Doctor Who


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Doctor Who - Spezial



Kernspaltereien

- Doctor Who - darf's auch etwas weniger sein? -

von Claudia Kern

In den letzten Jahren hat man angefangen, Begriffe neu zu definieren. Dazu gehört vor allem das Wort "klein", wie sicher jedem schon aufgefallen ist, der im Kino mal "eine kleine Cola" bestellt hat und den Viktoria-See bekam. Aber auch das Wort "kurz" wurde umdefiniert, nachdem Hollywood festgestellt hatte, dass man für Filme, die mehr als 125 Minuten lang sind, Überlängenzuschlag verlangen konnte, was die Gewinnspanne deutlich erhöhte. Von da an musste jeder Film irgendwie und sei es durch einen zehn Minuten langen Abspann auf 125 Minuten gebracht werden, was zu Horrorszenarien wie 140 Minuten langen romantischen Komödien führte - oder unerträglich langweiligen Harry-Potter-Filmen. Seit Beginn der 3D-Welle hat sich dieser Trend zum Glück überlebt, da man mit dem 3D-Zuschlag mehr Kohle machen kann als mit Überlänge und so sind viele Filme zu arschbackenfreundlichen neunzig Minuten zurückgekehrt. Das Gleiche würde ich mir im übertragenen Sinne übrigens von Fantasyromanen wünschen - und von Doctor Who. Versteht mich nicht falsch, ich plädiere keineswegs für einen Doctor in 3D, auch wenn der Vorspann schon geil aussähe, im Gegenteil, ich möchte weniger Doctor Who, nicht mehr.

Sehen wir uns doch mal an, wie sich die Serie im Laufe der Zeit verändert hat. Das ursprüngliche Format sah Mehrteiler von meistens vier bis sechs halbstündigen Episoden vor, die in seltenen Fällen auch mal auf zehn oder sogar zwölf Folgen erhöht wurden. Das heißt, dass eine Geschichte im Schnitt zwischen zwei und drei Stunden lang war - praktisch Kinolänge. Die allererste Staffel (1963 - 64) bestand aus zweiundvierzig (das kann kein Zufall sein!) Folgen, in denen acht Geschichten erzählt wurden, während die zehnte Staffel aus fünf Geschichten und insgesamt sechsundzwanzig Folgen bestand, und so weiter. Diese extremen Schwankungen hatten zum einen finanzielle Gründe, da der BBC häufig das Geld fehlte, um mehr Folgen zu produzieren, zum anderen gaben sie den Autoren aber auch enorme kreative Freiheit. Hinzu kam, dass man für den heimischen Markt produzierte und anscheinend der Meinung war, dass dem britischen Zuschauer einiges zuzumuten war. Da wurden Folgen produziert, in denen der Doctor auf Dinosaurier traf (die man nie sah), gelegentlich brach einem Dalek auch mal die Strahlenwaffe am Kopf ab oder im Hintergrund fielen Kulissen um. Und wenn jemand seinen Text vergeigte, wurde einfach weitergedreht.

Okay, in die Zeiten will wohl keiner zurückkehren. Trotzdem kann man viel von den alten Doctor-Who-Folgen lernen, vor allem, was die Erzählweise der Geschichten betrifft. Fünfundzwanzig Minuten sind nicht viel Zeit, wenn man da einen Spannungsbogen aufbauen und eine Handlung erzählen will, muss man sich zusammenreißen, überflüssiges Gelaber weglassen und schnell zur Sache kommen. Und wenn man weiß, dass man in zwei Stunden alles zu Ende erzählt haben muss, überlegt man sich schon in der ersten Szene der ersten Folge, wie die letzte Szene der letzten Folge aussehen soll und wie man da wohl hinkommt. Die Kürze zwingt den Autor zur Konzentration.

Zeitsprung ins Jahr 2005. Seit den späten Neunzigern hat Doctor-Who-Fan und Autor Russell T. Davies versucht, die BBC von einem Neustart der Serie zu überzeugen. Nun ist es soweit, aber - da man Schauspieler nicht mehr vor bemalten Pappkulissen agieren lassen kann - ist allen klar, dass das ein bisschen Geld kosten wird. Das lässt sich aber nur durch internationale Verkäufe auftreiben. Also ist Schluss mit halbstündigen Folgen und Staffeln, die so lang sind, wie man gerade Bock hat, denn das funktioniert im US-Markt nicht. Das Ergebnis kennen wir alle: Ein strenges Korsett von dreizehn, je fünfundvierzig Minuten langen Episoden pro Staffel. Einige Male hat die Serie zwar bei der Folgenlänge geschummelt, sonst hält man sich aber weitestgehend an das Schema. Einzelepisoden sind zwar erlaubt und werden ab und zu auch gern gesehen, aber ein staffelübergreifender Handlungsbogen ist zwingend notwendig. Das beginnt 2005 mit dem Zeitkrieg. Seitdem gab es in jeder Staffel eine Geschichte, die über die gesamte Länge erzählt wurde, wenn auch mit Unterbrechungen.

Diese Unterbrechungen sind es dann auch, die mich bei dem Schema am meisten nerven. Die Einzelfolgen wirken wie Sidequests in einem Rollenspiel. "Geh und töte zehn Wölfe für Farmer X", den ich noch nie gesehen habe, wenn es eigentlich darum geht, dass ich einen verdammten Drachen umhauen soll. Bei Doctor Who ist es das Gleiche. Mir ist doch völlig egal, weshalb der kleine George abends nicht einschlafen kann, ich will wissen, was es mit dem Tod des Doctors auf sich hat. Auf diese Auflösung und die auf all die anderen großen Fragen der letzten sechs Staffeln müssen wir aber jeweils dreizehn Folgen warten. Uns werden Hinweise gegeben, es werden Fragen aufgeworfen, meistens spielt der Untergang des Universums eine Rolle, doch die letzte, mit Spannung erwartete Folge, stimmt einen selten zufrieden. Da wird irgendwas aus dem Hut gezogen (bei Russell T. Davies gern ein Handy) und zack ist eine zehn Stunden währende Geschichte zu Ende erzählt.

Sagen wir es mal so: Es gibt einen guten Grund dafür, dass Kinofilme selten zehn Stunden lang sind. Nur die wenigsten Geschichten sind so episch, dass sie diese Länge benötigen. Die meisten anderen werden einfach nur aufgeblasen. Und damit sind wir wieder bei Doctor Who. Um unser Interesse als Zuschauer über die Staffel zu halten, glauben die Autoren, dass sie uns immer gewaltigere Ideen präsentieren müssen: das Ende der Menschheit, das Ende der Time Lords, das Ende des Universums. Dabei geht das, was Doctor Who in seinen besten Momenten auszeichnet - die Freundschaft zwischen ihm und seinen Begleitern und die reine Lust am Fremden - immer häufiger unter. Dafür wird der Doctor zum Weltenvernichter, Krieger oder Psychopathen. Die Serie erstickt an ihrer eigenen Wichtigkeit.

Und dann sind es doch die von mir eben noch gescholtenen Einzelfolgen, die den Karren aus dem Dreck ziehen. Ich habe keine Ahnung mehr, was in der dritten Staffel verhindert werden musste, aber die ultragruseligen Statuen aus "Blink" werde ich garantiert so schnell nicht vergessen. Was könnten Autoren wie Steven Moffat (momentan Chef bei Doctor Who und Schreiber von "Blink") erzählen, wenn das Korsett nicht ganz so eng wäre, wenn sie die Chance hätte, ein paar Mehrteiler zu schreiben, bei denen nicht gleich das Schicksal des Universums bedroht ist, sondern in denen es um Leute geht, die mit dem coolsten Zeitreisenden aller … äh … Zeiten in einer blauen Telefonzelle durch die Epochen und das All reisen, seltsame Aliens treffen und Abenteuer erleben. Das Universum können wegen mir andere retten.