dessen Sprache und Menschlichkeit. Das Wesen, das gesprochen hatte, war auf jeden Fall weit davon entfernt, menschlich zu sein.
In all der Zeit, die Willow nun schon an Buffys Seite gekämpft hatte, hatte sie so oft dem Tod in die Augen gesehen, und doch war es am Ende immer gut ausgegangen. Zumindest fast immer. Ihre Verluste waren gering im Hinblick auf die vielen Kämpfe, und Willow hatte sich nie ernsthaft damit auseinandergesetzt, daß sie sterben könnte. Der Tod war zu abstrakt, als daß sie mehr darüber nachgedacht hätte als jede andere gesunde junge Frau ihres Alters. Für sie mit ihren siebzehn Jahren war der Tod zwar etwas, von dem man wußte, daß er einen irgendwann ereilen würde. Allerdings am Ende ihres Lebens, irgendwann als alte Oma, weit, weit entfernt von der Gegenwart.

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