Convention Central


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Dragon*Con 2003


Conbericht DragonCon 2003


von Marcus Erbar

Dies war nun mein zweiter Besuch auf einer DragonCon, wie jedes Jahr in Atlanta, Georgia. Einerseits schien zwar alles irgendwie noch vertraut, aber so wirklich vorbereiten kann einen nichts auf die folgenden vier Tage unter weit über 20.000 Fans aller Coleur. Die DragonCon schafft jedes Jahr den unmöglich anmutenden Spagat zwischen praktisch allen Fandoms - Gamer, darunter wiederum Tabletop, CCG, Miniaturen - Gothic, mit entsprechenden Bands und bizarren Outfits - Fantasy, unglaubliche Kostüme und Live-Darbietungen - den Sci-Fi Fans von Buffy über Farscape bis hin zu Star Wars - und schließlich die eher weniger extravaganten aber nicht minder interessanten Teilnehmer der Autoren- und Wissenschaftsprogrammpunkte.

So schlägt schon die Schlange bei der Anmeldung alles, was man von „normalen“ Conventions gewohnt ist. Da stehen die Teilnehmer schon vor Öffnung des dafür vorgesehenen großen Raumes schon über 2 Stockwerke bis auf die Straße heraus. Wiederum typisch für die DragonCon ist aber trotz ihrer überwältigenden Größe die gute Organisation, und so wird selbst die längste Schlange sehr geordnet abgearbeitet (wobei hier die Disziplin der amerikanischen Fans sicher ihr übriges tut – statt sich zu beklagen werden hier eher neue Kontakte beim Warten geknüpft).

Wie oben schon angeklungen existieren 18 verschiedene Programmschienen, welche jede für sich ein tagesfüllendes, teilweise sogar nachtfüllendes Programm anbieten. Bei einem Streifzug über das riesige Congelände fällt einem vor jedem Raum eine Tafel mit dem aktuellen Tagesprogramm ins Auge, darüber hinaus liegen überall kostenlose Newsletter, der „Daily Dragon“, aus, welcher jeden Morgen über tagesaktuelle Änderungen informiert.

Da es auf der DragonCon so etwas wie Langeweile nicht gibt, startet schon der erste Contag mit voller Geschwindigkeit. Die Stargäste waren zwar noch nicht alle angekommen, die Fans waren aber schon im vollen Gange, sich selbst zu feiern. Programmpunkte wie Diskussionen um die aktuelle Entwicklung einer Serie, oder Fanfilme zogen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Wochenende. Gegen Abend sollten Julie Caitlin Brown und Bill Mumy mit einem Konzert auf einer der Bühnen stehen. Nicht schlecht war die Überraschung dann, als eine halbe Stunde vorher noch ein Wrestlingmatch in diesem Raum in vollem Gange war. Nach einem überragenden Sieg des Athleten, der scheinbar der Publikumsliebling war, war die Verspätung dann doch nicht so groß und die Gitarre konnte gezückt werden. Wer Julie schon einmal gehört hat, wird um ihre interessanten und philosophischen Texte wissen. Bill Mumy war danach echtes Kontrastprogramm. Auf seiner E-Gitarre brachte er richtigen Rock mit einer tollen Stimme und wahnsinnigen Gitarrenrifts auf die Bretter.

Der Samstag war dann der große Tag der maskierten Fans. Auch wenn nur ein kleiner Bruchteil seinen Platz in der Galerie gefunden hat, müssen die Fotos für sich sprechen, da die Kostüme und Masken wirklich unbeschreiblich waren. Die vier anwesenden Farscape-Darsteller Anthony Simcoe, Lani Tupu, David Franklin und Jonathan Hardy hatten heute ihren ersten Auftritt vor einem vollen Haus. David Franklin – Darsteller des Fieslings Braca – schnappte sich spontan das Mikrofon und tauchte auf der Suche nach Fragen in das Publikum. In einem sehr witzigen Panel wurde die Absetzung der Serie von allen Seiten bedauert, genauso aber auch die Bereitschaft, weiterzumachen, signalisiert. Jeder der vier allein könnte einen ganzen Saal allein unterhalten und so brach das Publikum mehr als einmal in schallendes Gelächter aus.
Dieser Tag war typischerweise der, mit den meisten Besuchern. Wo vor zwei Jahren noch Polizisten eingesetzt wurden, um die Hauptverkehrsstraße zwischen den beiden Conhotels von Fans freizuhalten, wurde in diesem Jahr einfach der Verkehr von lokalen Police Department aufgehalten. Hierbei kam es zu den skurrilsten Szenen, wenn einmal wieder ein knapp bekleideter Besucher an einem der typischen Südstaaten-Cops vorbeischlenderte und dieser nur argwöhnisch unter seiner verspiegelten Sonnebrille durchlugte – offenbar mehr als einmal bereit, dem Treiben ein Ende zu setzen :)
In der Nacht stand dann das Konzert mit James Marsters und dessen Band „Ghost of the Robot“ auf dem Programm. Was soll ich sagen... hunderte kreischender Teenies vor der Bühne und ein SF-Radio Redakteur als um sein Leben bangender Wellenbrecher in der ersten Reihe. Irgendwie – und alle Buffyfans mögen mir hier verzeihen – hat mir die Musik (oder war es doch vielleicht nur der Gesang *g*) so gar nicht gefallen und ich habe mich, nachdem sich die erste Hysterie vor meiner Nase gelegt hat, diskret aus dem Saal verabschiedet.

Wo auf anderen Cons schon langsam ans Packen gedacht wird, ging es auf der DragonCon am Sonntag ungebrochen weiter. Neben George Takei hatten auch die meisten Buffy-Darsteller heute ihre letzten Panels. Im Vergleich zu den Vortagen fanden diese allerdings in kleineren, gemütlicheren Räumen statt, was sich dann doch als Fehler herausstellte, da eine Menge Fans wegen Überfüllung keinen Platz mehr finden konnten. Gleichzeitig fand ich etwas Zeit, die permanente Autogrammstunde zu besuchen – und was saßen da für Charaktere! Neben den „normalen“ SF-/Fantasy-Darstellern signierten Wrestling Legenden wie Roddy Piper, Webcam Girls *ähem*, viele Comickünstler, sogar echte Exoten wie „Unendliche Geschichte“-Star Noah Hathaway und Lou „Hulk“ Ferrigno.
Und gerade in dem Moment, wo man denkt, man könnte hier von nichts mehr überrascht werden, kommt es noch dicker. Ich fuhr gerade mit dem Aufzug Richtung Lobby herunter und erspähte etwas Sonderbares – eine Rolltreppe voller Jedi Ritter. Der Szenerie näher kommend stellte es sich als Parade aller verkleideten Star Wars-Fans heraus. So zog der riesige Tross minutenlang an den begeisterten Zuschauern vorbei, verließ das Marriott und zog durch ein großes Einkaufszentrum in das Hyatt ein.
Gegen Abend waren dann noch die ein oder andere Party auf dem Plan, bis man glücklich und müde ins Bett fiel.

Der Montag markierte das Ende der DragonCon und somit auch den kürzesten Tag. Panels gab es nur noch einige wenige und auch die Besucher lichteten sich langsam. Man fand noch viel Zeit für einen letzten Plausch mit den Gästen und sich von den vielen neu gefundenen Freunden zu verabschieden.

Abschließend kann ich mein Resümee der Con vor zwei Jahren nur wiederholen. Einmal wieder hat sich mir die DragonCon als die beste, ungewöhnlichste und freundlichste Convention überhaupt dargestellt. Die Größe mag auf den ersten Blick abschrecken, ist aber absolut unbegründet, wenn man den Raum betrachtet, den die beiden Conhotels bieten. Durch die guten Verbindungen von und nach Atlanta bietet sich die DragonCon bestens als Zwischenstopp auf einem längeren US-Urlaub an. Also: Jederzeit wieder und wer’s nicht gesehen hat, hat was verpasst!