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Willow Rosenberg
"Ich wünschte, Buffy Summers wäre niemals hier in Sunnydale aufgekreuzt."
Cordelia Chase
"So sei es."
Anyanka
Sunnydale, 1997: Die Zeit der Ernte
Sie wusste nicht, was geschehen war, und sie wusste nicht, warum sie noch lebte.
Willow war ins >Bronze< gekommen, um Xander zu treffen, obwohl sie sich sonst eher selten und ungern unter Menschen wagte. Aber diese Chance hatte sie nutzen müssen - mit ihm zusammen zu sein. Immer in der Hoffnung, dass er irgendwann doch noch dieselben Gefühle für sie entwickelte, die Willow schon seit Jahren für ihren Freund aus frühsten Kindertagen hegte. Gut, er war ein Junge, aber ganz so blind und dumm konnte er einfach nicht sein, als dass er es nicht irgendwann bemerken musste! Manchmal kam es ihr vor, als schrie sie ihm jeden Tag aufs Neue ihre Liebe ins Gesicht und er verstand einfach nicht, was so offensichtlich hätte sein mü s sen. Mit Xander im >Bronze< die Zeit totzuschlagen, war kein glücklichmachender Ersatz, aber immerhin besser, als gar nichts.
Doch er verspätete sich. So wartete sie an der Bar, bestellte ein alkoholfreies Getränk und hing ihren Geda n ken nach, während sie der Band des Abends lauschte. Ein anderes Mädchen ihres Alters, jemand wie die Schulkönigin Cordelia zum Beispiel, hätte sich vermutlich ei n fach einen anderen Tanzpartner gesucht. Nicht Willow. Obwohl sie - soweit es Xa n der anging - nicht einmal ein Paar waren, würde sie ihm treu bleiben und auf ihn warten. Er kon n te ja nicht vergessen haben, dass sie sich verabredet hatten. Oder war das nur einer seiner Scherze gewesen? Mit fortschre itender Zeit wurde Willow immer unruhiger. Schlimmer konnte der Abend wohl kaum noch werden - offensichtlich kam Xander nicht. Das war so typisch. Sie spielte ger a de mit dem Gedanken zu gehen, als ihr Herz ihr zu einer letzten Frist riet: eine letzte Vie r telstunde für ihn.
Stattdessen stürmte im wahrsten Sinne des Wortes eine Gruppe von Wesen den Club, die Willow nur schwer als >menschlich< bezeichnen konnte und wollte. Grausam verzerrte Gesichter, mit einer Ausstrahlung, die Willow auf eine Art als >böse< empfand, die sie nicht in Worte zu fassen vermochte. Es ging so unglaublich schnell: einige von ihnen platzierten sich strategisch und sehr gekonnt an allen Ausgängen, bevor die Gäste auch nur ihre Anwesenheit registrierten. Der Anführer - ein stämmiger Mann mit dunkler Stimme, von Kopf bis Fuß in schwarz und eine Goldkette um den Hals tragend - bezog auf der Bühne Stellung und brachte vor den Augen der schockierten Besucher den Tü r steher um, indem er dem Mann das Blut aussaugte.
Willow hatte immer Wert auf ihren Verstand gelegt, ihr rationales Denken. Für
Ü bernatürliches - für Vampire - war in ihrem bisherigen Weltbild recht wenig Platz. Sie hätte es nie geglaubt, wäre nicht alles vor ihren Augen abgelaufen, wie ein Horrorfilm, der sich in die Realität verirrt hatte.
Die Masse der Gäste verwandelte sich in eine Herde wehrloser Schafe, sie verharrten dort, wo sie standen, wurden einer nach dem Anderen nach oben gebracht und getötet. Die Wenigsten zeigten auch nur eine Reaktion, keine Gegenwehr, nicht einmal Angst. Zu tief saß der Schock über eine Situation, die so unvorstellbar und fremdartig war, dass nichts in ihrem Leben sie je darauf vorbereitet hätte. Hilflosigkeit breitete sich geradezu körperlich spürbar aus. Gleichzeitig manifestierte sich in der Luft eine unnatürliche Spannung, dem undefinierbaren Gefühl vor einem Gewitter ähnlich, die Gewissheit, dass etwas sehr Großes, Ungeheuerliches, bevorstand. Viele weinten, schluchzten hörbar. Einige standen nur mit versteinerter Miene da und warteten auf ihr Ende.
Auch Willow war nicht fähig, etwas zu unternehmen. Sie hockte nur in einer Sitzecke, in einem Bereich, der fast in der Dunkelheit verschwand, und klammerte sich an die Hoffnung, man möge sie einfach übersehen. Sie hatte sich hierher zurückgezogen, um einerseits den Ärger über Xander in Ruhe zu bekämpfen und andere r seits, weil die Ecke einen guten Blick auf die Tür erlaubte. Nun konnte ihr dieser Z u fall womöglich das Leben retten.
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