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:: 1. FanFazit FedCon 9
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:: Die Panels der Jennifer Lien


FedCon 9


Die Panels der Jennifer Lien


von Thomas Kohlschmidt

Es gab auf den FedCons selten etwas, das so heftig diskutiert wurde wie die Panels von Jennifer Lien (ST:VOY Kes).

Thomas Kohlschmidt wirft einen Blick zurück und analysiert die Auftritte von Jennifer Lien auf der FedCon IX noch einmal genauer.


Befangenes Lächeln: Die Panels der Jennifer Lien

"Warum besucht man als Fan auf Conventions das Panel eines Gaststars?"

Diese Frage ging mir im Anschluss an die diesjährige FedCon IX am ersten April-Wochenende in Bonn im Kopf herum.

Aufgeworfen wurde dieses Thema für mich durch die umstrittenen Panels von der Kes-Darstellerin Jennifer Lien. Am Freitag Abend und am Samstag Mittag stand die junge Frau auf der Bühne des Maritim-Hotels und versuchte die Fragen der Fans zu beantworten. Jennifer Lien blieb dabei vielfach einsilbig, wirkte unkonzentriert und geistesabwesend. Und sie erzählte weder Anekdoten, noch wollte sie singen.

Für Fans, die auf Panels gehen, um dort spritziges Entertainment zu erleben, coole Sprüche und charmantes Gag-Feuerwerk, für diese Fans wurde die Zeit mit Jennifer Lien sehr lang. Die langsame und zurückhaltende Art der Schauspielerin nervte sie. Viele wurden unruhig, bis man die leise Stimme der Schauspielerin kaum noch verstehen konnte, einige verließen murrend den Saal, und manche sprachen nachher von einer 'Zumutung'. Die Frau gab sich einfach nicht genug Mühe und hatte wohl keine Lust, befand man. Andere meinten sogar, Jennifer Lien sei durch irgendwelche Rauschmittel beeinträchtigt gewesen.

Wie auch immer: Inmitten des bunten Rummelplatzes der FedCon und der Fülle schneller, heller Attraktionen wirkte Jennifer Lien für diese Fans wie ein Anachronismus, ein Flop, ein Ausfall inmitten der Party.

Für die zahlreichen anderen Fans, die zu einem Gaststar gehen, um den Menschen hinter der Rolle kennen zu lernen, waren hingegen gerade die beiden Panels von Jennifer Lien trotz allem ein ganz besonderes und tiefes Erlebnis. Wer nicht nur auf Wortspiele fixiert war und ausgesprochene Facts sammeln wollte, sondern auch aus Körpersprache, Gesten, Stimmlage und zaghaften Andeutungen zu lesen vermochte, für den war Jennifer Lien sehr präsent. Die junge Schauspielerin versteckte sich nicht hinter Show - dazu ist sie wahrscheinlich noch zu unverdorben, noch nicht stromlinienförmig auf Publikum trainiert - sondern blieb ganz sie selbst: leise, sanft, irritiert und befangen.

Sie hatte keine gut erprobten Antworten parat, sondern schien bei vielen Fragen erst einmal lange ernsthaft nachdenken zu müssen, ohne eine peppige Antwort zu finden. Sie wirkte dann ratlos und ein wenig erschöpft. Inwieweit das Müdigkeit, Rausch oder aber einfach Schüchternheit und Verunsicherung zuzuschreiben war, ist schwer zu beurteilen. Ich vermute aber doch vor allem Letzteres:

Heftiger Applaus und laute "Hey, Jennifer!"-Zurufe schienen sie zu erschrecken, Fragen, warum sie nicht mehr bei "Voyager" die Kes spielt, auf Rückzug zu bringen. Die Autoren hätten sie eben aus der Serie 'heraus geschrieben', weil sie in Kes kein Potential sahen. Punkt. Sie selbst wäre gern geblieben. Dann wieder Schweigen von Jennifer Lien, das fast schon peinlich berührte, aber mich großes Bedauern ahnen ließ. Musste man da bohren? Eigentlich nicht!

Auch die Tatsache, dass sie nach "Voyager" nun lieber auf das College geht, um nur nebenbei Schauspielunterricht zu nehmen, lässt einige Spekulationen und Deutungen zu. Jennifer Lien sagte dazu, sie wisse im Moment nicht, welche genauen Pläne sie habe. So etwas ist für Menschen in den Zwanzigern sicherlich nichts Ungewöhnliches, spricht aber trotzdem vielleicht für eine momentane Orientierungslosigkeit, einen gewissen Rückzug.

Interessant war auch ihre Antwort zu der Frage, was sie gedacht hat, als sie zur FedCon eingeladen wurde: Sie war irritiert und verwundert gewesen!

Ebenso fühlte sie sich offensichtlich von den Fans überwältigt und bemerkte: "Ihr scheint oft viel mehr von mir zu wissen, als ich es selber tue!"

Ein Fan regte an, Jennifer Lien solle doch einmal ihr hochgestecktes Haar herablassen. Ihre Reaktion passt für mich in das Bild einer Frau, die sich ihrer selbst und den Ansprüchen an ihre Person nicht sicher ist: Sie lächelte ungläubig und fragte: "Ach, DAS ist es, was ihr wollt?" und öffnete ihr Haar, woraufhin sie in Blitzlicht gebadet wurde und etwas verloren all das über sich ergehen ließ. (Beim Abgang steckte sie sich das Haar sofort wieder hoch.)

Ein weiteres Eindringen in ihre Privatsphäre blockte sie durch vage Antworten ab. Die Frage, ob sie Kinder habe, amüsierte sie: "Nein, nein, keine Kinder!"

Nur über ihren kleinen Hund sprach sie offensichtlich gern und die Frage, ob sie an Außerirdische glaube, entlockte ihr am Samstag sogar eine kleine Geschichte, die sie erlebt hatte und die sie dazu gebracht hatte, die Existenz von Aliens für möglich zu halten.

Was mir noch auffiel war, wie sehr sie Lob und Zuneigung der Fans genossen hat, wenn unaufdringlich zu ihr gesprochen wurde. Sie wurde immer dann gelöster, wenn ihr jemand versicherte, man würde Kes nicht vergessen, oder aber als ihr ein großes Plüschherz und eine Stoffmaus geschenkt wurden. Sie legte die Geschenke das ganze Panel nicht aus der Hand (nur einmal kurz zu Boden, um sie dann sofort wieder aufzuheben), und schien sich daran festzuhalten, um die Zeit zu überstehen.

In diesen Momenten schenkte sie dem Publikum ihr hinreißendes Lächeln und durchbrach - für Sekunden nur - die nervöse Distanz.

Und das waren für mich dann sehr schöne Augenblicke auf der sonst sehr lauten und sehr emsigen FedCon.

Was immer Jennifer Lien an diesem Wochenende beeinträchtigt haben mag: Sie hat soweit wie möglich dagegen angekämpft und nicht einfach kurzfristig abgesagt, wie manch anderer Star das tut, wenn er Schwierigkeiten hat. Das sollte man ihr auf jeden Fall hoch anrechnen, finde ich!

Und bei allen verständlichen Ansprüchen an Stars, 'für die man Eintritt bezahlt hat': Es sind immer noch Menschen und eben doch keine perfekt geölten Maschinen. Und das ist gut so!

Mir persönlich - und auch vielen anderen Fans, mit denen ich gesprochen habe - haben die Panels der Jennifer Lien auf jeden Fall eine Menge gegeben.

Schön, dass sie da war!