Fan Fiction


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Buffy


"Spiegelungen in Hell und Dunkel"

von Martina Bernsdorf

Kapitel 1

"Wesen der ewigen Nacht"

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Die Nacht brannte in seiner Seele, tobte in seinen erkalteten Blutbahnen, es war bald Zeit, wieder zu trinken, sich zu wärmen, an der Hitze frischen Blutes. Bald...
Doch selbst die Aussicht auf frisches Blut, auf ein junges Leben, das verlosch, seine ganze Glut und Leidenschaft in seine Kehle ergoß, stimmte den Meister nicht fröhlicher.
In all den Äonen von Jahren, die er bereits auf Erden wandelte, die er verbannt gewesen war, um schließlich wieder aufzusteigen, um die Herrschaft anzutreten, war er müde geworden. Der Jagd überdrüssig, sie langweilte ihn. Er fühlte nicht mehr die Lust und Leidenschaft der Jagd, die ihn lange Jahrhunderte begleitet hatte. Es erregte ihn nicht mehr, seine Opfer rennen zu sehen, mit ihnen zu spielen und sie schließlich zu töten. Ihr Blut wärmte seinen kalten Körper vielleicht, aber seine kalte Seele wurde nicht mehr von ihrer Angst erfreut.
Deshalb hatte er angefangen, andere Vampire um sich zu scharen, nicht nur treue Gefolgsleute, die seine Worte befolgten und seine Herrschaft in die Welt trugen, sondern andere - Hungrige. Solche, die noch die Lust verspürten, die Lust an Blut und Tod. Solche, die dem Reiz des Spieles noch ergeben waren.
Seine Schüler waren die Einzigen, die noch seine Seele erfreuen konnten, die den düsteren Dämon der Langweile zu vertreiben vermochten. Sie waren erfinderisch beim Spiel. Sie genossen noch den Schmerz, die Angst und das Leid, das sie den Sterblichen bringen konnten. Und ein wenig ihres Genusses war sein Genuß.
Sie waren nicht ungefährlich, diese Schüler. Denn sie waren anders als die anderen Vampire, ihm nicht so treu ergeben. Ihre Gaben erhoben sie über das dumpfe Volk der Wiedergänger, die nur die Befriedigung ihres Durstes suchten und die Feinheiten von Angst und Panik im Blut ihrer Opfer gar nicht auszukosten vermochten.
Ihre Gabe machte sie aber oft auch gefährlich, vielleicht war er deshalb so interessiert an ihnen. Weil sie ihn eines Tages zum Kampf fordern könnten, weil sie versuchen könnten, ihn zu töten, seinen Platz einzunehmen, um über die Dunkelheit zu herrschen.
In all den Jahren hatte er viele dieser Kämpfe ausgefochten, und der Staub jener, die es versucht hatten, lag auf dem Boden seiner heiligen Hallen verstreut.
Manchmal hatte sich der Meister allerdings gefragt, was geschehen würde, wenn eines seiner Kinder, denn als solche betrachtete er seine Schüler, ihn besiegen würde. Ob dieser neue Meister dann demselben Stumpfsinn verfallen würde wie er? Ob auch er von dem düsteren Dämon der Langweile überfallen werden würde?
Doch noch war er nicht bereit, sich dem endgültigen Tod zu stellen. Noch zog er genug Genuß aus den Taten seiner Schüler, seiner Kinder.
Zumindest würde er es bald wieder.
Der Meister betrachtete den Haufen Staub zu seinen Füßen, kleine weiße Knochensplitter ragten daraus empor.

Ein leises Seufzen entrang sich der Kehle des Meisters. In seinen roten Augen, die schon seit einer Ewigkeit keine Sonne mehr gesehen hatten und nur noch die Nacht kannten, glomm ein Funke, der schwer zu interpretieren war.
War es Trauer?
Der in schwarzes Leder gekleidete Vampir erhob sich von seinem Knochenthron und schritt langsam zu dem Aschehaufen. Er ging in die Knie, und seine mit langen Nägeln versehenen Finger strichen durch die Asche, so zärtlich wie ein Liebhaber.
"Willow, Willow, von all meinen Geschöpfen hast du das meiste Potential in dir getragen. Du warst meine beste Schülerin, eine jugendliche Meisterin des Schreckens und des Schmerzes. Ich habe mich in dem Genuß deiner Taten gelabt wie selten zuvor in all den trüben Jahrhunderten. Und nun bist du dahin."
Der Meister seufzte erneut, erhob sich dann jedoch mit schlangengleicher Behendigkeit.
"Hast du mir mitgebracht, was ich dir aufgetragen habe?" Seine Stimme erhob sich hart und kalt und brachte die metallenen Käfige, die von der Decke hingen, in Schwingungen. Die Knochen der unglückseligen Opfer darin klimperten leise, als sie gegen die Gitter stießen.

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