FanFazit Voyager The Return
von Anja Ebeling
Die Anreise war eher unspektakulär, Hannover - Brüssel - Manchester. Der Flughafen von Manchester ist einer der quirligsten, überall Menschenmassen, die irgendwo hinwollen, grausig. Wir freuen uns, dass unser Gepäck es auch geschafft hat und schlagen uns zum Flughafenbahnhof durch. Glück gehabt, der schmuddelige Zug nach Blackpool-North steht schon bereit. Dieser Zug zuckelt Station um Station ab und braucht fast schon eine halbe Stunde, um aus Manchester rauszukommen, wobei er sich von Station zu Station zusehends füllt. Irgendwie ist die Ankunft in Blackpool lt. Plan für 17:05h angedacht, aber wir sind erst so gegen halb 6 dort.
In Blackpool fühlen wir uns plötzlich umgeben von deutschen Trekkies, gut, umgeben ist ein wenig übertrieben, aber mit uns kommt eine deutsche Gruppe an. Wir verteilen uns auf die London-Taxis, die Gruppe passt gemeinsam in eines, Andrea und ich nehmen ein eigenes. Endlich erreichen wir das Norbreck Castle Hotel, dass nur entfernt an die Bilder im Internet erinnert, tatsächlich wirkt das Haus nicht wirklich einladend. Es besteht aus zwei großen Hauptgebäuden, die von abbröckelndem Putz sowie von einer Unmenge Regenrohren geziert werden. Vor dem Haus befindet sich der große Parkplatz, davor läuft die Küstenstraße entlang, dann die "Tramway", eine wirklich witzige Straßenbahn mit z.T. zweistöckigen Wagen, dann noch ein bisschen Gras, und dann fällt die Küste ab.
Wir bekommen unser Zimmer mit einer recht ungenauen Erklärung, wo dieses liegt ("You have to go through 2 sets of doors..." - aha.). Wir müssen den gesamten Wintergarten, der sich an den beiden Hauptgebäuden entlang zieht, abgehen, und hinten nach links. Glück gehabt: unser Zimmer liegt im nachträglich angebauten, neueren Trakt. Wir haben ein nagelneues Badezimmer, und das Zimmer an sich ist für 3 Sterne durchaus annehmbar. Wir packen aus und sehen uns im Hotel um. Jede Menge ältere Leute und Familien machen hier Urlaub, und wir wundern uns schon, aber am morgigen Freitag wird das Publikum komplett wechseln.
Eigentlich beschließen wir, diesen Abend nur noch irgendwo was zu essen und uns dann auszuruhen im Hinblick auf drei anstrengende Con-Tage, aber da man im zum Hotel gehörenden "Family-Restaurant" nicht in der Lage ist, unsere Bestellung aufzunehmen (sie sind voll besetzt und können uns überhaupt erst in einer Dreiviertelstunde bedienen), beschließend wir, die Tramway nach Downtown zu nehmen. 1,20 Pfund kostet das, also kein wirklich billiges Vergnügen (Das Pfund steht bei 3,31 DM).
Downtown begrüßt uns noch bunter, als es von der Küstenstraße aus den Anschein hatte. Viel Neon, blinkende Lichter, jede Menge "Amusement-Shops", dahinter sich lediglich billige Spielotheken verbergen, viele Geschäfte mit Ramsch. Aber plötzlich entdecken wir eine wirklich nette Fußgängerzone und lassen unsere Sinne hier kurz ausruhen. Wir finden ein Billig-Restaurant mit italienischem Essen und treffen dort tatsächlich die Holländer, die wir vom Board kennen! Das Essen ist nicht besonders und auch nicht billig...
Am Freitag soll ab 14h die "Registration" losgehen. Eigentlich hatten wir vorgehabt, möglichst früh dort zu sein. Wolf Events hatte nämlich angeboten, dass man Extra-Tickets kaufen konnte, wenn man sich mit einem der Stars fotografieren lassen möchte, und diese Tickets waren auf 200 je Star begrenzt. Da man aber speziell für Kate Mulgrew einen gewissen Run erwartete, hat man hier dieses Verfahren abgeändert - für ein Pfund, das dann der Alzheimer-Stiftung von Kate zukommen wird, kann man ein sogenanntes Raffle-Ticket kaufen, mittels dessen man an einer Verlosung für einen Fototermin mit Kate teilnimmt. Somit ist für die Registration keine Eile vonnöten... und wir verbringen den Vormittag in Blackpool. Wir shoppen so einiges, trotz des für uns astronomisch hohen Kurses, und verbringen Stunden bei Waterstones, einem großen Buchladen.
Gegen 14h erreichen wir wieder das Hotel - und trauen unseren Augen kaum. Riesige Schlangen ergießen sich vom Haupteingang auf den Parkplatz! In einer der Schlangen treffen wir tatsächlich zwei holländische Freunde – und erfahren somit, dass dieses die Schlange für Nachnamen mit dem Anfangsbuchstaben E bis M ist, wir stehen also gleich richtig. Es geht derartig langsam voran, dass wir erst mal ins Zimmer gehen, um unsere Sachen abzuwerfen, und danach immer noch zurechtkommen. Wir haben noch viel Spaß in der Schlange und machen das Beste aus der Warterei, die die Engländer übrigens "Queueing" nennen und mit erstaunlicher Zivilisiertheit betreiben. Dieses "Queueing", in geschriebener Form nur noch als "Q-ing" bezeichnet, wird uns das gesamte Wochenende begleiten.
Irgendwann sind wir registriert, und da die Opening nicht vor halb 8 starten wird, gehen wir erst mal in den Händlerraum, der erstens überfüllt, zweitens überhitzt und drittens trotz seiner Größe nicht wirklich ergiebig ist. Aus dem Händlerraum kommt man auch direkt in den Hauptsaal, der sich schon ganz langsam füllt. Ich suche unsere restlichen Leute, und wir finden Plätze in der achten Reihe! Auf der Leinwand werden Videos gezeigt, und irgendwann geht's wirklich los. Brian heißt der englische Host, der Lolita Fatjo vorstellt, die uns durch die Con "begleiten" wird. Lolita war Script-Koordinatorin für TNG, DS9 und Voyager und für die Spielfilme "Generations" und "First Contact". Und sie stellt uns jetzt nacheinander die Stars vor, der Jubel verstärkt sich, je mehr der Voyager-Stars auf die Bühne kommen.
Ich stehe vorne im Gang, die Kamera im Anschlag, um mich herum tobt die Menge, denn nach Alice Krige (die sich übrigens "Kriege" ausspricht, was ich nicht wusste) kommt endlich Kate Mulgrew auf die Bühne. Der Jubel wird frenetisch, die Schiebetür hinten auf der Bühne öffnet sich, und da steht sie wirklich, Kathryn Janeway, nein, natürlich Kate Mulgrew. In einem schwarzen Kleid, die Haare hochgesteckt, und sie wirft Kusshände in die Menge. Wahnsinn. Irgendwann muss ich an meinen Platz zurück, andere wollen schließlich auch fotografieren, und sie sagt das, was keiner vermutet hätte: "I've got to make an announcement: Noone is going to leave this Convention without my autograph!" ("Ich muss etwas sagen: niemand wird diese Convention ohne mein Autogramm verlassen!"). Der Jubel ist unglaublich. Immerhin wissen wir, dass weit über 3.000 Leute hier sind, wie will sie das schaffen? Mit ihrem Abgang von der Bühne ist die Opening Ceremony auch zuende, eher unspektakulär. Auf der Leinwand wird jetzt "Endgame" gezeigt, die letzte Voyager-Folge, die auch in England noch nicht im Fernsehen gelaufen ist.
Da wir die Folge schon kennen, gehen gehen wir wieder in den Händlerraum, eine schlechte Idee, denn es ist sozusagen kein Durchkommen. Momentan läuft Kates Autogrammstunde für die Stewards, die Security-Leute und die Händler, und einige schwenken schon stolz ihre mit persönlicher Widmung unterschriebenen Bilder.
Im Hauptsaal ist man am Räumen, schließlich soll noch eine Party stattfinden, und so wird vor der Bühne ein Platz zum Tanzen leergeräumt.
Als wir am nächsten Morgen um acht zum Frühstück gehen, hat sich vor dem Hauptsaal bereits eine Schlange formiert! Für mich reicht das - ich habe keine Ruhe mehr und zwinge mich, wenigstens zwei Ecken Toast zu essen. Das Frühstück ist übrigens für englische 3-Sterne-Verhältnisse recht ordentlich. Nach dem Frühstück treffen wir die Holländer, die einige Sachen bei uns im Zimmer deponieren (sie wohnen nicht im Norbreck, sondern irgendwo downtown), und als wir zurückkommen, hat sich die Schlange bereits in Bewegung gesetzt und wir reihen uns ganz frech mitten hinein. Somit landen wir im Saal in der 8ten Reihe und können uns glücklich schätzen. Um neun Uhr beginnt das Panel von Robert Duncan McNeil (Tom Paris), er ist noch müde und spricht davon, WIE früh es noch ist (Recht hat er, 9 Uhr ist wirklich ziemlich früh für eine Con!), trotzdem hat er den Saal bald im Griff. Er erzählt von den Dreharbeiten, von Streichen, die man sich gegenseitig gespielt hat. So hatte zum Beispiel Tim Russ seine erste Gedankenverschmelzungs-Szene, und wollte diese gleich drehen, ohne vorherige Probe. Die ganze Zeit vorher war er hochkonzentriert herumgelaufen und hatte überlegt, wie er diese Szene machen würde, er wolle auf keinen Fall etwas falsch machen, und als es dann ans Drehen ging, bestand er darauf, wirklich gleich die Kamera mitlaufen zu lassen. Totenstille am Set, höchste Konzentration, Tom Paris lag auf einer Liege der Krankenstation, Tuvok beugt sich über ihn, die Kamera nur Zentimeter von beiden entfernt, Tuvok legt beide Hände an die vorgeschriebenen Stellen, die Spannung steigt, und plötzlich brüllt Tuvok los: "Aaaaaaaaaah - I FEEL GOOOOOD!!!!!!!!"
Brüllendes Gelächter im Saal... Außerdem erzählt er, dass sie sich immer übereinander lustig gemacht haben am Set - jeder hat eine andere Art zu sprechen und sich zu bewegen, und speziell Garrett Wang (Harry Kim) hatte oft so eine langgezogene Sprechweise für seine Sätze. So wettete Robbie McNeill mit Kate Mulgrew, dass er eine gesamte Close-Up-Szene im Stil von Garrett durchziehen würde. Kate glaubte nicht, dass er es schaffen würde und setzte 50 Dollar. Robbie zog die Szene in "Garrett"-Manier durch, hochkonzentriert dabei, und um ihn herum krümmten sich die anderen vor unterdrücktem Lachen... Die 50 Dollar, so sagte er, habe er bis heute nicht bekommen.
Richard Herd ist als nächstes dran, aber von seinem Panel bekomme ich nicht so viel mit, denn ich brauche einen Kaffee. Erst als Fintan McKeown auf der Bühne steht, komme ich wieder rein. Überhaupt müssen wir aufpassen – über die Leinwand läuft die Information, dass man auf seinem Platz bleiben soll. Es ist nicht erlaubt, Sitze zu reservieren, und Tüten o.ä., die man auf dem Sitz liegen lässt, werden vom Personal entfernt. Na klasse. Erwarten die doch allen Ernstes, dass man sich Stunde um Stunde in diesem Saal aufhält? Ohne uns. Wir wechseln uns ab, um zwischendurch frische Luft zu schnappen. Muss drin sein. Der Saal ist nämlich - unklimatisiert!
Fintan McKeown sitzt also oben auf einem Hocker und spricht mit sonorer Stimme... Währenddessen versorgen wir uns mit den Raffle-Tickets für die Photo-Session mit Kate. Jeder darf genau ein solches erstehen, es wird auf der Karte vermerkt. Diese Karte hat jeder bekommen, es steht die Ticket-Nummer darauf und der Name jedes Stars. Wann immer man ein Autogramm bekommen hat, wird der entsprechende Name durchgestrichen. Jeweils Samstag und Sonntag erfolgt die Ziehung der 200 Glücklichen, die dann ihr Foto mit Kate bekommen, das dann sogar von ihr unterzeichnet wird (also noch mal 200 Autogramme mehr für die arme Frau!).
Robert Picardo ist als nächstes dran, und der Saal füllt sich wieder. Ich stehe wieder mit der Menge im Gang und mache Bild um Bild (umsonst, wie sich später herausstellt, der Blitz hat in dem Moment versagt!!). Robert Picardo ist gut drauf, und auch er hat den Saal sofort im Griff.
Auf der Leinwand laufen mittlerweile die Aufforderungen für die Autogramme von Kate durch, es geht nach Reihenfolge der Ticketnummern, wir können uns beruhigt zurücklehnen, man ist erst bei 440 (sie hatten am Freitagabend nach den Security-Leuten und Händlern bei 1 angefangen und waren bis 400 gekommen!).
Das Panel von Rob LaBelle schenke ich mir, zu Alice Krige bin ich wieder da. Auch sie enttäuscht uns nicht. Sie erzählt, wie es war, so lange in der Maske zu sitzen, und dass die Leute, sobald sie die Borg-Kontaktlinsen trug, wirklich Angst vor ihr bekamen. Und sie erzählt, wie es war, in der letzten Voyager-Folge Endgame’ vor Janeway am Boden zu liegen – ein Protestschrei aus dem Publikum ist die Folge, das war ein Spoiler, den die Briten noch nicht hören wollten. Alice entschuldigt sich wortreich, es tut ihr wirklich leid.
Um 13 Uhr hat Kate ihr erstes Panel, und wir machen uns bereit. Ein letztes Mal wird die Kameralinse poliert, auf der Leinwand wird eingeblendet, dass das Filmen während Kates Panel verboten ist, und Blitzlichter sind nur die ersten 5 Minuten erlaubt. Ich reihe mich in die Schlange im Gang ein, wir warten geduldig. Ordner stehen vorne im Gang und bedeuten uns, dass jeder nur ein Bild machen und dann sofort an den Platz zurückgehen sollte, damit jeder drankommt. Ich finde die Dauerbild-Einstellung auf meiner Kamera nicht, schade. Lolita kommt auf die Bühne und kündigt Kate an, und da steht sie wirklich, heute mit offenen Haaren und in einem roten, flatterigen Zweiteiler. Die Menge tobt, es hält uns nichts mehr, wir jubeln, brüllen, applaudieren, bis uns die Hände abzufallen drohen, diese Frau hat uns im Griff. Alle vergessen sich hier vorn und machen mehr als ein Bild (das Risiko wäre auch zu groß), aber irgendwann gehen wir alle auf unsere Plätze zurück. Kate hat ein von allen Schauspielern unterzeichnetes Voyager-Script mitgebracht, das sie gern zugunsten der von ihr unterstützten Alzheimer-Stiftung versteigern möchte. Auf einer Con in Amerika hätte sie mit 1.000 Dollar angefangen, und dadurch gelernt, dass man vielleicht nicht gar so hoch rangehen sollte – von wegen! Eine Frau schräg hinter uns bietet sofort 1.000 Pfund! Und wird gleich von einer Frau weiter vorn überboten. Die beiden schaukeln sich auf 5.500 Britische Pfund hoch. Unglaublich, Kate kann es kaum fassen. Danach beantwortet sie Fragen. Ein Kind möchte wissen, ob sie und Jerry Ryan (Seven of Nine) denn gute Freunde geworden seien während der Dreharbeiten – Kate antwortet diplomatisch. Nein, sie hätten gut zusammengearbeitet und seien miteinander klargekommen, aber Freunde seien sie nicht geworden. Eine weitere Frage war natürlich, was sie dazu sage, dass am Ende nunmehr Chakotay und Seven ein Paar geworden seien, woraufhin sie unter anderem sagte: "Well - sexy met sexy..."
Nach Kates Panel brauchen wir wieder einmal eine Pause. Immerhin ist der Saal nicht klimatisiert und mit fast 3 ½ Tausend Menschen einfach überbesetzt. Überhaupt der Saal - riesig ist er, und wir haben Glück, in der vorderen Hälfte zu sitzen. Dort nämlich ist das Licht gedimmt. Der hintere Bereich ist gnadenlos ausgeleuchtet, was es einem nicht eben einfach macht, zu sehen, was auf der winzigen Bühne vor sich geht. Und so sind hinten auch einige Sitzreihen frei, stattdessen stehen die Leute lieber vorn rechts und links an der Wand. Woraufhin Wolf Maßnahmen ergreift, es wird auf der Leinwand eingeblendet, dass man alle Stühle besetzen solle, und dass es nicht erlaubt ist, Sitze zu reservieren. Abgelegte Tüten oder persönliche Dinge würden vom "Personal" entfernt... Die Schattenseiten des "Open Seating".
Tim Russ (Tuvok) und Ethan Phillips (Neelix) sind als nächstes dran, aber durch unsere längere Pause haben wir jetzt nicht mehr wirklich gute Plätze. Außerdem ist mittlerweile eingeblendet worden, dass nunmehr die Samstags-Tagesgäste dran sind, ihr Autogramm von Kate zu bekommen. Da ich die letzte Einblendung nicht mitbekommen hatte, frage ich vorn an der Treppe zur Galerie, wann ich denn dran bin (ich habe Nr. 1276). Der nette Aufsichtsmensch schickt mich unverzüglich – nach oben! Nein, das mache jetzt gar nichts, ich solle einfach raufgehen, auch wenn meine Nummer eigentlich noch nicht dran sei, kein Problem. Na, wenn das so ist... Oben muss ich mich wieder einmal einreihen, 4 Jungs sind vor mir dran, die ich da ziemlich aufgeregt stehe ("meinem" Star gleich so nahe!!). Kate mache gerade eine Pause, sei aber in einigen Minuten wieder da, sagt man uns. Tatsächlich, da kommt sie! Schiebt sich durch einige Stühle, die zur Manövrierung der Schlange aufgestellt worden sind, und geht erst mal ans Geländer, von dem aus man in den Saal sehen kann. Dann setzt sie sich an den Tisch, und es geht los. Nein, kaum ein Blick, mein Bild wird mir abgenommen, ihr hingelegt, und sie schreibt ihren Namen drauf, nicht personalisiert. "Thank you so much", sage ich, und meine nicht nur mein Autogramm, sondern ihren Willen, wirklich JEDEM ein Autogramm zukommen zu lassen. Sie sieht mich an, lächelt, und sagt "Oh, you're welcome!" - mir zittern die Knie... Das Bild wie einen Schatz vor mich hertragend (die Schrift ist bestimmt noch nicht trocken!), wanke ich die Treppe hinunter... und habe somit auch den Rest des Tuvok/Neelix-Panels verpasst.
Am Sonntag hat Wolf Maßnahmen ergriffen. Die Schlange reicht bereits um 8 Uhr bis auf den Parkplatz zurück, und als wir uns im Wintergarten-Gang herumdrücken, werden wir barsch ans Ende der Schlange verwiesen, auch ich, die ich schon in der Schlange stehe, weil ich eine Freundin entdeckt habe. Gnadenlos und wortreich bedeutet mir die Aufsichtskraft, auch das Ende der Schlange aufzusuchen, ich darf unter ihrer Aufsicht aber noch meinen Satz zuende sprechen. Dann stehen wir auf dem Parkplatz, und die Schlange rührt sich nicht. Es wird viertel vor Neun, es wird neun, es geht immer nur stückchenweise voran. Was ist da los? Man lässt die Leute immer nur grüppchenweise in den Saal, um zu vermeiden, dass, wie gestern, so viele Plätze frei bleiben. Außerdem sind gut 300 weitere Stühle in den Saal gestellt worden. Endlich sind wir drin, mit halbem Auge sehen wir im Eingangsbereich die gezogenen Losnummern für das Photo mit Kate hängen, keine Zeit, jetzt brauchen wir erst mal Plätze. Und haben Glück! Im Mittelblock kommen wir in der achten Reihe zu sitzen! Wahnsinn. Ich gehe noch mal raus, um die Losnummern zu checken. Bei so was hatte ich noch NIE Glück, NIE. Aber - ich traue meinen Augen kaum!!! Meine Nummer 914 steht da unter den anderen!! "Oh mein Gott oh mein Gott", kann ich nur vor mich hinstammeln und fange unverzüglich an zu zittern. Ich habe GEWONNEN!!!! Und gehe erst mal zu einem der Typen, der die Treppe zum Autogramm- und Fotobereich bewacht. Ja, ich solle so gegen 12h einfach dort vorsprechen. Die Fotosession soll um 12:30h losgehen.
Völlig aufgeregt gehe ich an den Platz zurück und kann mein Glück immer noch nicht fassen! Silvia, die ich auf dieser Con kennen gelernt habe, sitzt schräg vor uns (bei ihr hatte ich mich in die Schlange gereiht, bevor ich so rüde nach hinten verwiesen worden war), ihr geht's genau wie mir, auch sie gehört zu den Glücklichen! Ich bin so aufgeregt, dass ich von den nächsten Panels nicht viel mitkriege. Irgendwann gehe ich ins Zimmer, um mir was Netteres anzuziehen, mittlerweile hat man auf der Leinwand eingeblendet, dass die Fotosession bereits um 12 Uhr losgehen soll, um Viertel vor 12 gehen Silvia und ich nach vorne. Wieder mal Glück gehabt, einige sind schon dort, und wir bilden gleich eine Schlange. JEDER ist hier aufgeregt, JEDER. Ich übe schon mal ein fotogenes Lächeln... Irgendwann wird die Schlange nach oben gebeten. Auf der Galerie gegenüber der Bühne (auf der wohl gerade Alice Krige steht, schade, dass wir sie jetzt verpassen) hat man zwei nachgebaute Holodeck-Eingänge aufgebaut, in denen man dann gemeinsam mit dem Star für das Foto "posiert". Die Schlange formiert sich daneben und wird noch aufgeteilt. Aus Sicherheitsgründen sind die Taschen auf einem Tisch abzulegen (gut so! Will ich vielleicht mit meiner Fototasche fotografiert werden?). Warm ist es hier oben, und wir helfen uns gegenseitig mit Taschentüchern aus. Silvia und ich können eigentlich kaum mehr reden, geschweige denn denken. Ich habe ja noch Andrea dabei, sie hatte nicht gewonnen, aber wir wollen versuchen, doch gemeinsam aufs Foto zu kommen. Andrea ist ganz locker, weil sie nicht wirklich damit rechnet, dass man das erlauben wird. Und bevor es Ärger gibt, fragen wir eine der Aufsichten, doch, das sei kein Problem. Wir können auch zu zweit mit Kate aufs Bild. Ein Raunen geht durch die Menge - hinten ist Kate aufgetaucht! Sie geht durch das Spalier, dass durch die Aufteilung der Gruppe entstanden ist, sie lächelt und wirft ein "Gooood Morning!!" in die Runde, ein vielstimmiges "Good Morning" antwortet ihr, "How are you?", fragt sie noch, "Fine", "Great", "Okay", "Excited" wird geantwortet, je nach dem, wie die Leute halt so drauf sind.
Offensichtlich wissen die Security-Jungs selbst nicht so genau, wie sie jetzt vorgehen sollen, aus der anderen Schlange sind welche zuerst dran, dann doch wieder aus unserer Schlange, ein Muster ist da nicht erkennbar. Dann sollten wir alle weiter nach vorn rücken, Silvia ist dran, ich kriege nicht viel mit, dann wir. Kate stellt sich in die Mitte, ich links neben ihr, Andrea rechts, da ruft Kate plötzlich "No, Fintan, don't!!" - und läuft zur Reling. Denn unten auf der Bühne steht Fintan McKeown, der Michael Sullivan in der Folge "Fair Haven" gespielt hat... Er wurde vermutlich gerade gefragt, wie es war, Captain Janeway zu küssen. Kate steht kurz am Geländer, kommt dann aber zurück, greift Andrea, die plötzlich weiter weg steht und stellt sich mit uns in Positur. Je einen Arm um Andrea und mich gelegt, ich zittere so sehr, dass ich mich frage, wie das ein anständiges Bild werden soll, der Fotograf zählt bis drei, und das war's auch schon. Kate breitet die Arme aus, sieht uns an und sagt: "Well, thank you, Ladies!" - und ich sage "Thank you so much" (als ob ich nur diese vier Worte könnte...), und dann sage ich ihr doch noch, dass wir extra aus Germany gekommen seien, um sie zu sehen. "Well - Dankeschön, Dankeschön!" sagt sie noch, und irgendwie habe ich das Gefühl, es wäre okay, sie jetzt zu umarmen, ihre Gestik deutet fast darauf hin, aber ich traue mich nicht. Ich weiß auch nicht mehr, ob wir uns noch verabschiedet haben, ich denke schon, dass mein Automatismus da funktioniert hat, aber jetzt gehen wir die Treppe herunter, Andrea stößt einen Schrei aus, ich auch irgendetwas, das wie "Oh my god" klingt, und als wir unten ankommen, sagt die nette Aufsicht gerade zu ein paar umstehenden Leuten, dass es nett wäre, wenn diese nicht so ausflippen würden danach, wie man es gerade von uns gehört hätte - ähem. Peinlich ist's mir schon, und ich entschuldige mich bei ihr, sie hat aber doch vollstes Verständnis. Ich MUSS jetzt erst mal mit Silvia nach draußen, Andrea geht an den Platz zurück...
Nein, ich kann es nicht glauben. Ich hätte wirklich eine Schnellabfertigung erwartet bei der Fotosession, und es wäre verständlich gewesen, dass ich aber Zeit hatte, Kate zu sagen, wo wir her kamen, war einfach klasse. Sie selbst gab einem das Gefühl, dass sie wirklich dabei war und die Sache nicht einfach stur durchzog.
Ich komme auch an den Platz zurück und richte meine Kamera, denn gleich hält Kate ihr letztes Panel. Und schon steht Lolita auf der Bühne, um sie anzusagen. In den Gängen zwischen den Sitzen drängeln sich wieder die Leute, bis weit in den hinteren Teil des Saales zurück, auf der Leinwand wird wieder eingeblendet, dass nur die ersten fünf Minuten mit Blitz fotografiert werden soll, und Videoaufnahmen sind, wie auch schon in ihrem Samstags-Panel, verboten. Und dann kommt sie wieder auf die Bühne, tosender Applaus, keiner sitzt mehr. Wir sitzen günstiger als gestern, und ich kann vom Platz aus fotografieren. Sie steht da, begrüßt uns, und kündigt an, eine Liebesgeschichte erzählen zu wollen - die Geschichte von sich und Tim Hagan. Und von ihrer Mutter, die nicht unmaßgeblich daran beteiligt gewesen war. Begleitet von Aaawwws und Applaus erzählt sie, wie sie Tim vor über sieben Jahren kennen gelernt hatte und eigentlich wusste, dass er ihre große Liebe ist. Aber die Rolle in Voyager kam ihr dazwischen, und er hatte ihr geschrieben, dass sie sich besser auf ihre Karriere konzentrieren solle. Fünf Jahre später jedoch sah man sich wieder, und es funkte wieder.
Nach dieser Geschichte beantwortet sie wieder Fragen, und irgendwann kommt die Schlüsselfrage von irgendjemand mit verstellter Stimme "Kate, Kate - wer wäre denn Ihr Lieblingscaptain bei 'Star Trek'?" - sie dreht sich ein wenig zur Seite und sagt dann "Nun, da muss ich überlegen... aber ich glaube, das wäre mein Vorgänger, Captain Jean-Luc Picard - und hier ist er: PATRICK STEWART!!!!" - und hinten an der Bühne geht die Schiebetür auf, und da steht er wirklich - Patrick Stewart himself, und was jetzt im Saal los ist, kann man kaum beschreiben. Innerhalb eines Sekundenbruchteils hält es niemanden mehr auf den Sitzen, ein ohrenbetäubender Lärm bricht los, ich mittendrin, wir brüllen und schreien und jubeln und applaudieren, ein Blitzlichtgewitter bricht los, Tränen laufen mir über die Wangen, ja, ich gebe es zu, dieser Moment ist so, wie ich noch keinen erlebt habe. Und ich bin mit Sicherheit nicht die einzige, die zum Taschentuch greift. Patrick steht da und begrüßt uns - und ich habe eigentlich keinen Film mehr, hatte ich doch gerade meinen letzten 400er Film für Kate durchgejagt. Andrea hilft mir mit einem 200er aus, besser als nichts, den ich eilig einlege. Kate und Patrick haben einen ungeheuren Spaß zusammen. Sie sprechen über "Star Trek X", über einen eventuellen Auftritt von Kate als Janeway, von dem sie noch nichts zu wissen scheint, Patrick spricht über die zahlreichen Gerüchte, erst hieß es, Data würde sterben, dann hieß es, Picard würde sterben ("well, I'm not saying that Picard is NOT going to die"), aber genauer wird er nicht. Die beiden sprechen über die Borg-Maske, die zu tragen sie beide das Vergnügen hatten, wobei das Anlegen bei Patrick einige Stunden länger gedauert hat als bei Kate "Das kommt, weil ich nackt sein musste", sagt Patrick augenzwinkernd. Und irgendwann beantworten sie auch gemeinsam Fragen aus dem Publikum. Ein Mädchen möchte von Kate wissen, wie es war, mit Pierce Brosnan in "Manions of America" zusammengearbeitet zu haben, als sie antworten will, sagt Patrick humorvoll, nunja, ER hätte schließlich auch mit Pierce Brosnan gearbeitet, aber wenn das NIEMANDEN interessieren würde... oh ja, die beiden haben Spaß. Die Chemie zwischen Kate und Patrick scheint zu stimmen. Ein Mädchen sagt, sie hätte hier Blumen für Kate, ob sie nach vorn kommen und diese überreichen dürfte, und Kate freut sich wirklich. Sie geht zum Bühnenrand und geht in die Hocke, und es wird wahrscheinlich ein Bild gemacht, und dann geht sie mit den Blumen zum Stuhl zurück, und Patrick geht einen Schritt nach vorn, streck auch die Arme aus – und geht natürlich leer aus, was wir alle mit einem Lachen quittieren. Irgendwann sagt Kate, dass es nun Zeit wäre, sie müsse noch einige Autogramme geben, und auch Mr. Stewart müsste jetzt wohl gehen, aber er sieht auf seine Uhr und sagt, nein, eigentlich müsse er noch gar nicht gehen... Sie hält eine nette Abschiedsrede und verlässt unter stürmischem Applaus die Bühne. Patrick beantwortet gern noch einige Fragen und widmet sich dann der Plastiktüte, die seine Assistentin (jetzt wissen wir, warum Jackie Edwards bei dieser Con war!!) für ihn bereitgestellt hatte. Er stellt die Tüte auf einen Stuhl, nimmt den ersten Gegenstand heraus und fingert nach seiner Brille. "Ich MUSS Euch meine neue Brille zeigen", sagt er, und demonstriert, dass diese aus Titan ist. Er verbiegt das Gestell, knotet es quasi zusammen, und das Ding springt unverzüglich in seine richtige Form zurück. Patrick freut sich wie ein Kind. Die Sachen in der Tüte hat er für eine Auktion mitgebracht. Eine Flasche Champagner aus dem Jahr 2273 (oder so ähnlich), die er noch signieren wird, einige Bilder von sich selbst, die er auch noch signieren würde, ein paar Buttons (Aufschrift: "Überleg, was Picard tun würde") und noch div. andere Dinge, die später von Bryan versteigert werden. Dann muss auch er los... Zwei Stunden hat dieses Mega-Panel gedauert!
Wir sind – fertig, irgendwie. Völlig erschöpft. Was natürlich auch an der schlechten Luft im Saal liegt... der sich jetzt ziemlich plötzlich leert, jeder spricht auf dem Weg nach draußen über den unglaublichen Auftritt von Patrick, davon, dass man unter den Zuschauern ja auch diesen Typen gesehen hatte, der AUSSAH wie Patrick, und dass man für den Bruchteil einer Sekunde gedacht hatte, Wolf hätte sich den Spaß gemacht, und eben diesen Typen als Patrick Stewart ausgegeben... aber eben nur für den Bruchteil.
Bis auf die Stars hatte wirklich niemand gewusst, dass er da sein würde.
Die Con geht weiter. Robert Picardo und Robert Duncan McNeill sind gemeinsam auf der Bühne, der Zeitplan ist längst überholt, durch das unerwartete Doppelpanel der beiden Captains. Die "beiden Bobs" halten ein wirklich gutes, witziges Panel ab.
Irgendwann ist Kate wirklich durch mit den Autogrammen – sie hat 3.509 Autogramme an einem Wochenende gegeben, das Publikum ist am Toben. Aber jetzt lassen sich die anderen Stars auch nicht lumpen. Alle, alle sitzen oben auf der Galerie und unterzeichnen, was das Zeug hält. Wir werden in Gruppen zu ca. 20 Nasen nach oben gelassen, in der Reihenfolge unserer Ticketnummern. Nacheinander bekommt man dann sämtliche Autogramme, oder nur die, die man möchte. Ich lasse alle, bis auf Ethan Phillips, im Programmheft unterschreiben. Von Ethan habe ich noch ein selbstgeschossenes Bild von der "ExpoTrek", das er mir unterzeichnet. Alle sind sehr nett und haben meist auch Zeit für einige Worte, man hat nicht das Gefühl, gehetzt zu werden. Fintan McKeown nimmt sich sogar die Zeit, sich mit jemand fotografieren zu lassen. Und die meisten personalisieren ihre Autogramme auch, wenn man sie drum bittet. Als ich bei Keegan deLancie am Tisch stehe, wird er gerade gefragt, was er trinken möchte, wenn man um 9 (um 21 UHR!!!) eine Pause macht... Neben Richard Herd sitzt eine ältere Dame und strickt irgendwas Grün-Oranges. Und der Tisch von Robbie McNeill ist natürlich der begehrteste und steht erst am Ende der Reihe.
Unten im Saal wird derweil die Party vorbereitet, eine Closing Ceremony gibt es nicht, die Stars schreiben schließlich Autogramme, und alles kann man nicht haben. Stattdessen zeigt man nochmals "Endgame". Das ist okay so. Dann werden die Stühle beiseite geräumt und wieder große runde Tische aufgestellt, während wir so zusammenstehen, ein letztes Mal durch den Händlerraum gehen (dort wird auch schon abgebaut), und uns auf dem Zimmer nochmals frisch machen, nicht, ohne vorher das Bild mit Kate abzuholen! Es ist wirklich nett geworden, Kate lächelt professionell in die Kamera, Andrea und ich stehen daneben und lächeln auch – und über uns allen dreien prangt Kates Unterschrift!
Die Party unten ist in vollem Gange, und oben schreibt man immer noch Autogramme. Bis nach 23 Uhr geht die Session, die Stars haben es sich zur Pflicht gemacht, Kate in nichts nachzustehen. Und dann kommen sie alle noch mal ans Geländer, unter frenetischem Jubel der Anwesenden auf der Tanzfläche. Und Robert LaBelle, Vaughn Armstrong und Keegan deLancie mischen sich dann doch unter uns und tanzen mit. Auch Manu Intiraymi lässt sich kurz sehen, bevor er in die Hotelbar abwandert.
Eine Con geht zuende. Mit "Bohemian Rhapsodie" von Queen, zu der sich jeder einen Stuhl auf die Tanzfläche holt. Überhaupt sind die Engländer äußerst bewandert in Gruppentänzen, wie wir gelernt haben...
Eine Con geht zuende. Für mich die größte, auf der ich bislang war; ganz sicher die mit der schlechtesten Luft und die mit den höchsten Nebenkosten für mich, was am Britischen Pfund liegt.
Aber mit Sicherheit die aufregendste Con, die ich in absehbarer Zeit erleben werde.
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