Fan Fiction


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Buffy


"Spiegelungen in Hell und Dunkel"

von Martina Bernsdorf

Kapitel 2

"In einer anderen Welt"

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Dünne Nebelschlieren strichen über den Friedhof, bleich wie Totenfinger griffen sie scheinbar nach den Lebenden. Ein kleiner Kiesel wurde von einem modernen Stiefel mitten in die Nebelschlieren gekickt und löste sie in chaotische Kringel auf.
"Vielleicht solltest du mir erzählen, was dich bedrückt?" Willow beobachtete, wie Buffy nach einer weiteren lohnenden Beute für ihren Stiefel Ausschau hielt, um diese in die Dunkelheit zu treten.
Im Grunde wußte Willow nur zu gut, was ihre Freundin bedrückte. Das Leben als Vampirjägerin war schon hart genug, noch schlimmer war es, wenn diese an Liebeskummer litt.
Buffy seufzte leise und schwang sich auf einen breiten Grabstein, sie ließ die Füße baumeln und sah Willow aus traurigen graublauen Augen an. Augen, die schon soviel gesehen hatten, mehr, als es ihrem Alterzustand, mehr, als es einem Menschen zustand.
"Angel." Willow brachte all den Kummer in Buffys Augen mit diesem einzigen Wort auf den Punkt. Sie trat zu Buffy und setzte sich neben sie auf den Grabstein. Ein kleiner, ironischer Teil von Willow Rosenberg fragte sich, ob sie sich je auf einen Grabstein gesetzt hätte, um über Liebeskümmernisse zu sprechen, wenn sie Buffy Summers nie kennengelernt hätte.
Buffy zuckte mit den Schultern und seufzte erneut, ein Ton, der ihre ganze schlanke Gestalt zu erschüttern schien. "Angel", bestätigte sie.
Willow schwieg eine Weile, sie hoffte, Buffy würde von sich aus anfangen zu reden, aber ein verschlossener Ausdruck lag in dem Gesicht ihrer Freundin, den sie inzwischen nur zu gut kannte.
In wenigen Wochen würde für sie ein neuer Lebensabschnitt beginnen, das College, und alles schien sich in diesen wenigen Wochen verändert zu haben.
Es war eigentlich ein Wunder, daß sie überhaupt noch lebten. Sie hatten den Aufstieg des Bürgermeisters zum Dämon überlebt, Buffy hatte ihn besiegt und in die Hölle zurückgeschickt, aber dennoch war ihnen nicht zum Feiern zumute.
Alles änderte sich, alles brach auseinander.
Sie würden bald an einer neuen Schule anfangen zu studieren, ihre alten Freunde blieben teilweise zurück oder zogen sogar fort. Giles würde nicht länger ihr Lehrer sein, seine Bibliothek nicht mehr allzeit erreichbarer Unterschlupf und Hauptquartier.
Willow hätte es nie für möglich gehalten, aber sie vermißte sogar Cordelia, die nach Los Angeles gezogen war, um dort ihr Glück zu suchen. Die Geißel ihrer frühen Jahre an der High School war ihr doch, in den Jahren des gemeinsamen Kampfes gegen die Vampire, irgendwie ans Herz gewachsen.
Und Angel war gegangen.
Willow seufzte leise. Die Romantikerin in ihr hatte sich so sehr ein Happy End zwischen Buffy und dem Vampir gewünscht. Eigentlich war diese Beziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen, aber sie hatte das nie wahrhaben wollen, ebensowenig wie Buffy. Sie hatte ihrer Freundin gewünscht, daß sie in Angels Armen ihr Glück fand. Es war so ungerecht, das Schicksal verlangte soviel von Buffy, es wäre nur fair gewesen, wenn sie eine kleine Belohnung bekommen hätte.
"Du vermißt ihn." Willow hatte sich nun doch dazu durchgerungen, das Gespräch zu beginnen, egal, wie wenig geeignet sie sich als Seelentrösterin vorkam.
"Ich bin wütend auf ihn." Buffy blickte zu den kalten Sternen empor, genauso kalt fühlte sie sich. Sie hatte nie darum gebeten, die Jägerin zu sein, sie hatte nie die Verantwortung gewollt, alles, was sie gewollt hatte, war ein normales Leben. Freunde, die nicht mit ihr auf die Jagd nach Dämonen und Untoten gingen und dabei ihr Leben riskierten. Einen Freund, der nicht ein jahrhundertealter Vampir war, mit dem sie nicht einmal schlafen durfte, ohne daß er seine Seele verlor. Sie hatte um nichts davon gebeten - aber sie war die Jägerin, daran konnte sie nichts ändern.
"Er hat einfach für uns entschieden, Willow, das macht mich so wütend." Buffy musterte ihre Freundin, in deren großen grünbrauen Augen sich Mitleid spiegelte.
"Ich hätte doch auch ein Wörtchen mitzureden gehabt, oder etwa nicht?" Die letzten Worte klangen unsicher und verletzt.

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