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Alias


"Schmerz"

von Sam23


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Stimmen, weit entfernt wie Wellen, die sich an den Ufern einer fernen Insel brachen, füllten den Raum. Die Stimmen sprachen über Strategien, über Geheim-Akten, über Spionage-Berichte, über Echelon-Intercepts, Op-Tech, das Wetter, zur Hölle, er wusste es nicht genau.
Und irgendwie interessierte es ihn auch nicht. Er hätte zumindest eine gewisse staunende Neugier über das Vorhandensein dieses Gefühl entwickeln sollen - wenn nicht gar alarmiert oder furchterfüllt sein sollen angesichts seines mangelnden Interesses an den Vorgängen um ihn herum. Aber irgendwie schien es zu anstrengend neugierig, interessiert oder alarmiert zu sein.
Jahre des Trainings und der Erfahrung, Jahre der Pein und des Schmerzes, der Lügen und des Betruges hatte die Fähigkeiten wachsen lassen, die er nun perfekt präsentierte: Sein Körper reagierte auf das Auf und Ab der Unterhaltung, ohne, dass er die Worte überhaupt verstand - er nickte von Zeit zu Zeit, wiegte den Kopf leicht zur Seite, hob die Augenbrauen, nahm den schwarzen Stift, der auf der kalten und glänzenden Oberfläche des Konferenztisches lag und kritzelte Notizen auf ein Blatt Papier. Seine Augen folgten dem Weg der Diskussion, immer auf dem derzeitigen Sprecher liegend. Er faltete die Hände und öffnete sie wieder, während sein Brustkorb sich im stillen Rhythmus seines Atem hob und senkte.
Niemand würde jemals vermuten, dass die Person, der dieser Körper gehörte, nicht der Unterhaltung folgte und schon gar nicht, dass er eigentlich gar nicht da war. Sie sahen ihn von Zeit zu Zeit an, aber alles was sie sahen, war das, was sie gewohnt waren: Jack Bristow, der an seinem Platz saß, seine Umgebung vorsichtig und genau studierte, sein Gesicht ruhig und emotionslos, sein Körper angespannt, aber nicht in einer alarmierten oder bedrohlichen Art, sein Verstand anscheinend damit beschäftigt die Worte zu analysieren, die gerade in dem kleinen Raum ausgetauscht wurden.
Irgendwie schienen sie in dem Chaos immer wieder Kraft aus seiner ruhigen Gestalt zu schöpfen und auf einem völlig anderen Level, irgendwo tief in seinem Innersten, fühlte der kleine Teil von ihm, der trotz allem immer noch beobachtete, was vor sich ging, einen Anflug von Neugierde.
Sie "mussten" wissen, dass es ihm nicht gut ging. Sie mussten wissen, dass er sich nicht so ruhig fühlte, wie er sich ihnen präsentierte.
Sie "mussten"wissen wie schwer ihm dies alles fiel und obwohl sie wussten, dass er kein Mann großer Emotionen war, mussten sie doch wissen, dass er litt. Aber irgendwie schien das nicht der Fall zu sein.
Marshall sah ihn an, wartete, dass er ein Zeichen der Zustimmung für die Präsentation seiner neuesten Erfindung von sich gab. Jack neigte den Kopf.
Dixon machte einen Vorschlag was ihre neue Strategie betraf und Jack nickte leicht.
Vaughn ignorierte ihn. Also ignorierte er ihn auch.
Weiss sah ihn direkt an, mit sorgenvollem Blick, wandte sich aber sofort hastig ab, als Jack den Blick erwiderte. Smarter Kerl, dachte Jack und realisierte zum ersten Mal bewusst, dass Weiss mehr war also nur... ja, Weiss eben. Er war eigentlich die einzige Person, die immer zu wissen schien, wie es den anderen ging. Auf eine gewisse Art, war er die Seele ihrer Gruppe.
Obwohl er die Worte, die gesprochen wurden, nicht wirklich verstand, bemerkte Jack doch, dass sich die Tonhöhe verändert hatte und dass dies bedeutete, dass nun seine Tochter sprach. Er weigerte sich zunächst sie anzusehen, wissend, dass das, was er sehen würde ihn mehr verletzten würde, als er ertragen konnte. Er wusste, dass er eine leidenschaftliche Notwendigkeit in ihren Augen sehen würde. Die Notwendigkeit, ihre Schwester zu finden. Er würde Kraft und Ausdauer und den Willen sehen, eine Person, die alles tun würde was nötig war, um dieses Ziel zu erreichen - innerhalb eines moralisch akzeptablen Rahmens. Er wusste, dass er Feuer in ihren Augen brennen sehen würde, das gleiche Feuer, das auch die Züge ihrer Mutter stets erhellt hatte. Und er wusste, dass es nichts gab, das er tun konnte, um die Flammen zu zügeln. Alles was er tun konnte, war was er sowieso immer tat: Zu versuchen sie zu beschützen, während sie ihren Weg ging. Zu versuchen ihr zu helfen, so gut er konnte, auch wenn das bedeutete, dass er sie am Ende verlieren würde.

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