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Buffy


"Spiegelungen in Hell und Dunkel"

von Martina Bernsdorf

Kapitel 2

"In einer anderen Welt"

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"Er wollte dich nur schützen." Willow wußte, daß dies nur ein schwacher Trost war. In ihren Ohren klang noch immer die Rede des Bürgermeisters. Seine grausame Entlarvung von Buffys und Angels Beziehung. Sie würde in seinen Armen nie das wahre Glück erleben können, sie würde auf so vieles verzichten. Und während er jung blieb, würde sie altern und schließlich sterben - ohne all das gehabt zu haben, was normalerweise zu einem Leben gehört. Liebe, die man auch leben konnte. Einen Menschen, mit dem man im Sonnenlicht spazieren konnte, ein ganz normales Leben.
Willow verachtete den Bürgermeister zutiefst und wünschte, daß er möglichst für alle Zeiten in der Hölle schmorte, aber das Schlimmste an seiner Rede war gewesen, daß er recht hatte.
Es gab kein Glück für Buffy und Angel. Sie waren verdammt, einander zu lieben, ohne diese Liebe je leben zu können.
Buffy war bereit gewesen, dies in Kauf zu nehmen, Angel war es nicht gewesen. Willow wußte, wie schwer ihm diese Entscheidung gefallen sein mußte. Einerseits verstand sie ihn, andererseits teilte sie die Empörung ihrer Freundin. Er hatte einfach für sie beide entschieden.
"Ich weiß, daß er mich nur schützen wollte." Buffy ballte die Fäuste. "Doch das macht es nicht einfacher."
Willow nickte und legte ihrer Freundin leicht den Arm um die Schulter. "Nein."
Sie überlegte, was sie noch sagen sollte, irgend etwas Schlaues, Weises. Immerhin war sie doch das Superhirn der Sunnydale High! Doch sie fühlte sich nur hoffnungslos überfordert, ihre Freundin zu trösten.
Ehe Willow dazu kam, irgendwas zu stammeln, das auch aus einem schlechten Liebesroman hätte stammen können, bewegte sich das Erdreich an einem Grab, ein paar Reihen vor ihnen. Finger wühlten sich durch die Erde, kämpften sich hoch in das fahle Licht des Mondes.
Buffy zuckte die Schultern. "Sieht so aus, als sei unser kleines Gespräch über Liebeskummer damit beendet, die Arbeit ruft." Sie klatschte leicht in die Hände und schenkte Willow ein aufmunterndes, wenn auch melancholisches Lächeln.
Willow zog aus ihrer Jacke einen Pflock und reichte ihn Buffy. "Viel Spaß."
Inzwischen hatte sich der Vampir aus seinem Grab befreit. Er schüttelte sich, und lose Erdbrocken fielen von ihm ab. Ein Zischen entrang sich seiner Kehle, und er schnüffelte in den Wind, wie ein Hund, der versuchte, den Standort eines verlockenden Gerichts festzustellen.
"Hier ist das, was du suchst." Buffy trat in das Blickfeld des Vampirs. Ihr bedrückter Gesichtsausdruck war nun dem der Konzentration gewichen, sogar eine Spur von Verwegenheit war in ihren feinen Gesichtszügen wahrzunehmen. Faith hatte immer behauptet, daß Buffy genauso sehr wie sie selbst die Jagd genoß, daß sie es genoß, Vampire zu vernichten. Manchmal, in den dunklen Stunden zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang, wenn die Nacht scheinbar nie enden wollte, fragte sich Buffy regelmäßig, ob Faith recht gehabt hatte.
Faith war in vieler Hinsicht das Ende der Unschuld für Buffy gewesen.
Die andere Jägerin hatte die dunklen Seiten in Buffy entlarvt, hatte sie ihr nur allzu gern vorgeführt und sich in vieler Hinsicht als ihr dunkles Spiegelbild aufgeführt. Schließlich war Buffy sogar bereit gewesen, Faith zu töten, um Angel zu retten. In dem Moment, in dem sie Faith das Messer in den Körper gestoßen hatte, hatte sie die letzten Reste ihrer Unschuld verloren. Sie war bereit gewesen, ein Menschenleben zu vernichten, und an dieser Erkenntnis hatte Buffy nicht weniger schwer zu tragen als daran, daß Angel sie verlassen hatte.
Aber all diese quälenden Gedanken wichen nun zurück. Nun war sie eins mit sich und der Kraft in ihr. Sie war die Jägerin, und das Wesen vor ihr, das mit geifernden Vampirhauern nach Blut trachtete, war die Beute. Sie stand zwischen dem Licht und der Dunkelheit in Sunnydale. Und der Bursche vor ihr gehörte auf jeden Fall in die Liga der Dunkelheit.
"Hast du noch nie davon gehört, daß es unhöflich ist, zwei Frauen beim Tratschen zu stören?" Buffy wich der plumpen Attacke des Vampirs aus. Sie ließ ihn mit einer raschen Körperdrehung einfach an sich vorbeirennen.

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