Conbericht 35th Anniv.
von Marcus Erbar
Die 35th Anniversary Convention, veranstaltet von der US Veranstalter Slanted Fedora, war als die größte und beste Convention aller Zeiten angekündigt. Gleichzeitig sollte man auch die längsten Schlangen erwarten, in denen man jemals gestanden hat. Am Tag vor dem offiziellen Beginn konnte man sich seine Tickets abholen. Was sich eigentlich nach einer guten Idee anhört, um Wartezeiten zu *verhindern*, wurde zu einer beeindruckenden Demonstration, was mit dem letzten Satz der Ankündigungen gemeint war. Wir reihten uns etwa eine Stunde nach der Eröffnung der Conrezeption in die schlange ein, die eigentlich gar nicht sonderlich lang war... nur bewegte sie sich so gut wie nicht. Die Erklärung: Man war so schlau und fertigte immer nur 5 Personen auf einmal ab, dann durften sich diese noch ihre Autogrammfotos für das Wochenende kaufen und wenn sie damit fertig waren kamen die nächsten 5 an die Reihe - dieses System wurde erst am späten nachmittag aufgegeben und man kam etwas zügiger vorwärts. Normalerweise hätte man etwa 5 Stunden anstehen müssen, da wir aber Bekannte weiter vorne in der Schlange aufgespürt hatten, verringerte sich das auf "gerade mal" 3 Stunden(...).
Donnerstag, 6. September
Am morgen stand als erstes der Umzug ins Conhotel, dem Alexis Park Ressort, und ein Rundgang über das Congelände an. Es war verhältnismäßig klein - der Autogrammsaal für die Nebendarsteller und Stars anderer Serien, ein großer und ein kleiner Panelraum, Aufenthaltsmöglichkeiten in einem Durchgangsraum und am Pool, sowie ein für eine Con dieser Größe überraschend kleiner Händlerraum, den man zunächst gar nicht finden konnte, da man dafür das Hotel durch den Haupteingang verlassen mußte und in einen benachbarten Saal gehen mußte.
Das Programm startete dann jeden morgen um 10 Uhr mit der Autogrammstunde der Hauptdarsteller - an diesem Tag war dies die TNG-Besatzung bis auf Patrick Stewart und Jonathan Frakes - wobei jeder Ticketinhaber eine festgelegte Zeit hatte, zu der er erscheinen sollte. Wie zu erwarten war, verschob sich die ursprünglich geplante Zeit an jedem Tag um 30 Minuten bis 1 1/2 Stunden, so dass man in der Regel nicht vor 14 Uhr alle 2500 VIP Tickets (500-1500 Dollar) durch hatte.
Während am heutigen Tag im kleinen Panelraum Stars wie LeVar Burton, William Shatner und Kate Mulgrew in einem kleinen Kreis von vielleicht 250-300 Fans und praktisch eine Armlänge von der ersten Reihe enfternt, stellten sich auf der Hauptbühne die TNG-Darsteller mal zusammen, mal alleine den Fragen der Fans. LeVar Burton äußerte sich dabei begeistert von der neuen Serie "Enterprise", an der er gerade in der Woche zuvor Regie geführt hatte. Auch streute er die Information unter die Fans, dass Paramount Whoopie Goldberg für eine Gastrolle im zehnten Kinofilm angesprochen habe.
Das Panelprogramm war immer um 18 Uhr beendet, wonach es jeden Abend mit 4 Theatershows weiterging, die jede für sich ein einmaliges Erlebnis war. Ich selbst schaute mir Gates McFadden und Brent Spiner, die Kurzgeschichten vorspielten, sowie "Love Letters" von René Auberjonois und Nana Visitor an, wobei letzteres mein absoluter Favorit der Convention war.
Freitag, 7. September
Am Freitag ging es mit dem Tag der Deep Space Nine-Besatzung weiter. Anwesend war die komplette Stammcrew mit Ausnahme von Avery Brooks und Terry Farrell, sowie René Auberjonois und Michael Dorn, die beide schon am Tag zuvor aufgetreten sind.
Los ging es natürlich wie jeden morgen mit der Autogrammstunde der Hauptdarsteller, die dieses mal noch langsamer lief, als am Tag zuvor, aber zum Schluß doch noch jeder seine Autogramme bekam. Nachdem man sich den Mittag mit Panels der DS9-Nebendarsteller und einem Teil der Classic- und Deep Space Nine-Crew vertreiben konnte bildete die tägliche Cast-Reunion wieder den absoluten Höhepunkt.
Und hier galt mal wieder: Je mehr Schauspieler auf der Bühne stehen, desto alberner wird's. Auf die Frage nach den Zukunftsplänen meinte Cirroc Lofton, der den mittlerweile ganz und gar nicht mehr jungen Jake Sisko spielte, er würde jeden Job annehmen und nur für Essen als Gegenleistung arbeiten.
Armin "Quark" Shimerman nahm die Gunst der Stunde wahr und stellte exklusiv auf der Con und vor den versammelten Kollegen seine Pläne vor, eine DS9-Sitcom zu produzieren und all die Geschehnisse aus 7 Jahren Drehalltag hinter den Kulissen zu verfilmen :)
Abgeschlossen wurde der Contag mit einem echten Gänsehautmoment. Nachdem noch alle am Wochenende anwesenden Nebendarsteller aus der Serie auf die Bühne geholt wurden und alle eng auf der Bühne saßen oder standen, sang James Darren "I've got you under my skin" - besser kann's in Vic's Bar *nie* gewesen sein. :)
Nach den abendlichen Theatershows wurden wie eigentlich jeden Abend die Bürgersteige sofort hochgeklappt und es waren mal wieder nur eine handvoll Deutsche übrig, die noch an der Poolbar die Stellung hielten, welche allerdings auch nur in unseren Wünschen existierte...
Samstag, 8. September
Nunja... nach viel zu viel Schlaf ging es in den dritten Tag der Convention, dem 8. September und somit dem offiziellen 35. Geburtstag von Star Trek. Gefeiert wurde den ganzen Tag über mit der kompletten noch lebenden Besatzung der Originalserie.
Da mir aber langsam die Zeit weglief, habe ich erst einmal eine ganze Zeit im schrecklich vollgestopften Autogrammsaal verbracht, in dem etwa 2 dutzend Nebendarsteller wie Marc Alaimo, Jeffrey Combs, Max Grodénchik, Aron Eisenberg, James Darren, alle drei Borg-Kids und auch Darsteller anderer Serien wie Claire Stansfield (Alti / Xena), Alexandra Tydings (Aphrodite / Xena), Jerry Doyle (Garibaldi / B5), Robert W. Krimmer (Carthagia / B5) und Herb Jefferson jr. (Boomer / Galactica).
Als dann am Nachmittag alle Crewmitglieder auf der Bühne vereint wurde, wurde es zum Teil richtig sentimental und man merkte deutlich, wie nahe sich alle immer noch stehen - William Shatner war übrigens am ersten Tag der Con schon da und konnte deshalb nicht an dieser Reunion teilnehmen. Kurze Kostprobe: Nichelle Nichols erzählt, wie die komplette Crew am Ende von Star Trek VI ins Wasser gesprungen ist und dass sie hinterher vollkommen durchnässt war - darauf James Doohan von hinten "Und Du hast jede Sekunde genossen !". Am Ende sang Nichelle für ihre Freunde auf der Bühne und die Fans... unbeschreiblich :)
Nun sollte noch eine als ganz besonders einmaliges Erlebnis angepriesene Veranstaltung stattfinden - eine Pool Party mit Nichols, Koenig, Doohan und Takei als Bartender. Dazu auch noch mit der Möglichkeit, für 10$ mit den Stars einen Drink zu nehmen und ein Foto zu schießen. Aber als schlauer und aufmerksamer Besucher der 35th anniversary convention konnte man sich natürlich denken, was dabei herauskommen würde: Ewig lange Schlangen bei etwa 35° im Schatten - und es gab keinen Schatten - ein kurzes Hinstellen neben den Star, Foto machen und den Drink alleine leeren. Wirklich aufregend...
Abends gab es noch einige der besten Shows des Wochenendes, die Fab 4 of Voyager und Alexander Siddig und Andrew J. Robinson, die in einer selbst geschriebenen Geschichte das Verhältnis zwischen Bashir und Garak weiterspielten - wer Andy's Buch "A Stitch in Time" gelesen hat, war klar im Vorteil. Nicht unerwähnt soll das 200$ teure Galadinner zur Geburtstagsfeier bleiben, in dessen Rahmen Leonard Nimoy und John deLancie beide Teile von "Spock vs. Q" aufführten und James Darren ein Konzert gab. Durch die fehlenden Kontrollen an den Eingängen des Hauptsaales konnte man sich die letzten beiden Programmpunkte allerdings auch ohne dem Veranstalter noch mehr Geld in den Rachen zu werfen, anschauen... ;))). Nachdem die Amerikaner ins Bett gegangen sind, haben mal wieder ein paar deutsche Fans ihren Platz am Pool eingenommen, um den nächsten und letzten Contag zu begrüßen.
Sonntag, 9. September
Dieser Tag sollte für mich - zumindest was das Panelprogramm angeht - der Höhepunkt werden. Die Zeit vor der Cast-Reunion verbrachte ich im kleinen Panelraum, in dem heute Tim Russ, Roxann Dawson und Robert Picardo auftraten, wobei Bob aus seinem Panel ein kleines Konzert machte und Songs aus seinem Album "Basic Bob" sang. Unterbrochen wurde er peinlicherweise durch sein eigenes Handy, an dessem anderen Ende sein Babysitter war. Der bekam erst einmal einen Riesenapplaus vom Publikum :)
Bis auf Jeri Ryan, die auf ihren Flug mußte(...), traten dann gegen 16 Uhr alle 8 anwesenden Besatzungsmitglieder der Voyager auf die Hauptbühne. Dabei brachen dann wirklich alle Dämme und das ganze erinnerte mehr an eine Sitcom, als an ein Panel :) Dinge, die sie gerne in der Show gesehen hätten: "Tea Time with Tuvok". An welcher Show sie gerne mitgearbeitet hätten außer Voyager ? Robert Beltran bei "Babylon 5", Garrett Wang hätte gerne einen Charakter bei den "Simpsons" gesprochen und Bob Picardo wäre gerne Ophra in der gleichnamigen talk show gewesen... Und zum Abschluß imitierte Garrett Wang alle seine lieben Kollegen auf der Bühne, wobei jeder sein Fett weg bekam !
Am Ende wurde ein Script mit Autogrammen aller Darsteller für ,500 versteigert, woraufhin die Käuferin von allen männlichen Voyager-Stars geknuddelt wurde :)
Und so endete die Con am Sonntag abend und bei mir blieben gemischte Gefühle zurück. Es war eine gute Convention - allein aus dem Grund, dass die Gästeliste mehr als beeindruckend war und es etwas Vergleichbares in den nächsten 5 Jahren sicher nicht wieder geben wird und auch die Panels waren allesamt sehr, sehr gut. Ein weiterer positiver Punkt waren die abendlichen Theatershows, etwas, dass es hierzulande noch nie gab und einem die Darsteller mal von einer ganz anderen Seite, eben auf einer Theaterbühne, zeigte. ABER die komplette Convention hatte ein Ziel: Dem Veranstalter mit möglichst wenig Aufwand von seiner Seite möglichst viel Geld einzubringen. Das fing mit einem mehr als unverschämten Ton während der Autogrammstunde des ersten Tages an, in der den Fans, die sich in der Schlange nicht beeilten oder Fotos schießen wollten, die Abnahme ihres Tickets oder bewaffnete FBI-Agenten, die sich angeblich im Saal befänden und nur darauf warteten, jemanden fest zu nehmen, gedroht. Würde mich mal interessieren, seit wann das FBI(!) für den Personenschutz von ein paar Sci-Fi Schauspielern verantwortlich ist... Naja, weiterhin gab es keine wirkliche "Show", wie man es von deutschen Conventions gewohnt ist - keine Musik beim Einzug oder Abgang der Stars, keine Musikvideos, kein nichts. Jede Sonderleistung mußte sehr teuer bezahlt werden - es fing bei den Autogrammfotos, die es zum Festpreis von 6 $US gab, über je 10 $ teuren Tickets für die Theatershows, weiter mit den 200 $ Tickets für das Galadinner, bis hin zur Abschlußparty in der Star Trek Expierence im Las Vegas Hilton für ganze 300 US-Dollar. Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht - die Tickets, mit denen man sich überhaupt erst "Autogrammrechte" für die Hauptstars erkauft hatte und man Zutritt zum Hauptsaal bekam, kosteten 0 - wer "alles inklusive" haben wollte (bis auf die Fotos, die immer noch 6$ kosteten), mußte schon 00 hinblättern. Nächster Kritikpunkt waren die Helfer - es gab nur etwa 15 Helfer auf der *kompletten* Con, die sich im Prinzip nur auf die Abwicklung der Autogrammstunden konzentrierten und es daher niemanden interessierte, welche Ticketkategorie man hatte, so dass man sowohl in das Galadinner, als auch in jede weitere Show einfach hineinspazieren konnte, vom Hauptsaal ganz zu schweigen, in den Inhaber der "billigen" 0-Karten oder gar Tageskartenbesitzer eigentlich gar keinen Zutritt hatten. Das Convention Gelände war zwar sehr schön, jedoch zu klein für eine Veranstaltung dieser Größe. Der verhältnismäßig kleine Saal der permantenten Autogrammstunde war alle 4 Tage über schrecklich voll, laut und stickig, was keinem Beteiligten gefiel, aber ertragen werden (mußte) und auch die ganz oben genannte Ankündigung mit den langen Schlangen bewahrheitete sich vollkommen... egal was man wollte, man mußte dafür in einer Schlange stehen.
Es wurde alles für die "großen" Gaststars und das Konto des Veranstalters getan, jedoch wurde alles andere auf der 35th anniversary convention mehr oder weniger sich selbst überlassen, was zwar funktionierte, jedoch keine Atmosphäre aufkommen ließ. Das mag sich jetzt für jemanden, der nicht da war und europäische Conventions gewohnt ist, seltsam anhören, aber der Applaus des Publikums beschränkte sich nach egal welchem Panel auf MAXIMAL 20 Sekunden Länge und war schrecklich lahm. Ob es daran liegt, dass die amerikanischen Fans schon so "verwöhnt" sind oder ein spezielles Problem von Slanted Fedora Cons ist, kann ich nicht sagen. Trotz allem möchte ich dieses Wochenende allein auf Grund der Gästeliste allerdings nicht missen, trotzdem wird mich so schnell nichts mehr auf eine kommerzielle US-Convention von Slanted Fedora oder Creation Entertainment bringen. Da haben wir allein hier in Deutschland bessere, stimmungsvollere und viel, viel günstigere Conventions mit ähnlichen Gästelisten, wie die kommerziellen US-Shows normaler Größe. Ich habe mir nun ein klares Bild machen können, weshalb die Schauspieler auf FedCon und Co. immer wieder betonen, wie großartig sie die deutschen Conventions finden.
Es geht in den USA allerdings auch anders - auch dort gibt es noch von Fans organisierte Con und wer sehen und lesen möchte, wie es meiner Meinung nach RICHTIG gemacht wird, der sollte mal in die Berichterstattung der eine Woche vorher stattgefundenen DragonCon hereinschauen.
|