Fan Fiction


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Buffy


"Spiegelungen in Hell und Dunkel"

von Martina Bernsdorf

Kapitel 1

"Wesen der ewigen Nacht"

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"Natürlich, Meister." In ihrer Stimme schwang ein dunkleres Timbre, ein Hauch von Verderbnis und Dunkelheit in dem ansonst so lieblichen Klang. Es schwang auch mehr darin, ein Hauch von Überdruß, von Eifersucht und Rebellion.
Ein Zucken, fast ein Lächeln, glitt über die blassen Lippen des Meisters, entblößte dabei seine spitzen Zähne, die, anders als bei den gewöhnlichen Vampiren, seinen gesamten Kiefer einnahmen.
Seine neue Schülerin gefiel ihm. Sie trug eine ähnliche Begabung in sich, wie Willow sie besessen hatte. Und dennoch, sie schien ihm nicht so erfinderisch zu sein wie sein geliebtes Geschöpf. Sie trug den Keim des Wahnsinns schon immer in sich. Jemanden wie sie zu verderben war nur ein Hauch der Befriedigung dessen, was es bedeutete, jemanden mit unbeschädigtem Verstand zu einem Geschöpf der Dunkelheit zu machen.
Zudem war sie keines seiner Geschöpfe, ein anderer Vampir hatte sie zu dem gemacht, was sie war. Ein starker Vampir, der dann jedoch zum Opfer eines Fluches geworden war, der schrecklicher nicht sein konnte. Seine ursprüngliche, menschliche Seele war wieder hergestellt worden.
Ein Lächeln glitt über die Lippen des Meisters. Gerade jene Seele, befreit vom Keim des Bösen, hatte diesen Vampir zu einem wunderbaren Opfer gemacht.
Mit einen Seufzen, in dem Genuß und Schmerz zugleich lag, erinnerte sich der Meister daran, daß gerade Willow diesen Vampir mit Wonne gefoltert hatte. Und ihr Einfallsreichtum hatte sogar den Meister überrascht.
In seiner Welt wußte er Überraschungen inzwischen mehr zu schätzen als frisches Blut. Blut war immer verfügbar. Blut war so leicht zu ernten. Eine wahre Überraschung für einen Vampir, der schon so lange lebte wie er, war hingegen selten und kostbarer als Legionen von Opfern.
"Hier, Meister." Die Vampirin zog einen geknebelten und gefesselten Menschen hinter sich hervor und warf ihn mit ihren übermenschlichen Kräften dem Meister vor die Füße.
Der Mensch taumelte und stürzte so dicht neben dem Aschehaufen zu Boden, daß Knochensplitter und Asche aufgewirbelt wurden.
Mit einem Knurren sprang der Meister zu der Vampirin, und seine krallenbewehrte Hand schloß sich um ihre Kehle. Die dunklen Augen der Vampirin quollen aus den Höhlen, als er sie emporriß. Sie fühlte, wie seine Nägel sich in ihre Kehle bohrten.
"Treib es nicht zu weit, Drusilla." Seine Stimme war kaum noch zu verstehen, hatte sie
doch alles von ihrer scheinheiligen Ruhe abgelegt. Sie war nicht länger die ironische Nachahmung einer menschlichen Stimme.
Der Meister stieß die dunkelhaarige Vampirin von sich, wo sie im Staub liegenblieb und ehe sie sich erheben konnte, den Stiefel des Meisters in ihrem Nacken fühlte.
"Du wirst jeden Knochensplitter, jede Flocke von der Asche meines geliebten Geschöpfs aufsammeln, und wage es nicht, etwas zu übersehen. Hast du mich verstanden, Drusilla?"
Die Vampirin fühlte Blut in ihrer Kehle. Kaltes Blut, ihr eigenes Blut, nicht das eines Opfers. Sie spuckte es aus und starrte mit wildem Haß zum Meister auf.
Dieser lachte und zeigte dabei sein zähnestarrendes Maul.
"Ich liebe deinen Haß, aber laß dich nicht davon zu einem Fehler verleiten, vergiß nie, wer dein Meister ist und wie leicht ich dein dämonisches Leben vernichten könnte. Es könnte mir vielleicht sogar gefallen, dies zu tun."
Drusilla fühlte den Druck des Stiefels, der sich erhöhte und drohte, ihr Genick zu brechen. "Ihr könnt mich vernichten, wenn es Euer Wille ist, Meister, doch die Wahrheit meiner Vision bleibt bestehen."
Der Meister nahm seinen Fuß von Drusillas Nacken und hob in einer Geste, die Überdruß ausdrücken sollte, aber seine Erregung nicht ganz verbergen konnte, die Arme in die Luft.
"Visionen! Prophezeiungen! Wie viele davon habe ich schon gehört, und wie viele davon habe ich ausgesaugt und ausgespuckt! Ich glaube nicht an Visionen."
Drusilla erhob sich langsam. Sie hatte kein klares Bild von dem, was geschehen würde, sie wußte nur, daß es ein Fehler war und in einer Katastrophe enden würde. Es war, als würde man das Licht in eine Welt der Finsternis einladen, und niemand konnte wissen, was dann geschah. Sie leckte das Blut von ihren Lippen, das kalt und bitter schmeckte, doch auch dieser Geschmack war anregend. Sie kostete die dunkle Blüte des Wahnsinns in ihrem eigenen Blut und lachte dann.

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