Conbericht Galileo7-4
von Marcus Erbar
Nach all dem Hin und Her im Vorfeld haben wohl viele eine weitere "Chaoscon" erwartet. Da gab es das Durcheinander auf der letzten Galileo 7 Convention, die Konkursgerüchte und die Absagen der drei ursprünglich angekündigten Stargäste. Trotz aller Besserungsversprechen der Veranstalter sind wohl die meisten Besucher mit etwas gemischten Gefühlen angereist.
Freitag, 03.11.2000
Der Tag begann gegen mittag mit der Pressekonferenz, die allerdings kurz zuvor in einen Fototermin mit anschließendem small talk bzw. Interviews mit den Stars umgewandelt wurde. Alle angekündigten Stargäste - bis auf Ira Steven Behr, der kurzfristig wegen beruflichen Verpflichtungen absagen mußte - waren anwesend und zeigten sich entspannt und kontaktfreudig.
Um 16.15 Uhr startete dann mit leichter Verspätung die Opening Ceremony, die doch sehr unspektakulär und kurz abgehandelt wurde.
Nun konnte also der erste Contag beginnen, der ganz im Zeichen der behind-the-scenes Panels sowie der Autogrammstunden für die Besitzer der Autogrammpakete stand. Den Anfang machte Larry Nemececk mit zahlreichen Dias vom Paramount Gelände, wirklich interessanten Hintergrundinformationen und ein paar genialen insider jokes der Mitarbeiter am Set.
Dann mußte ich "leider" in die Autogrammschlange und habe damit auch die behind-the-scenes Podiumdiskussion verpasst. Die Autogrammstunde verlief reibungslos und eher gemütlich, da ja nur ein paar hundert Besucher durch die Schlange durchgelotst werden mußten. Der Saal war sehr geräumig, die einzelnen Tische weit auseinander, so dass man zwischendurch alle Zeit der Welt hatte, um seine Autogrammkarten für den nächsten Star fertig zu machen bzw. Fotos zu schießen.
Und damit endete auch schon der erste Contag - und es war eine durchweg positive Überraschung. Aber die Bewährungsprobe sollte ja erst am morgigen "Hauptcontag" folgen.
Samstag, 04.11.2000
Der zweite Tag startete zu einer recht humanen Uhrzeit um 10 Uhr mit Lolita Fatjo's Panel. Direkt darauf gesellte sich dann Max Grodénchik zu ihr auf die Bühne, der mal wieder mit seinen Deutschkenntnissen begeisterte. Lolita und später auch das Publikum lästerten zu allererst mal über Max' Modegeschmack bis er so weit war, dass er ein knallgrünes Hemd eines Fans anzog. Auf die Frage eines Besuchers gab es selbstverständlich auch die unvermeidliche Szene, die aus der Episode "The House of Quark" herausgeschnitten wurde. Max brachte seine Ferengizähne mit auf die Bühne und es gab wieder zahlreiche "Mooooogiieeeee"-Rufe - kurz gesagt: Ein klasse Panel !
Vor der Mittagspause stand noch der Kostümwettbewerb, sowie Aron Eisenbergs Panel nach der Pause an. In der Zeit war ich allerdings in der Autogrammstunde beschäftigt.
Gegen 15.15 Uhr betrat Jeff Rector die Bühne, von dem so ziemlich alle Besucher diesmal wohl zum ersten mal gehört haben. Dementsprechend kamen Fragen auch nur sehr zögerlich und er quälte sich etwas durch sein Panel. Jeff persönlich ist eigentlich ein wirklich netter Mensch, nur war diese eine kleine Gastrolle in TNG vielleicht doch etwas wenig für einen Conbesuch...
Die darauf folgende Auktion lief sehr gut. Es wurden ziemlich hohe Preise erzielt, wobei ein Stück, das für 1200 DM unter den Hammer kam den absoluten Höhepunkt darstellte
Um 17.30 Uhr begann Eugene Roddenberry's Panel. Er machte schonmal einen guten Anfang mit einem genialen Blooper-Tape aus Mission Erde. Er sprach vor allem über die "alten Zeiten" am TNG Set und die Philosophie von Star Trek. Eugene war der Kontakt zu den Fans sehr, sehr wichtig - so mischte er sich das ganze Wochenende immer mal wieder unter die Besucher.
Nun sollten die beiden Höhepunkte des Abends folgen: Marina Sirtis und gleich darauf das dreifach-Panel von J.G. Hertzler, Robert O'Reilly und Dwight Schultz.
Marina war mal wieder absolut phantastisch. Telefonierende, den Saal verlassende oder einfach nur unaufmerksame Fans wurden gnadenlos zurechtgewiesen. Sie erzählte, dass sie am Set von TNG die "Mutter" der Crew war, Patrick war der Vater... und Michael Dorn der kleine Bruder, weil er ja sooo leicht verletzlich war. Dann war da noch die Geschichte, wie ihr Sessel bei den Dreharbeiten zu Generations Feuer gefangen und Marina dadurch die "Absturzszene" der Enterprise-D geschmissen hatte. Die Arbeiter brauchten 5 Stunden um das Set wieder zu präparieren und ihre lieben Kollegen hassten sie ;)
Und nach Marina's Panel brachen dann alle Dämme: Den Anfang machten Robert und J.G., die mit Simpsons-Masken einmal über die Bühne liefen und wieder verschwanden. Auf den Song "Scatman" trippelte dann Dwight mit 2 großen künstlichen Simpson-Augen hervor. Wer dachte, dass man diese Szenen nicht mehr steigern konnte, der wurde durch das restliche Panel vom Gegenteil überzeugt. Die drei ergänzten sich perfekt, tranken Bier auf der Bühne und brachten den Saal zum beben. Dwight summte das A-Team Titellied und John und Bob waren zum Schluß so weit, dass sie vor ihm auf die Füße fielen um ihn anzubeten. Eines der besten Panels, dass ich bisher gesehen habe !
Und in perfekter Partystimmung startete dann auch gleich die Convention Party. Alle Stars außer Marina waren zumindest für ein paar Minuten dort, tanzten zu lauter(!!!) Musik und unterhielten sich mit den Fans. Irgendwann gegen 4 Uhr versank ich dann in meinem Bett........
Sonntag 27.08.2000
Nach einer kurzen, nein - einer SEHR kurzen Nacht schaute ich am morgen zuerst nochmal im Händlerraum vorbei. Pünktlich um 11 Uhr begann dann das Doppelpanel von Aaron Eisenberg und Max Grodénchik. Die Chemie zwischen den beiden passte einfach. Als ich ihn auf seinen scherzhaften Kommentar während der ExpoTrek angesprach ("Aron was a pain in my ass") meinte er nach etlichem Hin- und Her zu einem "endlos enttäuschten" Aron Eisenberg, dass er die Frage falsch verstanden und eigentlich auf deutsch "Ich penne aus" geantwortet hätte - offensichtlich hat das Publikum ihn wegen seiner schlechten Aussprache falsch verstanden ;)
Jedenfalls zog sich die Geschichte noch wie ein roter Faden durch den Rest des Panels, wo Aaron natürlich jede Gelegenheit für ein paar witzige Sticheleien nutze. Später kam noch Lolita hinzu und die drei spielten eine Szene aus der "Ferengi Family Hour" - einem Stück, dass die drei mit Chase Masterson regelmäßig auf der Bühne aufführen. Zum Abschluß wurde es dann doch noch nachdenklich - Aron sprach über seine gesundheitlichen Probleme, wie unendlich dankbar er Star Trek und den Fans für sein erfülltes Leben ist und dass man seine Träume ausleben und das tun solle, was man sich schon immer gewünscht hat - schließlich hätte man ja nur dieses eine Leben.
Nach der Mittagspause nutzte ich die Gelegenheit, um mir jetzt endlich ein paar fehlende Autogramme zu holen und mal was essen zu gehen, weshalb ich auch nichts von Jeff Rector's zweitem Panel berichten kann.
Der darauf folgende Auftritt von J.G. Hertzler und Bob O'Reilly war mal wieder ein richtiger Höhepunkt. Zusammen mit einem Besucher aus dem Publikum spielten die beiden einen Sketch ("Thank you lady! Thank you lady! Thank you lady! Sorry George!!!) - man muß einfach dabei gewesen sein :)
Der "Endspurt" wurde um 15 Uhr mit Dwight Schultz' zweitem Panel eingeläutet. Auch er betonte, dass er es ohne die Fans niemals so weit gebracht hätte und er es nicht verstehen könne, dass einzelne Stars den Kontakt zu den Fans aus welchen Gründen auch immer scheuen würden.
Dwight war überhaupt sehr, sehr offen für alle, die ihn ansprachen - ob während der Autogrammstunde, der Conparty oder sogar im Hotel selbst - ein sehr zugänglicher, freundlicher und vor allem ehrlicher Mensch. Richtig interessant wurde es, als er gefragt wurde, ob er an Außerirdische glauben würde. Wer jetzt eine flache, nichtssagende Antwort erwartet hat, lag vollkommen falsch. Die nächsten 15 Minuten widmete er diesem Thema, das im wirklich am Herzen zu liegen schien. Dwight ist vollkommen überzeugt, dass wir schon von Aliens besucht wurden und die Regierungen gute Gründe haben, dieses Wissen vor den Bürgern zu verschweigen. Ich war vollkommen überrascht, so etwas von einem Star wie Dwight Schultz in aller Öffentlichkeit zu hören - denn gerade in den USA wird man mit sowas schnell als Spinner abgestempelt.
Das letzte Panel der Con gehörte Marina Sirtis, die mit diversen Geschichten ihres Hündchens Skilaggi nochmal für heftige Lacher im Publikum sorgte. Wie schon auf der FedCon sprach sie auch darüber, was Star Trek für sie persönlich bedeute. Da sich die TNG-Ära ja nun langsam ihrem Ende zuneigt meinte Marina zu Tränen gerührt, dass dies die besten Jahre ihres Lebens gewesen seien. Und mit diesen Worten endete auch das Panel - jedoch nicht, ohne dass sie unter dem nicht enden wollenden Jubel der Fans noch dreimal auf die Bühne zurückkommen mußte.
Nun folgte noch die Auslosung der Tombola, bei der Achim von unserem Trekdinner nicht nur zwei Comics, sondern auch den Hauptpreis in Form von Marina Sirtis (naja, einmal Kaffeetrinken mit ihr um genau zu sein) gewann... und das alles mit nur zwei(!) Losen.
Wie schon bei der Opening betrat nun Jens Stegemann die Bühne, um die Closing Ceremony einzuläuten. Alle Stars kamen noch einmal hervor, es wurde besonders den Fans für ihre Treue und allen Helfern und Mitarbeitern namentlich(!) für ihre Unterstützung gedankt.
Insgesamt, kann man sagen, war die Galileo 7 - IV ein voller Erfolg. Es wurde alles das besser gemacht, woran es an den vorherigen Cons gehangen hat. Der Einlaß hat durch das neue Barcode System wunderbar funktioniert, es gab keine langen Schlangen, der Zeitplan wurde praktisch einwandfrei eingehalten, die Kommunikation zwischen Organisatoren und Fans funktionierte und durch den großzügig angelegten Autogrammsaal und der Tatsache, dass alle Stars an allen 3 Tagen signiert haben, war sogar das "Autogramme jagen" wunderbar streßfrei. Überhaupt hatte man den Eindruck, die gesamte Convention würde sich von selbst organisieren da die Helfer kaum aufgefallen sind und nirgends besonders einschreiten mußten - ein Zeichen für eine gute und durchdachte Organisation im Vorfeld. Aber auch die Fans trugen ihren Teil zum reibungslosen Ablauf bei, denn so disziplinierte Besucher habe ich vorher noch nicht erlebt. Da gab es kein Gedränge, die Stars konnten unbehelligt mit ihren Taschen über das Congelände zum Autogrammsaal laufen, an das Blitzlichtverbot wurde sich gehalten und auch die "stupid questions" haben sich sehr in Grenzen gehalten (wenn man mal von der eines gewissen SF-Radio Redakteurs absieht *g*). Offensichtlich kann man sich als Veranstalter einiges leichter machen, wenn man die Fans mit Respekt behandelt...
Die Galileo 7 - IV war eine wunderschöne, sehr, sehr harmonische Convention, die die letzte Con der Veranstalter ganz klar als einen einmaligen Ausrutscher erscheinen lässt.
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