FanFazit StarDream I
von Gabi Marschar
Andrea und ich kamen am Donnerstag morgen an. Da die Eröffnung erst um 16 Uhr war, sahen wir uns vorher noch Mannheim an. Punkt 16 Uhr holten wir dann unsere Unterlagen (Ausweis, ohne den man gar nicht in die Halle kam) ab und später sahen wir uns erst mal in der Halle um. Es waren zig Stände aufgebaut, bei denen man sich alles mögliche von Star Trek kaufen konnte.
Um 20 Uhr begann dann die Eröffnungszeremonie. Sylvia Strybuc, die Chefin des Fanclubs Enterprise Mannheim und Organisatorin der Con, hielt die Eröffnungsrede und stellte die Gäste vor. Es waren: James Doohan, John De Lancie, Jonathan Del Arco, Marc Lenard, Nichelle Nichols, Robert O'Reilly, Dwight Schultz, Richard Arnold, Kurt E. Ludwig, Michael Pan, Eric Stillwell, Jennifer Hetrick, Robin Curtis (sie wurde zwar auf die Bühne gerufen, erschien aber an diesem Abend nicht, vermutlich weil sie erst angekommen war und Schlaf nacholte). Und da war noch die First Lady von Star Trek, Majel Barrett-Roddenberry. Gates McFadden wurde erst für Freitag Abend erwartet, da sie noch in Irland war. Nach der allgemeinen Begrüßung konnte die riesige Torte, die so lang wie die Bühne war, angeschnitten werden. Stars und Fans standen sich direkt gegenüber. Es herrschte eine tolle Stimmung. Da an diesem Abend keine Veranstaltung mehr war, gingen wir bereits um 22 Uhr ins Hotel zurück. Für Freitag stand ein "Stammtisch" mit Jennifer Hetrick, Dwight Schultz und Michael Pan auf dem Programm. Dwight erhielt natürlich die meisten Fragen.
Auf "Deck 2" gab Majel Barrett unerwartet eine Autogrammstunde, was sie von da an jeden Tag machte. Sie war wirklich geduldig und schrieb auch jedem eine Widmung. Ich kaufte mir nochmal den TNG-Kalender von 1995, da dort sowohl ein Solo-Bild von Majel als auch von Gates drin war. Auch John de Lancie gab eine Autogrammstunde, die Andrea nicht verpassen wollte. Da er uns jedoch schon vorher in die Arme lief, erhielt Andi ihr Autogramm jetzt schon, so daß wir uns das Anstehen später ersparen konnten. Wir sahen uns anschließend noch etwas bei den Ständen um, bei den Trading Cards und Fotos herrschte ständig Hochbetrieb, kauften einige Sachen und gingen recht früh, da wir am nächsten Morgen ein volles Programm hatten. Ich wachte bereits um halb sechs Uhr morgens auf und konnte vor Aufregung nicht mehr schlafen, hatte doch Gates an diesem Morgen ihren ersten Auftritt. Das Frühstück ließ ich unter den Tisch fallen, da ich absolut nichts runterkriegte. (In diesen Tagen hatte ich übrigens 4 kg abgenommen. Als ich nach Hause kam, hatte ich gerade mal noch 50 kg). Um 9.30 Uhr hatte Gates also ihren ersten Auftritt. Sie kam auf die Bühne und bekam Standing Ovations. Mindestens 5 Minuten lang. Da wir nicht aufhörten zu klatschen, begann sie schließlich mitzuklatschen und als der Applaus noch immer nicht abreißen wollte, begann sie ein paar Brocken deutsch zu sprechen. Erst sagte sie "Guten Morgen", dann "Guten Abend" danach "Auf Wiedersehen", weil wir noch immer wie verrückt klatschten, und dann "bis später", alles natürlich mit entsprechendem Akzent, so daß wir alle lachen mußten. Jedenfalls setzten wir uns schließlich wieder hin und sie meinte, daß dies das einzigste wäre, das sie auf deutsch kannte, dafür spreche sie aber fließend französisch. Dann machte sie sich Sorgen, ob wir denn alles verstehen würden, und die Dolmetscherin (im Grunde war es eigentlich nur eine Aufpasserin, die darauf achtete, daß alles mit rechten Dingen zuging und nur im Notfall, wenn Gates eine Frage auf deutsch gestellt bekam, es ihr übersetzte) meinte, daß das für uns kein Problem wäre, woraufhin Gates sehr beeindruckt war. Wie beim Stammtisch konnten ihr hier auch Fragen gestellt werden. Sie erzählte eine Anekdote, wie sie bei den Drehpausen von "Decent" die Brücke so nach ihrem eigenen Geschmack umdekorierte. Als Patrick morgens dann auf das Set kam, klappte ihm erst mal das Gebiß runter - Gates machte es vor -. so daß das Publikum vor Lachen brüllte. Dann fügte sie hin und wieder ihr gehauchtes "Jean-Luc" ein, wie sie es in der Serie bei intimeren Szenen sagte, also in einem ziemlich erotischen Tonfall. Auch das wurde immer mit Begeisterung aufgenommen. Sie wurde auch nach dem Kinofilm gefragt, und ob die Romanze dort weiterginge. Sie hat dann einige lustige Bemerkungen gemachte, daß sie nicht nur was mit Picard, sondern auch was mit Riker hätte, aber das war natürlich nur ein Scherz. Sie meinte, daß sie und Patrick Sex lieben würden, verbesserte sich aber schnell und meinte, sie wollte sagen, daß sie die BEZIEHUNG lieben würden. Dann wurde sie gefragt, warum Beverly immer so ernst sei und ob sie Perücken getragen hätte. Sie beantwortet die Frage mal wieder auf ihre Weise. Sie setzte sich in eine ziemlich erotische Pose und meinte, sie wisse ja, daß sie (Beverly) unglaublich attraktiv sei und die Produzenten aber anscheinend nicht wollten, daß eine Ärztin zu schön sei und auch nicht zu witzig, da das dem "Berufsethos" widersprechen würde. Sie selbst sehe das aber nicht so. Jedenfalls trug sie tatsächlich bis "Schisms" immer eine Perücke. Sie wollte dann wissen, wie "wig" auf deutsch heißt und versuchte dann ständig "Perücke" zu sagen. Außerdem erwähnte sie, daß es ihr bei "All good things" lieber gewesen wäre, wenn Jean-Luc in der Zukunft ihren Namen angenommen hätte, und nicht umgekehrt. Jemand fragte sie noch, ob sie uns nicht etwas vorsteppen könnte, aber dazu hatte sie angeblich nicht die richtigen Schuhe an und die Bühne war auch nicht besonders gut dafür geeignet. Sie begann zwar einige Schritte aus dem Steptanz von "Data's Day", aber wie gesagt funktionierte es nicht richtig. Nach dieser Vorstellung gab sie eine Autogrammstunde. Es war unglaublich, wie viele ein Autogramm von ihr wollten. Ich drängte mich ziemlich weit vor, da ich noch so einen Zettel hatte, der mindestens zwei Autogramme garantierte, aber bekommen hatte ich an diesem Tag trotzdem keines. Zwei Reihen vor mir wurde dichtgemacht, da Gates schon nicht mehr schreiben konnte. Sie erklärte sich aber bereit, am nächsten Tag nochmals eine Autogrammstunde zu geben und statt dessen die Fotosession, bei denen sich die Stars mit den Fans fotografieren ließen, zu streichen. Anschließend folgte ein Stammtisch mit Gates und James Doohan. Die meisten Fragen bekam jedoch Gates gestellt. Sie erzählte nochmals eine kleine Story, die ihr widerfahren war. Es war anläßlich einer Gedenkfeier an Gene Roddenberry, daß sie sich einen Stoff für ein Kleid gekauft hatte, das sie dort tragen wollte. Es hatte aber noch keinen Verschluß, so daß sie es zu einem Schneider brachte. Der machte mindestens 150 Ösen dran, die jedoch zu klein waren, und sobald sie die oberen geschlossen hatte und sie sich nach unten beugte, um die unteren zu schließen, gingen sie oben wieder auf. Sie ging dann zu Brent's Haus, wo auch schon Jonathan Frakes auf sie wartete, und ließ dann die beiden Männer herumwerkeln. Sie führte uns vor, wie sie sich anstellten. Gates breitete ihre Arme aus, stand stocksteif da, Brent machte die unteren Ösen zu, Jonathan die oberen, aber sobald sie sich bewegte, sprangen sie wieder auf. Eine Limousine holte sie dann ab und das Spiel ging da drinnen weiter, während Jonathan schließlich die Arme verschränkte und meinte, er würde jetzt nur noch zusehen. Währenddessen plagte sich Brent weiter ab. Gates ächzte und stöhnte jedoch so, daß der Fahrer den Rückspiegel so drehte, daß er nach hinten sehen konnte und nachsah, was da hinten vor sich ging. Zu guter Letzt fuhren sie schließlich ins Hotel und nähten das Kleid zu. Es muß zum brüllen gewesen sein. Zum schreien war auch, wie Gates die Geschichte erzählte. Sie machte sich ständig Sorgen, daß wir nicht alles verstehen würden und fand es seltsam, vor einem deutschen Publikum in Deutschland englisch zu reden. Sie war wirklich die einzigste, die sich darum kümmerte. Jedenfalls erzählte sie immer einen Satz und sagte der Dolmetscherin, sie solle ihn übersetzen. So ging es immer weiter. Ein Satz Gates, ein Satz die Übersetzerin. Es war echt witzig. Am Schluß meinte Gates noch, sie würde so viele Briefe bekommen, in denen IHR Fragen gestellt werden. Sie würde aber viel lieber etwas über uns erfahren und sie würde sich wirklich freuen, Briefe zu bekommen, aber man solle nur über Agentur oder Paramount schreiben (das gilt für alle Star Trek-Schauspieler) weil alles andere nicht bei ihnen ankommen würde. Sie wurde noch gefragt, ob sie sich denn privat auch für Medizin interessieren würde, so wie sich James Doohan privat für Technik interessiert, aber sie verneinte diese Frage. Sie hätte nur ein Buch gelesen über "Zeit des Erwachens" und außerdem hätte sie am Wochenende auch keine Lust, Gehirnoperationen durchzuführen. Zumal wäre sie nach den Gesundheitsreformen in den USA als Ärztin viel zu teuer für uns, was ihr wieder schallendes Gelächter einbrachte. Sie erzählte noch, daß sie ihren 3-jährigen Sohn mitgebracht hätte und er würde es komisch finden, daß hier alle so "Seltsam" reden. Damit war auch schon der Stammtisch zu Ende. Um 20 Uhr stieg dann das Gala-Dinner. Die Stars saßen an den Tischen der Fans. Leider saß Gates jedoch ziemlich weit weg. Am Nachbartisch jedoch saß James Doohan. Ein Fan erzählte mir am nächsten Tag, daß er am Nebentisch von Gates gesessen hätte. Sie hätte unentwegt geredet. Erst über das amerikanische Gesundheitssystem und dann über ihren Sohn. Beim Esse hatte sie vom Salat nur zwei Blätter gegessen - der war auch wirklich bitter - die grünen Nudeln, die es zum Hauptgericht gegeben hat, hatte sie nur schräg angesehen, kaum vom Fleisch gegessen - das war so was seltsames, eine Mischung aus Fleisch und in der Mitte was "gemüsiges" jedenfalls war es nicht gerade überwältigend – und noch vor dem Dessert sei sie gegangen. Trotzdem habe ich mich natürlich geärgert, daß sie so weit weg gesessen war. An unserem Tisch saßen zwei Deanna Troi und Will Riker-Verschnitte. Die Frau war perfekt. Sie saß genauso steif da, wie Deanna, hat genauso gegessen und ihr Gang war perfekt. Während des Gala-Dinners wurden alle Stars auf die Bühne gerufen und bekamen einen Orden für ihre Arbeit. Majel war so gerührt, daß ihr die Tränen kamen. Gates legte ihren Arm um sie und hielt sie fest. Es war ein wirklich rührender Anblick.
Am nächsten Morgen, es war mittlerweile Sonntag, hatte Gates also wieder eine Autogrammstunde. Beim ersten Mal kam ich durch. Ich mußte kaum 20 Minuten warten. Sie fragte mich sogar "How are you"? Ich war so verdattert, daß ich erst gar nichts sagen konnte. Erst nach einer Weile, nach dem ich diese ach so schwere Frage gedanklich verarbeitet hatte, stotterte ich ein "Thanks". Und weil mir das zu wenig vorkam, fragte ich noch schnell "And you"? Darauf antwortete sie dann "Fine" und das war's auch schon. So viel zu meiner Konversation mit Gates. Beim zweiten Durchgang wollte ich noch ein weiteres Autogramm holen, ich hatte ja noch so einen zweiten Autogrammzettel. (Für Majel Barrett hatte ich keinen gebraucht.) Aber ganz genau vor meiner Nase - ich wäre wirklich die Nächste gewesen - wurde dann abgebrochen, weil Gates anscheinend genug hatte. Dabei wollte ich sie diesmal sogar ansprechen und fragen, ob sie es ernst gemeint hatte, daß man ihr schreiben soll. So ein Mist. Ich habe mich wirklich geärgert. Ich machte dann vom 2. Stock aus Bilder hinunter von Gates, bis uns ein Con-helfer mit den Worten "No photos of Gates" verjagte. Aber da hatte ich meine Fotos schon gemacht. Anscheinend tat Gates das viele Blitzlicht in den Augen weh, deshalb lief sie auch oft mit einer Sonnenbrille herum.
Weil wir bis zur Abschiedszeremonie nichts mehr vorhatten, gingen wir in den Videoraum, wo man Star Trek Non-Stop sehen konnte. Ich saß eine Weile dort, aber dann wurde ich plötzlich nervös und hatte das Gefühl, daß ich dringend raus mußte. Und wer kam mir da genau in dem Moment entgegen? Gates!! Es war unglaublich. So was nennt man wohl Intuition. Sie sah sich die Stände an, wurde aber von den Con-Helfern ständig abgeschirmt. Außerdem hielt sie sich ständig was vor's Gesicht und sie hatte wieder ihre Sonnenbrille auf. Trotzdem gelang es mir, einige Fotos zu machen. Gegen 14.30 Uhr hatte Majel ihre letztes Panel. Für mich war das wichtigste darunter, daß sie ziemlich gut mit Gates befreundet ist.
Bei der anschließenden Abschlußzeremonie war John de Lancie nicht mehr dabei, er mußte schon am Vortag zurückfliegen. Jedenfalls kamen alle Stars nochmals auf die Bühne. Ich legte vor der Zeremonie meinen fünften und letzten Film ein - und ausgerechnet der funktionierte nichts. Ich rannte zu Kasse, weil die dort Filme verkauften, aber die hatten schon abgeräumt. Zum Glück verkaufte mir ein Fan, den ich beim Schlangestehen bei der Autogrammstunde von Gates kennengelernt hatte, seinen Film. Nachdem alle Stars auf der Bühne waren, wurden einige zu Ehrenmitgliedern beim Fanclub Enterprise Mannheim (FCEM) ernannt. Die wurden dann einzeln aufgerufen. Zuerst Robert O'Reilly, der die Urkunde überreicht bekam und etwas auf klingonisch brüllte, dann Jonathan del Arco, Marc Lenard und Dwight Schultz, der Robert nachahmte und ebenfalls einen Klingonenschrei losließ. Dann erwähnte Sylvia, daß Gates bereits Mitglied sei. Die bekam das aber nicht mit und meinte, sie sei aufgerufen worden und begab sich zum Podest, wo die Urkunden überreicht wurden. Es wurde ihr dann erklärt, worum es sich handelte und sie begab sich wieder zurück zu ihrem Platz, machte auf dem Weg dorthin ein paar Faxen. Sylvia forderte sie dann aber auf, doch noch was zu sagen und daraufhin ging Gates wieder zum Podest zurück. Sie bedankte sich, daß sie hier sein durfte, daß es ihr hier gefallen hätte und sie gerne wiederkommen würde. Dann legte sie den Kopf in den Nacken - und ließ einen klingonischen Schrei los. Das Publikum war total begeistert (sie hat ein gewaltiges Organ) und klatschte wie verrückt. Dann sang James Doohan noch ein deutsches Lied, Majel Barrett hielt noch eine kurze Rede, dann standen alles Stars auf, hielten sich an den Händen und verbeugten sich. Danach ging der Vorhang zu und sie waren verschwunden.
So endete meine erste Con, von der ich annahm, daß es meine einzigste bleiben würde. Ich hätte nicht gedacht, daß ich von da ab jedes Jahr an einer teilnehmen würde.
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